Corona Was Sie zur Maskenpflicht in Thüringen wissen sollten

Thüringen hat sich nach Ausbruch der Coronavirus-Pandemie vergleichsweise lange gegen eine Maskenpflicht ausgesprochen und die Gesichtsbedeckung nur empfohlen. Nun schwenkt der Freistaat auch auf die Linie von Kommunen wie Jena und Nordhausen ein. Welche Regelung gilt? Was sollten Sie beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beachten? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Mundschutz im Supermarkt
Unter anderem in Geschäften soll ab 24. April in Thüringen eine Maskenpflicht gelten, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Bildrechte: dpa

Maskenpflicht: Welche Regelung gilt in Thüringen?

Nachdem in der Corona-Krise zunächst nur in einzelnen Regionen wie Jena und Nordhausen eine Maskenpflicht galt, wird sie am Freitag, dem 24. April, in ganz Thüringen eingeführt. Eine entsprechende Regelung hat die Landesregierung am Dienstag beschlossen, eine rechtssichere Verordnung ist für Donnerstag geplant. So solle ein Flickenteppich unterschiedlicher Bestimmungen im Freistaat vermieden werden, sagte Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) zur Begründung.

Demnach müssen Kunden beim Einkaufen und Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr Mund und Nase bedecken. Für Kinder bis sechs Jahre gilt dies nicht. Im öffentlichen Raum etwa beim Spazierengehen muss keine Maske getragen werden. Die Regelung ist nach den Worten von Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) vorerst bis 6. Mai befristet, danach soll die Situation neu bewertet werden.

Muss es ein professioneller Mund-Nasen-Schutz sein?

Als Maske genügt in Thüringen auch ein einfacher Schutz - wie ein Tuch oder ein Schal. Es gehe darum, Mund und Nase zu bedecken, um das Risiko einer Ansteckung für andere zu verringern, so die Gesundheitsministerin. Vor dem Hintergrund der Engpässe im Gesundheitssystem riet Werner auch davon ab, einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz zu kaufen. "Niemand muss sich Sorgen machen, wenn er oder sie jetzt keine Maske kaufen kann, weil es womöglich keine gibt oder nur zu überhöhten Preisen", sagte Werner. Sie riet, keine Masken bei möglicherweise unseriösen Herstellern im Internet zu bestellen, die Vorkasse verlangen.

Einmal-Schutzmasken und zertifizierte Masken sind unter anderem in Apotheken erhältlich. Weitere Anbieter sind auf der Internetseite des Wirtschaftsministeriums "thueringenpackts.de" aufgeführt.

Muss ich bei Missachtung in Thüringen mit einer Strafe rechnen?

Nach Angaben des Thüringer Gesundheitsministeriums gilt es vorerst nicht als Bußgeldtatbestand, wenn kein Mund-Nasen-Schutz getragen wird. Ministerin Werner sagte, eine Maske könne nur ein zusätzlicher Schutz sein, "von grundsätzlicher Bedeutung ist das Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln". Empfohlen wird dabei weiterhin:

  • ein Abstand von anderthalb bis zwei Metern zu anderen Menschen
  • häufiges und gründliches Händewaschen
  • sich mit den Händen nicht ins Gesicht fassen
  • in die Armbeuge husten und niesen, dabei wegdrehen

Wie ziehe ich die Maske richtig an und aus?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rät, sich vor dem Anziehen die Hände gründlich mit Seife zu waschen. Erreger, die man eventuell an den Händen trägt, können so nicht die Innenseite der Maske kontaminieren. Auch nach dem Ausziehen der Maske ist es ratsam, sich die Hände zu waschen, "selbst wenn die Chance, tatsächlich das Virus an Maske oder Händen zu haben, angesichts der Zahl der Infizierten derzeit relativ gering ist", sagt Sebastian Lemmen, Infektiologe an der Uniklinik Aachen.

Wie trage ich die Maske richtig?

Die Maske sollte Mund und Nase abdecken und eng an den Wangen anliegen, damit möglichst wenig Luft an den Seiten eindringen kann. Das BfArM rät, die Maske abzusetzen oder auszutauschen, wenn der Stoff durchfeuchtet ist.

Wie oft kann ich die Maske tragen?

Selbstgemachte Masken können beliebig oft getragen werden, sagt Bernd Salzberger, Infektiologe am Universitätsklinikum Regensburg. Auch Lemmen sagt, die Maske regelmäßig zu wechseln, habe mehr ästhetische als gesundheitliche Gründe. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rät allerdings, die Maske nach einmaligem Tragen zu reinigen.

Wie reinige ich die Maske richtig?

Die Masken können in die Waschmaschine gesteckt werden. Das BfArM empfiehlt, dass sie nach einmaliger Nutzung idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad gewaschen und anschließend vollständig getrocknet werden sollten. Alternativ kann man die Maske auch mit einem heißen Bügeleisen bügeln oder in den warmen Ofen legen, wenn das Material das verträgt.

Welcher Stoff eignet sich für eine Maske?

Die Maske soll dazu dienen, Tröpfchen abzufangen, die wir beim Sprechen, Lachen, Husten oder Niesen ausstoßen. Grundsätzlich gilt: Je dichter der Stoff, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass kleine Tröpfchen hindurch gelangen. Allerdings sollte man unter der Maske noch gut atmen können.

Wen schützen die Masken?

Die meisten Experten gehen davon aus, dass ein Stoffstück vor Mund und Nase vor allem ein Fremd- und kein Selbstschutz ist. "Wenn zwei Leute einen Mundschutz tragen, sind beide geschützt", sagt Lemmen. Bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus kann man nach derzeitigem Wissensstand bereits vor den ersten Symptomen ansteckend sein. Außerdem gibt es auch Verläufe ganz ohne Symptome.

Das BfArM unterscheidet drei Arten von Masken:

  1. Selbstgemachte beziehungsweise "Community-Masken": Eine Schutzwirkung ist hier nicht durch Studien nachgewiesen. Sie können aber gegebenenfalls die Geschwindigkeit der ausgestoßenen Tröpfchen reduzieren und das Bewusstsein zum Abstandhalten schärfen.
  2. Medizinischer Mund-Nasen-Schutz / OP-Masken: Sie dienen als Fremdschutz und verhindern, dass Tröpfchen andere Personen erreichen. Als Eigenschutz vor dem Coronavirus eignen sie sich nicht oder nur kaum.
  3. Filtrierende Halbmasken (FFP2 und FFP3): Sie filtern Partikel, Tröpfchen und Aerosole aus der Atemluft. Masken ohne Ventil bieten dabei laut BfArM Selbst- und Fremdschutz, Masken mit Ventil nur Eigenschutz.

Helfen selbstgemachte Masken wirklich?

Laut Robert Koch-Institut (RKI) könnte das Tragen von Masken zu einer weiteren Verlangsamung der Ausbreitung beitragen. Abstands- und Hygieneregeln gelten aber auch, wenn Menschen eine Maske tragen. Der Stoff kann Schutz vor größeren Tröpfchen bieten und Schleimhautkontakt mit kontaminierten Händen verhindern. Für die selbstgemachten Masken gibt es keine Normen, entsprechen gibt es keine nachgewiesene Schutzwirkung. Laut RKI filtern die selbstgemachten Masken in der Regel vermutlich weniger Tröpfchen als etwa der mehrlagige medizinische Mund-Nasen-Schutz.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. April 2020 | 12:00 Uhr

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