Umfrage Weihnachtsmarkt im Corona-Jahr: In Thüringen wachsen die Vorbehalte

Die Corona-Krise hat 2020 bereits zu zahlreichen Veranstaltungsabsagen geführt, zum Jahresende stellt sich vielerorts in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auch die Frage, ob und welcher Form Weihnachtsmärkte möglich sind. Doch selbst wenn die Buden öffnen dürfen: Wollen die Menschen mitten in einer Pandemie überhaupt auf einen Weihnachtsmarkt gehen? Laut einer aktuellen Umfrage macht sich in Mitteldeutschland Skepsis breit.

Tausende Lichter leuchten 2018 auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt.
Der größte Weihnachtsmarkt Thüringens findet - normalerweise - in Erfurt statt. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Angesichts wieder steigender Infektionszahlen in der Corona-Pandemie wachsen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Vorbehalte gegen einen Besuch eines Weihnachtsmarktes in diesem Jahr. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey für den MDR hervor.

Weihnachtsmarkt 2020: Thüringer skeptisch

Demnach kann sich derzeit knapp die Hälfte der Befragten aus Thüringen (45,6 Prozent) einen Spaziergang über den Weihnachtsmarkt "auf keinen Fall" oder "eher nicht" vorstellen. In einer Befragung Anfang August lag dieser Wert noch bei einem Drittel (32,8 Prozent). Im Gegenzug sank die Zahl derer, die den weihnachtlichen Ausflug planen oder fest vorhaben, von 53,9 auf 43,2 Prozent. Unentschlossen ist derzeit etwa jeder zehnte Thüringer (11,2 Prozent).

Sachsen-Anhalt: Weihnachtsmarkt-Mehrheit adé

Eine ähnliche Entwicklung verzeichnet Sachsen-Anhalt: War hier im August noch eine Mehrheit (51,9 Prozent) mit Blick auf den Weihnachtsmarkt optimistisch, können sich mitterweile nur noch 43 Prozent mit dem Gedanken anfreunden. Knapp 47 Prozent sehen sich eher nicht oder auf keinen Fall durch die Adventszeit bummeln.

Sachsen: Hälfte für den Weihnachtsmarkt

Auch in Sachsen haben sich die Gewichte verschoben: Die deutliche Weihnachtsmarkt-Mehrheit von vor zwei Monaten (56,5 Prozent) ist auf 49,5 Prozent geschrumpft. Gleichzeitig wollen sich 40,1 Prozent dem winterlichen Treiben auf den Plätzen voraussichtlich entziehen - im August galt das nur für 31,6 Prozent der Befragten.

Ost-West-Unterschied

Im deutschlandweiten Vergleich zeigt sich, dass die Bereitschaft, Weihnachtsmärkte zu besuchen, im Osten aktuell noch stärker ausgeprägt ist als im Westen. In den westlichen Bundesländern und Berlin kann sich nur ein knappes Drittel der Befragten dafür erwärmen, im Osten tun dies immerhin mehr als 40 Prozent - neben Thüringen liegt der Wert beispielsweise auch in Sachsen-Anhalt bei 43 Prozent. Die größte Lust auf den Weihnachtsmarkt verspüren derzeit die Sachsen: Hier tendieren fast 50 Prozent zum Adventsbummel.

Junge Menschen weniger zurückhaltend

Der Blick in die Civey-Daten offenbart insbesondere auch Unterschiede zwischen Altergruppen. Während sich bundesweit mehr als 40 Prozent der jüngeren Menschen für einen Weihnachtsmarktbesuch im Corona-Jahr 2020 offen zeigen, sind die älteren Befragten vorsichtiger. In der Gruppe ab 40 Jahren kommt ein solcher Ausflug nur für jeden Dritten infrage, bei Rentnern nicht einmal für jeden Vierten. Vor allem Studierende wollen sich offenbar nicht zurückhalten - deutlich mehr als die Hälfte von ihnen zieht einen Bummel zwischen den Buden in Betracht.

Mehrheit der AfD-Anhänger will auf Weihnachtsmarkt

Auch zwischen Anhängern verschiedener Parteien unterschieden sich die Adventsabsichten. Fast 60 Prozent der befragten AfD-Wähler antworteten auf die Frage, ob sie sich einen Weihnachtsmarkt-Besuch vorstellen können, mit "auf jeden Fall" oder "eher ja". Bei keiner anderen Partei findet sich eine entsprechende Mehrheit. Verhältnismäßig viele Befürworter gibt es noch unter den Sympathisanten von FDP (47,3 Prozent) und Sonstigen (48,5 Prozent). Bei Union, SPD und Grünen halten sich die Anhänger zurück - hier kann sich nur etwa jeder Vierte für den Gang über den Weihnachtsmarkt erwärmen.

Über die Umfrage

Die genaue Umfrage lautete: "Können Sie sich angesichts der Corona-Pandemie vorstellen, in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt zu besuchen?" Das Meinungsforschungsinstitut Civey berücksichtigte für das Gesamtergebnis die Antworten von 10.002 Befragten ab 18 Jahren in Deutschland. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent für das bundesweite Ergebnis und bei 3,9 Prozent für die Berücksichtigung ausschließlich Befragter mit Wohnsitz in Thüringen. Damit ist die maximale Abweichung der Ergebnisse, die man mithilfe der Stichprobe erzielt hat, von den realen Werten in der Grundgesamtheit gemeint. Der Befragungszeitraum lief vom 14.10.2020 bis zum 19.10.2020.

Fakt ist! aus Erfurt: Weihnachtsmärkte in Corona-Zeiten

Am Montagabend beschäftigt sich auch "Fakt ist! aus Erfurt" mit dem Thema. Unter welchen Bedingungen Weihnachtsmärkte und Messen möglich sind und wie Bürger auf die Vorgaben reagieren, darüber sprechen wir mit einem Mediziner, einem Bundestagsabgeordneten und einer Psychotherapeutin. Die Sendung unter dem Titel "Märkte, Messen, Menschenmassen - wie läuft das in Corona-Zeiten?" sehen Sie ab 20:15 Uhr im Livestream und ab 22:10 Uhr im MDR FERNSEHEN.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,sar

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! aus Erfurt | 19. Oktober 2020 | 22:10 Uhr

35 Kommentare

Sonnenanbeter vor 13 Wochen

Sie haben mir Kaffeesatzleserei unterstellt. Ich habe nicht in Kaffeesätzen gelesen, sondern mir die verfügbaren Zahlen angeschaut. Meine Argumente habe ich Ihnen in Form der entsprechenden Quellen (WHO, Statistisches Bundesamt) geliefert. Es gibt keinen Grund, das Frühjahr nicht jetzt schon für sich zu betrachten.

martin vor 13 Wochen

@sonnenanbeter: Ergänzung: Ich habe gerade die aktuellen Zahlen angeschaut. Wenn man nur die letzte Zeit nimmt, dann haben wir eine Sterblichkeitsrate von unter 1%. Über die gesamte Zeit der Pandemie von 2,6%. In der letzten Zeit mit niedrigen Infektionszahlen ist der Schutz der besonders gefährdeten Menschen recht gut gelungen. Aber das ist halt eine Momentaufnahme ....

Bei der Beurteilung statistischer Zahlen ist eine gewisse Sorgfalt und das Betrachten der Rahmenbedingungen meist recht hilfreich.

martin vor 13 Wochen

@sonnenanbeter: Wenn Sie meinen mich zitieren zu wollen, dann bitte richtig. Oder überfordere ich Ihr Textverständnis, dann bitte ich um Nachsicht.

Ich habe die Auffassung der seriösen Wissenschaft zitiert, dass die pandemiebedingte Übersterblichkeit einer Pandemie erst nach deren Ende festgestellt werden kann. Aus Zwischenergebnissen das Endergebnis herauslesen zu wollen ist aufgrund der wellenförmigen Verläufe nicht seriös - und wer das meint tun zu wollen, betreibt in meinen Augen (meist ideologisch motivierte) Kaffeesatzleserei.

Ich habe dem Statistischen Bundesamt keinerlei handwerklichen Mängel oder ideologisch motivierte Manipulation vorgeworfen.

Frage: Weshalb greifen Sie eine angebliche Aussage von mir an, die ich gar nicht getätigt habe? Fehlen Ihnen Argumente?

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