Bund-Länder-Konferenz Corona: Diese Lockerungen will Thüringen vorschlagen

Am Mittwochnachmittag beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Noch ist offen, ob sich die Beteiligten auf eine Rücknahme von Beschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus einigen werden - und in welchem Umfang. Vorab sind Vorschläge aus Thüringen bekannt geworden.

Bodo Ramelow vor blauem Hintergrund
Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und seine Regierung sprechen sich für erste Lockerungen in der Corona-Krise in Thüringen aus. (Archivfoto) Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Die Thüringer Landesregierung will in der Schaltkonferenz von Bund und Ländern am Mittwoch eine Lockerung der Corona-Auflagen vorschlagen. Das geht aus einem Positionspapier der Staatskanzlei hervor, das MDR THÜRINGEN vorliegt. Demnach plädiert der Freistaat dafür, etwa für Gaststätten, Einzelhandel und Dienstleister wie Friseurläden eine Öffnung unter Auflagen zu prüfen und zu erlauben. In diesen Branchen seien gerade kleine Betriebe durch die Schließung in ihrer Existenz bedroht. Darüber hinaus sollen die Unternehmen, Kammern und Verbände selbst Konzepte entwickeln, wie in den Firmen die Infektionsgefahr verringert werden kann, etwa durch das Einhalten der Abstandsregeln.

Große Ansammlungen weiterhin nicht geplant

Nicht für eine Öffnung infrage kommen dagegen laut Landesregierung Wirtschaftsbereiche, in denen es viel Publikumsverkehr gibt und ein Schutz vor dem Coronavirus nicht gewährleistet werden kann. Dazu zählen neben Sport-, Kultur- und Messeveranstaltungen auch der Reise- und Tourismussektor.

Neustart an Thüringer Schulen in Corona-Krise

Auch für die Schulen schlägt die Thüringer Landesregierung einen Neustart des Unterrichts vor. Schülerinnen und Schüler in Abschluss- und Übergangsklassen sollen demnach möglichst durchgehend unterrichtet werden. In anderen Klassen soll der Unterricht mit reduzierter Stundentafel stattfinden. Außerdem sollen die Klassenzimmer zeitlich versetzt genutzt werden. Offen lässt die Landesregierung noch, ob auch die Kinderbetreuungseinrichtungen wieder öffnen sollen.

Kritisch bewertet die Landesregierung eine allgemeine Maskenpflicht. Nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums kämen für eine solche Pflicht nur zertifizierte Masken infrage, die wirksam vor dem Virus schützen. Dafür müssten die Masken aber ausreichend verfügbar sein.

Demonstrationen noch im April wieder möglich?

Grundsätzlich schätzt die Landesregierung die bisher im Freistaat geltenden Auflagen als relativ streng ein. Wie etwa das Verbot von Zusammenkünften von mehr als zwei Personen. Das soll überprüft beziehungsweise gegebenenfalls angepasst werden. Das Gesundheitsministerium plant zudem, nach dem 19. April Demonstrationen und religiöse Veranstaltungen zuzulassen.

Thüringen kann sich regionale Unterschiede bei der Lockerung der Corona-Beschränkungen vorstellen. In einem Papier des Landesregierung heißt es, "Thüringen sollte - abgestimmt mit den mitteldeutschen Ländern - darauf Wert legen, dass in der Phase der Lockerung der beschränkenden Maßnahmen regionale Differenzierung Beachtung findet". Basis für Entscheidungen zu einzelnen Regionen könnten Empfehlungen von Wissenschaftlern sein. Kriterien wären danach die Infektionsentwicklung mit dem Coronavirus und damit die Ansteckungsgefahr in einer bestimmten Region sowie die jeweiligen Krankenhauskapazitäten.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. April 2020 | 13:00 Uhr

6 Kommentare

andre007 vor 33 Wochen

Heute will die Politik einige Regeln, aber kein Problem ist damit gelöst. Die Infektionszahlen erhöhen sich immer noch, von Eindämmung kann also nicht die Rede sein. Alle sog. Experten reden von einer angenommenen Inkubationszeit von etwa 14 Tagen, also müssten doch die Neuinfektionen mindestens doch diese 14 Tage bei NULL liegen, um über Lockerung zu reden. Stattdessen sollen Schüler wieder an die Schule, um dort schon einmal Russ. Roulette zu spielen. Und welchen verständlichen Sinn haben die 800qm der Geschäfte. Sind Infektionen bei Größeren oder ganz kleinen Lädchen unwahrscheinlich?? Wenn Das schief geht, kommt die Pandemie hoffentlich nicht mit Macht wieder.!

klara vor 33 Wochen

Im Video mit Infektiologe Pletz heißt es Maske tragen und den Mindestabstand einhalten. Wie soll das z.B. bei Friseur, Kosmetik und Fußpflege funktionieren? Kleinere
Geschäfte dürfen eventuell wieder öffnen unter Einhaltung vorgeschriebener Hygienemaßnahmen wie Schutzmasken für Kunden und Dienstleister, Einmalumhang für Friseurkunden, Einmalhandschuhe, Flächen - und Händedesinfektionsmittel usw.
Jetzt stelle ich mir die ein oder andere Frage.
Wo bekomme ich als Geschäftsinhaberin eben diese Dinge her? Es ist doch allseits bekannte, das gerade bei Hygieneschutzprodukten Lieferengpässe bestehen. Sehe nur ich das so? Hat die Regierung Tomaten auf den Augen? Wie finanziere ich die Beschaffung ( wie gesagt, wenn man es überhaupt beschaffen kann)? Soforthilfe klingt gut doch warte ich auf diese schon seit 4 Wochen.
Ich wünsche mir, wieder arbeiten zu dürfen aber unter welchen Bedingungen wird das sein?

Sandra. vor 33 Wochen

Ich bin ganz ehrlich eine Lockerung für die angegebenen Punkte finde ich persönlich absolut nicht gut Gaststätten Einzelhandel ect. Wir wissen doch wie die Menschen sind ich sehe es jede Woche beim einkaufen sobald diese diese Geschäfte wieder öffnen strömen die Menschen wieder nach draußen. Ich arbeite in einem Cafe was auch schon seit Wochen jetzt geschlossen hat. Wenn wir das jetzt wieder öffnen würden wäre unser Gastgarten übervoll weil die Leute denken das die Gefahr vorbei ist sobald jetzt eine Lockerung zu Stande kommt. Ich verstehe den Sinn auch nicht das die Geschäfte alle öffnen sollen und die Kitas sollen zu bleiben...meine Meinung ist einfach wir sollten das jetzt strikt durchziehen noch paar Wochenund dann ist es vorbei man sieht doch in Südkorea sindwieder neu infizierte die das Virus schon hatten und warum?? Weil alles zu schnell wieder auf Normalität umgestellt wurde

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