In Grafiken erklärt Wie das Coronavirus eingedämmt werden soll

Zur Eindämmung des Coronavirus gelten auch in Thüringen Abstandsregeln und Ausgangsbeschränkungen. Die Politik will damit eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindern. Unsere Animationen zeigen die Idee dahinter.

Im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist immer wieder vom Abflachen der Kurve die Rede. Dahinter steckt die Idee, die Anzahl neuer Corona-Fälle über einen längeren Zeitraum zu strecken. Denn erkranken in kurzer Zeit sehr viele Menschen an Covid-19, stößt das Gesundheitssystem ab einem gewissen Punkte an seine Grenzen: Krankenhäuser sind überfüllt, Betten werden knapp und die intensivmedizinische Betreuung kann nicht mehr für jeden gewährleistet werden. Dann steigt womöglich auch die Zahl der Toten.

Momentan herrschen in Deutschland beispiellose Einschränkungen - Bund und Länder haben Abstandregeln eingeführt, Kontaktsperren verhängt und Ausgangsbeschränkungen eingeführt. Soziale, physische Nähe soll auf ein Minimum reduziert werden. In den folgenden animierten Grafiken zeigen wir, was sich die Politik von den einschneidenden Maßnahmen verspricht.

1. Szenario: Keine Maßnahmen gegen das Virus treffen

Die erste Simulation zeigt vereinfacht, wie eine Übertragung des Virus in der Bevölkerung ohne zusätzliche Maßnahmen ablaufen würde. Zu Beginn sind alle Menschen gesund (grüne Punkte). Einfachhalber gehen wir von 200 aus. Trägt der erste das Virus in sich, stecken sich ohne Einschränkungen sehr schnell sehr viele Menschen an.

Das geht so lange gut, wie das Gesundheitssystem diese Menschen versorgen kann (blaue Farbe). Wegen der schnellen Ausbreitung des Coronavirus wird die Kapazitätsgrenze des Gesundheitssystems aber sehr frühzeitig gesprengt. Die Zahl der Toten steigt nun wesentlich schneller, da die Patienten nicht mehr adäquat betreut werden können (rote Farbe). Die rote Linie in der rechten Grafik stellt die Kapazitätsgrenze des Gesundheitssystems dar.

2. Szenario: Abstandsregeln werden eingeführt

Um das Kollabieren des Gesundheitssystem zu verhindern, führt die Politik nun Regeln ein. Zunächst gehen wir davon aus, dass sich Menschen nicht mehr so nah kommen sollen, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Beispielsweise werden Einkaufsläden und Gastronomen verpflichtet, einen Mindestabstand von 1,5 Meter zwischen Kunden und Tischen zu gewährleisten.

In der zweiten Grafik werden diese Abstandsregeln in der Bevölkerung simuliert. Weil das Virus langsamer übertragen wird, dauert es nun wesentlich länger, bis die Kapazitätsgrenze des Gesundheitssystems überschritten wird. Dennoch ist sie irgendwann erreicht und es sterben mehr Menschen als in einem intakten Gesundheitssystem.

3. Szenario: Ausgangsbeschränkungen werden eingeführt

Da die Wirkung von Abstandsregeln begrenzt ist, gehen wir nun davon aus, dass die Politik stattdessen eine Ausgangsbeschränkung einführt. Ansammlungen im öffentlichen Raum sollen vermieden werden, die Menschen möglichst zu Hause bleiben.

Die Barrieren in der dritten Grafik illustrieren die Trennung der Bevölkerung. Offenbar wirken reine Ausgangsbeschränkungen stärker als reine Abstandsregeln. Doch auch hier ist das Gesundheitssystem ab einem gewissen Punkt überlastet und es sterben in dieser Zeit überproportional viele Menschen.

4. Szenario: Ausgangsbeschränkungen und Abstandsregeln kombiniert

Nun werden Abstandsregeln und Ausgangsbeschränkungen kombiniert - so wie es in Thüringen seit Ende März im Grunde der Fall ist. Das Virus breitet sich langsamer aus und die Ansteckungsrate sinkt. Weil die Kapazitätsgrenze des Gesundheitssystems kaum überschritten wird, werden die meisten Erkrankten gut versorgt. Dadurch sinkt auch die Zahl der Toten erheblich.

So ist es zumindest in der Theorie. Ob die Beschränkungen wirklich wirken, um die Ausbreitung des Coronavirus wirksam zu verlangsamen, wird sich erst in einigen Wochen zeigen. Ein nützliches Maß zur Einschätzung ist die Verdopplungszeit. Damit misst man, in wie vielen Tagen beispielsweise aus 1.000 Infizierten 2.000 werden. Steigt die Verdopplungszeit an, ist das zunächst ein gutes Zeichen und ein Hinweis darauf, dass die Maßnahmen wirken.

Gutes Zeichen: Der Verdopplungszeitraum steigt

Momentan sieht die Entwicklung gut aus. In Deutschland steigt der Verdopplungszeitraum an. Auch in Thüringen ist das erkennbar. Mitte März, als noch keine Schulen geschlossen wurden, lag der Verdopplungszeitraum bestätigter Fälle bei zwei bis drei Tagen. Am 1. April lag sie bereits bei sieben bis acht Tagen. Thüringen hat damit ähnliche Werte wie der Rest der Republik. Erst wenn die Verdopplungszeit in Deutschland zehn Tage beträgt, will die Bundesregierung über eine Lockerung der Maßnahmen nachdenken.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 02. April 2020 | 19:00 Uhr

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