Covid-19 Diskussion um Corona-Tests: Behauptungen im Faktencheck mit Virologe Kekulé

Sind die vielen Neuinfizierten, die pro Tag gemeldet werden, vielleicht gar nicht an Covid-19 erkrankt - sondern nur falsch-positiv getestet worden? Der Arzt Alexander Kekulé gibt regelmäßig bei MDR AKTUELL Auskunft. Dabei widerlegt er auch Aussagen über das Coronavirus, die manche Politiker treffen. Positive Coronatests seien mit fast 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit richtig, betont Kekulé.

Die Diskussion um das Coronavirus, Covid-19 und die weltweiten Folgen der Krise verunsichert viele Menschen. Nicht zuletzt tragen unterschiedliche oder sich gar widersprechende Aussagen in der Öffentlichkeit dazu bei - auch von Politikern. Dabei sind einige Fakten zu Corona mittlerweile gut belegt - und werden von den allermeisten Medizinern und Wissenschaftlern nicht infrage gestellt. Dazu zählt die Tatsache, dass das Tragen einer richtig sitzenden Maske eine gewisse Rolle bei der Eindämmung der Pandemie spielt. Oder, dass ein Sicherheitsabstand von eineinhalb bis zwei Metern das Risiko einer Ansteckung minimiert.

Richtig-Positiv-Rate: Corona-Tests nahezu 100 Prozent treffsicher

Schwieriger wird es bei den Details. Ein oft diskutierter Punkt: Wie wahrscheinlich ist es, dass Covid-19 im Labor nachgewiesen wird, obwohl der oder die Betroffene gesund ist? Mit anderen Worten: Wie hoch ist die Quote falscher Ergebnisse bei Labortests?

Ich höre das oft: Wir haben ja so viele falsch-positive Tests. Das stimmt absolut nicht. Positiv-falsch heißt ja, dass der PCR-Test falsch ist. Das heißt, dass Covid-19 nachgewiesen wurde, wo gar kein Covid-19 drinnen war.

Alexander Kekulé, Professor für Medizinische Mikrobiologie und Virologie, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Die Richtig-Positiv-Rate, so der technische Ausdruck, liegt laut dem Virologen Alexander Kekulé in einer Größenordnung von ungefähr 99,8 Prozent. Es gebe aber dazu verschiedene Angaben seitens der Hersteller und unabhängiger Prüfer, die sogar auf eine Rate von 100 Prozent kommen. Sicherlich könne man argumentieren, im Labor würden mal Proben verwechselt, so Kekulé. Da gebe es durchaus Überlegungen, dass es nie ganz 100 Prozent sein werden. "Aber das ist so verschwindend gering, dass man sagen muss: Diesen Fehler haben wir hier nicht", betonte Kekulé. Wer einen positiven Corona-Test aus dem Labor bekommt, kann davon ausgehen, tatsächlich Covid-19 zu haben.

Kekulés Corona-Kompass 51 min
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MDR AKTUELL Di 01.09.2020 16:08Uhr 50:48 min

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Rein wissenschaftlich gibt es keinen Grund, von zwei Prozent falsch-positiven Testungen zu sprechen. [...] Man kann sagen: Jemand, der auf Covid-19 bei uns positiv getestet wird, der hat in der Regel das Virus am Hals.

Alexander Kekulé

Die Frage müsse eher lauten, wie viele der positiv Getesteten tatsächlich ansteckend sind - und das Coronavirus weitergeben. "So herum ist die Frage sinnvoll", sagte Kekulé. Denn viele Covid-19-Erkrankte zeigen kaum Symptome.

Virologe widerspricht Behauptungen von Björn Höcke

Unter anderem der Thüringer AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke hatte im MDR THÜRINGEN-Sommerinterview einige Behauptungen geäußert, denen Ärzte und Wissenschaftler widersprechen. So sagte Höcke unter anderem, wer positiv getestet worden sei, habe das Coronavirus vielleicht vor einem halben Jahr mal gehabt. Das ist falsch, wie Kekulé bei MDR AKTUELL erläutert: "Wir sprechen hier von einer PCR, also von einem Virusnachweis." Das bedeute, dass zum Testzeitpunkt aktuell das Virus im Nasen- und Rachenraum vorhanden ist. Höcke habe da den PCR- mit dem Antikörpertest verwechselt.

Keiner scheidet das Virus sechs Monate, also ein halbes Jahr lang aus.

Alexander Kekulé

Kekulé: PCR-Tests weisen keine "anderen" Coronaviren nach

Klar widerspricht Kekulé der Aussage von Höcke, mit den PCR-Tests würden auch andere Coronaviren als SARS-CoV 2 nachgewiesen. Technisch gebe es darauf keine Hinweise, so der Fachmann. So müssen sich die Testlabore in Deutschland regelmäßigen Qualitätskontrollen unterziehen. "Da kriegen die so ein paar Röhrchen zugeschickt, wo sie nicht wissen, was drin ist. Und in einigen dieser Röhrchen sind immer andere Coronaviren, damit es ein bisschen schwieriger ist", erklärt Kekulé. Durch diese Prüfungen wird demnach sichergestellt, dass die Testlabore korrekt arbeiten - und die "richtigen" Coronaviren in den Proben nachweisen.

Dieses Gerücht, dass in diesen Tests auch die anderen Coronaviren nachgewiesen werden würden, ist absoluter Unsinn.

Alexander Kekulé

Experte warnt vor Verharmlosung der Krankheit

Der Experte warnt allgemein davor, die Krankheit zu unterschätzen. An Covid-19 sterben nach aktuellem Kenntnisstand mehr Menschen als an der saisonalen Grippe, rechnet der Arzt vor. Betroffen sind dabei nicht nur die Ältesten. Betrachte man nur die 20-bis 70-Jährigen in Deutschland, komme man auf fast 0,8 Prozent Letalitätsquote. "Das heißt also, man ist [...] weit über dem, was die normale Influenza macht", sagt er. Auch für junge Menschen sei die Krankheit gefährlich, wie Daten aus anderen Ländern zeigen.

Es ist so, dass in den Vereinigten Staaten, wo wir über 180.000 Tote haben, 25.000 Menschen unter 65 gestorben sind. Nur so viel zu der Aussage, dass man unter 65 kein Risiko hätte, an Covid-19 zu sterben.

Alexander Kekulé

In dem Podcast weist Kekulé auch daraufhin, dass die Menschen in Deutschland besser mitgenommen werden müssten. Viele Probleme seien natürlich auch der Eile der ganzen Situation geschuldet. Dennoch plädiert er dafür, dass politische Entscheidungsträger den öffentlichen Umgang mit dem Virus klar und einheitlich vermitteln.

Wenn man vergisst, den Menschen zu erklären, was die Strategie dahinter ist und immer nur sagt: Wir fahren auf Sicht, wir haben keine richtige Strategie, dann glaube ich, springen einem die Leute von der Stange. Und das sind dann die, die man bei solchen Demos wie am Wochenende sieht.

Alexander Kekulé

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Quelle: MDR THÜRINGEN/uka

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 01. September 2020 | 15:45 Uhr

37 Kommentare

DER Beobachter vor 25 Wochen

Ebda.: "Es brauche "eine Testung auf Infektiosität statt auf Infektion", schrieb er in der "Zeit". Die gängigen PCR-Tests lieferten die nötigen Informationen zur Viruslast schon. "Würden wir uns zutrauen, aus den inzwischen vorliegenden wissenschaftlichen Daten eine Toleranzschwelle der Viruslast abzuleiten, könnten Amtsärzte diejenigen sofort aus der Abklingzeit entlassen, deren Viruslast bereits unter die Schwelle gesunken ist. Es würden wohl die allermeisten sein", so Drosten." Aber es gibt offenbar Gründe, sich nicht zu trauen, und ich gehe mal anders als gewisse "Experten" hier und auf diesen komischen Demos davon aus, dass diese Gründe nicht politisch motiviert sind, sondern aus epidemologischer/virologischer Sicht...

Der Matthias vor 25 Wochen

@ ralf meier

"Muß ich Ihnen per Dreisatz erläutern, was es heisst, wenn bei 100.000 Messungen an einem Tag 1 % falsch positiv getestet wird ?. Das entspricht grob den Zahlen, die das RKI täglich als positiv meldet."

Das ist wieder der übliche Unsinn, den Sie hier erzählen! Falls Ihre Behauptung stimmen würde, dann würde dies suggerieren, dass es sich bei den vom RKI täglich gemeldeten Fällen ausschließlich um falsch positiv gemeldete Fälle handeln würde. Das ist allerdings grober Unsinn! Wenn überhaupt, dann befinden sich unter diesen täglich vermeldeten Fallzahlen die oben erwähnten lediglich 0,2%. Warum das zwar für den Einzelnen ärgerlich ist (weil sich die Betroffenen ggf. zu unrecht in Quarantäne begeben müssen), aber ansonsten nicht weiter dramatisch ist, hatte ich oben bereits erläutert.

ralf meier vor 25 Wochen

Hallo Denkschecke, für den Vorwurf 'FakeNews entschuldige ich mich' . Das sollte eine kleine Replik für Ihren Vorwurf der Mythenbildung sein, ist mir aber angesichts Ihrer freundlich sachlichen Rückmeldung nun etwas peinlich. Was den n-tv Artikel angeht. Der zitiert wiederum renomierte Wissenschaftler aus Deutschland und den USA. 'Fachliteratur werden wir wohl erst in ein zwei Jahren haben. Derzeit wissen alle noch zu wenig. Deshalb auch meine Entschuldigung an Sie.

mfg ralf meier

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