Vor Bund-Länder-Beratung Corona-Pandemie in Thüringen: Lehrer fordern längere Ferien

Wegen des erhöhten Corona-Infektionsgeschehens fordert der Thüringer Lehrerverband vorgezogene Weihnachtsferien. Das Bildungsministerium hält sich mit Aussagen vor der Beratungsrunde mit Kanzlerin Angela Merkel am Mittwoch zurück.

Schüler in einem Klassenzimmer.
Der Thüringer Lehrerverband fordert weitere Reaktionen auf die Corona-Lage. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Der Thüringer Lehrerverband (tlv) hat sich erneut für verlängerte Weihnachtsferien ausgesprochen. Der letzte Schultag sollte der 18. Dezember sein, sagte der stellvertretende Vorsitzende, Frank Fritze. Er halte drei Tage Unterrichtausfall für machbar, um trotzdem die Lehrpläne erfüllen zu können. Der Lehrerverband regt zudem einen späteren Schulstart im neuen Jahr an. Nach Silvesterpartys von Jugendlichen seien Ansteckungen und Hotspots vorprogrammiert, sagte Fritze.

Vor ihrem Corona-Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel am Mittwoch hatten die Ministerpräsidenten der Länder unter anderem vorgeschlagen, den Beginn der Weihnachtsferien bundesweit auf den 19. Dezember vorzuziehen. Damit sollen die Kontakte vor Weihnachten beschränkt werden.

Ferien in Thüringen: Ministerium äußert sich bislang nicht

Das Thüringer Bildungsministerium hält sich mit Aussagen zu diesem Thema weiter zurück. Auf Anfrage von MDR THÜRINGEN teilte ein Sprecher am Dienstag mit, man wolle eine entsprechende Beschlussvorlage der Bundesländer derzeit nicht kommentieren und damit den Beratungen am Mittwoch vorgreifen.

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Nein, sagt eine neue Studie, die federführend in Bayern entstanden ist

MDR AKTUELL Di 24.11.2020 02:16Uhr 02:41 min

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Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hatte sich in der Vergangenheit mehrfach gegen verlängerte Weihnachtsferien ausgesprochen. Er berief sich dabei auf Studien, wonach von Schulen und Kindergärten grundsätzlich kein höheres Infektionsrisiko ausgeht. Die Landesregierungen in Bayern und Nordrhein-Westfalen haben bereits entschieden, die Weihnachtsferien vorzuziehen.

Umfrage: Infektionsgeschehen an Schulen unklar

Eine Umfrage hatte vor wenigen Tagen ergeben, dass viele Lehrer nicht genau wissen, wie es um das Infektionsgeschehen an ihrer Schule bestellt ist. Der Lehrerverband hatte die freiwillige Umfrage vom 17. bis zum 19. November laufen lassen. 584 Pädagoginnen und Pädagogen nahmen daran teil.

Außerdem werde nach Angaben des Lehrerverbandes das Ampelsystem sehr unterschiedlich gehandhabt. So gebe es Schulen auf Stufe grün, obwohl dort acht Lehrer infiziert worden seien. Auffallend sei, dass viele Umfrageteilnehmer schätzten, dass ihre Schule zu niedrig im Ampelsystem eingestuft wurde. Aus Sicht des Lehrerverbands-Chefs bewerten die Pädagogen, die täglich mit dem Infektionsrisiko konfrontiert sind, die Situation als deutlich schlechter als die übergeordneten Behörden.

Karte und Einträge: Freistaat Thüringen, Ministerium für Bildung, Jugend und Sport.

Unterschiedliche Corona-Vorkehrungen an Thüringer Schulen

Nur 23 Prozent der Schulleitungen erklärten, dass eine lückenlose Kontakt-Nachverfolgung gelingt. Zu den Schutzvorkehrungen teilten die meisten mit, dass regelmäßig gelüftet werde. Viele Schulen haben die Laufwege getrennt. Etwa jede dritte Schule bietet feste Lerngruppen. Nur jede fünfte Schule kann ihren von Quarantäne betroffenen Kindern Fernunterricht bieten.

Bei der Frage nach Masken im Unterricht gab es deutliche Ablehnung: 71 Prozent wollten das von den Schülern nicht verlangen. Dass die Lehrer mit Maske unterrichten, lehnten 74 Prozent der Befragten ab. Einzelne Lehrer hätten beklagt, dass Kinder mit Erkältungssymptomen im Klassenraum säßen, die nicht auf Corona getestet würden.

Hinweis: Dieser Artikel vom 20. November 2020 wurde angesichts der erneuten Diskussion um die Schulferien aktualisiert.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. November 2020 | 19:00 Uhr

18 Kommentare

martin vor 6 Tagen

@runkel: Nicht alles was Ihnen seltsam erscheint, ist es auch und nicht alles was Ihnen nicht ins Welt- oder Feindbild passt ist unseriös.

Deutsche PCR-Tests werden auch nicht dadurch vage, dass interessierte Kreise nicht müde werden den Blödsinn zu wiederholen.

Die PCR-Tests weisen durchaus die Infektion nach - was allerdings nicht bedeutet, dass dieser Mensch zu dem Zeitpunkt infektiös ist oder offensichtliche Symptome zeigt.

Die Bezeichnung ist zutreffend - auch wenn erste Ergebnisse der Pathologie die Infektionsfolgen bei 80-90% der infizierten Verstorbenen als Todesursache festgestellt haben. Aber das sind vorläufige Ergebnisse, die Untersuchungen gehen auch an dem Punkt weiter. Übrigens gar nicht um Zahlenfreunde oder Leugner zu befriedigen, sondern um das Virus besser zu verstehen und daraus Behandlungsoptimierungen ableiten zu können.

Ritter Runkel vor 6 Tagen

Die deutsch-israelisch-iranische Autorin Rebecca Niazi-Shahabi warnte vor der autoritären Versuchung eines Hygieneregimes: „Denn das Schlimme am Totalitarismus ist ja nicht, dass Böse Böses vorhaben, sondern dass das Gutgemeinte maßlos ausgedehnt wird, bis es schließlich alles andere in der Gesellschaft verschlingt. Der oder die ‚total Gute‘ ist auch deswegen so gefährlich, weil die total Guten bis zum letzten Moment glauben, sie seien auf der richtigen Seite. Sie sind völlig blind für die Einsicht, dass man sich selbst begrenzen oder von anderen begrenzen lassen muss – gerade in seinen besten Absichten.“ Ja, diese Zeiten machen es einem wirklich leicht, sich als der bessere Mensch zu fühlen. Man muss nur zu Hause bleiben, ein Foto mit Maske posten und sich in einem schnellen Tweet über die Mitmenschen echauffieren, mit der Familie feiern oder von ihren Grundrechten Gebrauch machen.

Ritter Runkel vor 6 Tagen

Ist schon seltsam. Als die Tests um das zehnfache, gestiegen waren, und damit die Fallzahlen, hat man das nicht gesondert erwähnt. Die Fallzahlen stiegen einfach, also ein Grund Hysterie zu verbreiten. Jetzt, wo die Fallzahlen zurückgehen, führt man als Grund die geringere Testanzahl an. So etwas nenne ich Unwahrheit und Verunsicherung der Bürger. Das RKI ist zum seriösen Institut nicht geeignet. Es sollten neben diesen vagen PCR Tests, die eben NICHT die Anzahl der Infizierten, sondern nur der Träger von Viren aussagen, belastbare Zahlen veröffentlicht werden. Diese sollten ausschließlich tatsächlich Infizierter, also Kranke und AN Covid-19 Verstorbene, nicht „im Zusammenhang mit“, darlegen.

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