Coronavirus Ramelow: Kontaktverbot für Thüringer von Mittwoch an

In Thüringen gilt seit Ende März eine einheitliche Regelung, die den direkten Kontakt zwischen Menschen drastisch einschränken soll. Außerdem werden Hort- und Kitagebühren zeitnah nicht mehr eingezogen.

Fast menschenleer ist der Anger zur Mittagszeit.
Menschenleer: die Erfurter Altstadt Bildrechte: dpa

Wegen der Corona-Pandemie gilt seit Mittwoch in Thüringen zwei Wochen lang ein Kontaktverbot. Damit werde umgesetzt, was Bund und Länder am Sonntag vereinbarten hätten, sagte Ramelow am Dienstag bei der Regierungsmedienkonferenz, die zum ersten Mal nur über Livestream übertragen wurde.

Die Regeln sehen vor, dass man sich im öffentlichen Raum nur noch alleine, zu zweit oder im Kreise der Mitglieder des eigenen Haushalts aufhalten darf. Weiterhin möglich sind der Weg zur Arbeit, zur Notbetreuung der Kinder, Einkäufe, Arztbesuche, die Teilnahme an wichtigen Terminen und Prüfungen, Hilfe für andere sowie individueller Sport und Bewegung an der frischen Luft.

Ramelow: Die Menschen sollen in ihre Gärten

Dabei gelte es, möglichst Abstand zu anderen Menschen zu halten, sagte Ramelow. "Wir wollen große Menschenansammlungen im öffentlichen Raum unterbinden." Bei Verstößen könne auch ein Straftatbestand erfüllt sein. Die Grundverordnung ist am Mittwoch in Kraft getreten und gilt bis zum 8. April. Außerdem ist sie landesweit gültig. Das habe er mit Landräten und Oberbürgermeistern in einer Schalte besprochen.

Rundfunkmedienkonferenz mit MP Ramelow und Tiefensee 29 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Grundverordnung wird klargestellt, dass mehrere Grundrechte eingeschränkt werden - etwa die Freiheit der Person, die Versammlungsfreiheit, die Freizügigkeit und die Unverletzlichkeit der Wohnung. Auch die Regeln des Erlasses vom 19. März - zum Beispiel die Schließungen von Restaurants, Bekleidungsgeschäften und Friseuren - sollen in eine landesweit gültige Verordnung gegossen werden.

Zugleich betonte der Regierungschef, dass die Menschen weiterhin die Möglichkeit haben sollen, in ihre Gärten zu gehen. "Wir wollen, dass die Menschen raus gehen, dass sie Licht, Luft und die Natur genießen", sagte Ramelow. Auch in Kleingartenanlagen könnten sich die Thüringer weiter aufhalten, weil der Abstand zwischen den Gärten ausreichend sei. Deshalb seien auch Gartenmärkte und Baumärkte weiter geöffnet. Man wolle, dass die Menschen Baumaterial kaufen, um daheim Handwerksaufgaben zu erledigen und im Garten arbeiten.

Beiträge für Kita und Hort landesweit aussetzen

Angesichts der Corona-Krise sollen in Thüringen zunächst keine Beiträge mehr für geschlossene Kindergärten und Horte erhoben werden. Das Land beziehungsweise das Bildungsministerium werde dazu zeitnah mit den Trägern und Gemeinden reden, sagte Ramelow am Dienstag. Möglicherweise könnten bereits gezahlte Beiträge verrechnet werden. Einzelne Kommunen wie Jena und Erfurt hatten bereits angekündigt, keine Hort- und Kitagebühren mehr einziehen zu wollen.

Seit einer Woche sind in Thüringen landesweit Kindergärten und Schulen geschlossen, um die Ausbreitung der Atemwegserkrankung Covid-19 zu verlangsamen. Eine Notbetreuung für Kinder von Eltern, die in bestimmten Berufen arbeiten, wurde eingerichtet.

Besserer Schutz für Bus- und Straßenbahnfahrer

Außerdem sollen Bus- und Straßenbahnfahrer landesweit besser geschützt werden. Die vordere Tür soll dazu nicht mehr geöffnet werden und beim Fahrer nicht mehr direkt bezahlt werden dürfen. Einzelne Kommunen hatten ihrerseits bereits entsprechende Regelungen aufgestellt.

Laut Landesregierung sind bis Dienstagmittag 349 Menschen in Thüringen an Covid-19 erkrankt. 86 seien in den vergangenen 24 Stunden dazugekommen, 52 seien bereits von der Krankheit genesen. Ziel müsse es sein, dass die Zahl der Genesenen die Zahl der Neuerkrankten übersteige, so Ramelow.

Auf der Karte unten können Sie die Zahl der Neuinfizierten verfolgen. Die Zahlen weichen mitunter von den Angaben des Landes ab, da wir Meldungen der Gesundheitsämter der Kommunen über bestätigte Corona-Fälle zeitnah aktualisieren.

Coronavirus-Fälle in Thüringen Karte anzeigen

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Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. März 2020 | 19:00 Uhr

108 Kommentare

Ollli vor 30 Wochen

Guten Morgen , ich möchte mal Danke sagen an alle Leute die zurzeit auf dem Bau rum rumbuckeln - weil da spricht ja keiner darüber - es müssen ja paar Steuern reinkommen für diesen CORONAWAHN ;-) .

Erichs Rache vor 30 Wochen

@Demokratie life

Langsam aber sicher PFEIFE ich auf Ihr angebliches "solidarisches Handeln"!

Allein wenn ich mir vorstelle, das die damaligen (unverhältnismäßigen) Bankenrettungsmaßnahmen – insb. der HRE und der WestLB der BuReg bis zu 51,8 Milliarden Euro an Ausfällen sowie 480 Milliarden Euro Bürgschaften verursacht haben und unser Finanzminister in der derzeitigen Lage gerade mal 122,5 Milliarden Euro für MILLIONEN Betroffene "locker machen" will, lässt mich an Ihrem "solidarischen Handeln" sehr zweifeln!

Die derzeitige Krise wird soziale und gesellschaftliche Sprengkraft haben, dessen Sie sich noch nicht bewusst sind.

Erichs Rache vor 30 Wochen

@Akel

Das hat eher wenig persönlich mit dem Ministerpräsidenten Ramelow zu tun als viel mehr mit der allgemeinen Hysterie.

Seit dem 30.01 war durch die WHO eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" ausgerufen worden auf die der politische Betrieb mit totaler TIEFENENTSPANNUNG re(A)giert hat!

Das war vor genau 55 (!) Tagen!

Anscheinend hat man erst jetzt die Bedeutung dessen begriffen, was auf eine ziemliche lange Reizleitung schließen lässt.

Von nun an überschlagen sich die Ereignisse in Stenkelfeld ...

"Teile der Innenstädte sind unpassierbar. Hubschrauberstaffeln des Bundesgrenzschutzes beginnen mit der Bergung von Infizierten.

Menschen wie du und ich, die nur mal in der Fußgängerzone bummeln wollten."

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