Wirtschaft Thüringer Baubranche trotzt der Corona-Krise - noch

Die Thüringer Bauindustrie boomt weiter. Wie der Bauindustrieverband Hessen/Thüringen und die IG Bau übereinstimmend mitteilten, hat die Coronavirus-Pandemie bisher keine negativen Auswirkungen auf die Bautätigkeit im Freistaat. Das könne sich aber jederzeit ändern.

Ein Gebäude wird errichtet
Noch läuft es in der Thüringer Bauindustrie. Doch welche Folgen hat die Corona-Krise langfristig? Bildrechte: Colourbox.de

Wenn die Temperaturen steigen, wird es auch in der Baubranche wieder betriebsamer. Und das auch in diesem Frühling, in dem ansonsten so vieles anders ist. Klaus Hartung, Teamleiter der Industriegewerkschaft (IG) Bau für Thüringen, Sachsen und  Sachsen-Anhalt, zeigt sich optimistisch: Auf allen Baustellen werde planmäßig gearbeitet, es gebe weder Auftragseinbrüche noch Kurzarbeit oder gar Entlassungen.

Corona-Abstandsregeln auf dem Bau schwierig einzuhalten

Probleme sieht Hartung jedoch bei der Einhaltung der Hygiene-Vorschriften - gerade bei kleinen Bauunternehmen und Subunternehmen. Vielfach würden die Bauarbeiter weiterhin in einem Transporter zur Arbeit fahren und gemeinsam in einem Container ihre Mahlzeiten einnehmen. Zudem sei der vorgeschriebene Mindestabstand zwischen den Bauarbeitern von anderthalb bis zwei Metern in der Praxis kaum einzuhalten. Auch das steigere die Gefahr von Coronavirus-Infektionen, so Hartung weiter.

Zwei Bauarbeiter tragen eine Metallwanne bei der Sanierung eines Altbaus.
Der Mindestabstand zum Schutz vor dem Coronavirus ist auf dem Bau laut Gewerkschaftern in der Praxis kaum einzuhalten. (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO

Positive Stimmung auch beim Bauindustrieverband

Bettina Haase, Geschäftsführerin des Bauindustrieverbands Hessen-Thüringen in Erfurt, sagte MDR THÜRINGEN, derzeit würden alle Bauunternehmen ihre Aufträge weiterhin ausführen und abarbeiten. Es gebe keine Absagen oder Ausfälle - sowohl von Auftraggeber- als auch von Auftragnehmerseite. Das betreffe öffentliche wie private Bauaufträge. Der Verband hoffe auf ein schnelles Ende der Krise innerhalb der nächsten zwei Wochen - ansonsten seien die Folgen unabsehbar. Derzeit laufe aber alles "im Großen und Ganzen" noch rund.

Unwägbarkeiten und Unsicherheit nehmen zu

Allerdings könne sich das jederzeit ändern - und dafür gebe es bereits erste Anzeichen. Erkrankungen, Väter, die sich zu Hause um ihre Kinder kümmern müssen oder als Verdachtsfall in häuslicher Quarantäne sind, führten bereits vereinzelt zu Personalausfällen auf den Baustellen und würden die Fertigstellung von Bauaufträgen verzögern. Des Weiteren befürchtet der Verband, dass die aufgrund der Corona-Krise drohende Rezession in der Wirtschaft in der Zukunft zu weniger Aufträgen führen könnte, weil potenzielle Auftraggeber aufgrund der unsicheren Lage weniger finanzielle Investitionen tätigen. Entscheidend sei der Zeit-Faktor: Je länger die Krise andauere, desto gravierender seien die Auswirkungen.

In Sachen Hygiene-Vorschriften widerspricht der Wirtschaftsverband der Baugewerkschaft. Auf Einhaltung der Vorgaben werde penibel geachtet, heißt es. So würden zum Beispiel Bauarbeiter nicht mehr gemeinsam in einem Transporter zu den Baustellen fahren und die Bauarbeiter nicht mehr alle zusammen in einem kleinen Bau-Container ihre Mahlzeiten einnehmen. Aber auch das sorge vermehrt für logistische Probleme.

Thüringer Baubranche noch mit vollen Auftragsbüchern

Nach Angaben des Thüringer Landesamtes für Statistik (TLS) wurde im Januar 2020 in den Betrieben des Thüringer Bauhauptgewerbes (Wohnungsbau, Wirtschaftsbau und Öffentlicher Bau) mit mehr als 20 Beschäftigten ein Gesamtumsatz in Höhe von 112 Millionen Euro erzielt. Bei gleicher Anzahl an Arbeitstagen wie im Vorjahresmonat und drei Betrieben mehr entspricht das einem um 16 Millionen Euro oder um 17 Prozent höheren Umsatz. Im Januar 2020 wurden Aufträge in Höhe von 169 Millionen Euro angenommen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist dies ein Zuwachs von 31 Millionen Euro (22 Prozent). Den höchsten Anteil an den Auftragseingängen insgesamt konnte der öffentliche und der Straßenbau mit 55 Prozent verbuchen. Das Thüringer Bauhauptgewerbe hat laut TLS knapp 24.000 Beschäftigte.

Steigende Entsorgungskosten machen zunehmend Probleme

Aufgrund des Baubooms in Thüringen haben viele Bauunternehmer zunehmend Probleme mit der Entsorgung von immer größeren Mengen Bauaushub und teils belastetem Bauschutt - vor allem aus dem Straßenbau. Wie die Interessengemeinschaft Deutscher Deponiebetreiber MDR THÜRINGEN bestätigte, werden die Transportwege für die Entsorgungsunternehmen immer länger, was zu steigenden Entsorgungskosten führt. Nach Auffassung des Bauindustrieverbandes und des Baugewerbeverbandes zwingen mangelnde regionale Deponie-Kapazitäten und strenge behördlichen Vorgaben Thüringer Baufirmen dazu, ihren Bauaushub/Bauschutt in anderen Bundesländern, teils sogar im EU-Ausland, zu entsorgen. Das habe zu deutlich gestiegenen Transportkosten geführt und damit sämtliche Bautätigkeiten teurer gemacht. Diese Probleme seien jedoch vor dem Hintergrund der Corona-Krise momentan zweitrangig, hieß es vom Bauindustrieverband Hessen-Thüringen. Jetzt gehe es vorrangig darum, Aufträge abzuarbeiten, Arbeitsplätze zu erhalten und möglichst unbeschadet die Corona-Krise zu überstehen.

Mehr Informationen zum Coronavirus in Thüringen

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. April 2020 | 06:00 Uhr

1 Kommentar

Quentin aus Mondragies vor 7 Wochen

Wenn man als Baufirma international operiert und sich auf mobile Errichtung von Krankenhäuser, Flüchtlingsheimen oder sonstigen schnell zu errichtenden Notunterkünften konzentriert, sehe ich in den nächsten Jahrzehnten kein Problem. Es gibt Branchen, die profitieren von der jetzigen Situation und die werden auch zukünftig von der Angst zukünftiger Epidemien profitieren. Steht doch jedem frei in solche Unternehmen zu wechseln. Sollte jetzt jedem klar sein, was dies ist.

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