Erhöhte Ansteckungsgefahr Thüringer Zahnärzte fordern klare Anweisungen während Corona-Pandemie

Thüringens Zahnärzte sind verunsichert. Einerseits gilt auch weiterhin eine grundsätzliche Behandlungspflicht. Andererseits ist die Ausstattung mit Schutzausrüstung mangelhaft. Erschwerend kommt hinzu: Viele Zahnärzte gehören zur Risikogruppe, bei einer Covid-19-Infektion.

Thüringens Zahnärzte drängen beim Land auf klare Anweisungen zum Umgang mit ihren Patienten während der Corona-Pandemie. Auf Anfrage von MDR THÜRINGEN sagte der stellvertretende Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Thüringen, Roul Rommeiß, das Thüringer Gesundheitsministerium müsse schnell entscheiden, ob Zahnarztpraxen generell geschlossen werden oder nicht.

Behandlungspflicht gilt weiterhin

Außerdem erwarte man Klarheit darüber, ob Schmerzpatienten und Notfälle - insbesondere wenn die Patienten infiziert sind - zentral in Krankenhäusern mit Zahnstation oder weiterhin in den Praxen behandelt werden sollen. Hintergrund ist das hohe Ansteckungsrisiko für das Praxispersonal - verbunden mit mangelhafter Ausstattung mit Schutzausrüstung. Ohne die entsprechenden Hygiene-Artikel sei eine flächendeckende, allgemeine zahnärztliche Versorgung nur schwer aufrecht zu erhalten, sagte Rommeiß. Bisher gilt für die Zahnärzte nach wie vor eine grundsätzliche Behandlungspflicht.

Nicht notwendige Bahandlungen verschieben

Nach Angaben von Rommeiß ist derzeit eine Reihe von Praxen nicht in der Lage, die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts für die Behandlung von Infizierten und potentiell Infizierten zu erfüllen. Gleichzeitig sei es jedem Zahnarzt selbst überlassen, welche Leistungen er weiter anbietet und welche nicht. 

Roul Rommeiß
Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Roul Rommeiß. Bildrechte: dpa

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Thüringen habe ihren Mitgliedern empfohlen, nicht dringend notwendige Behandlungen zu verschieben. Das damit verbundene unternehmerische Risiko trage allerdings jeder Zahnarzt selbst, so Rommeiß. Für den Fall, dass bestellte Schutzkleidung geliefert werden könne, habe die Geschäftsstelle der Kassenzahnärzte eine 24-Stunden-Erreichbarkeit eingerichtet. Nach den Worten von Rommeiß steht die Entscheidung, wie die Ressourcen dann auf Krankenhäuser mit Zahnstation, Praxen im Notdienst und Praxen in der Allgemeinversorgung aufgeteilt werden, noch aus.

Viele Zahnärzte gehören zur Risikogruppe

Um Patienten mit Schmerzen oder in Notsituationen weiter flächendeckend versorgen zu können, haben die Thüringer Kassenzahnärzte inzwischen Praxisgruppen gebildet und öffnen abwechselnd. Der Bereitschaftsdienst in den jeweiligen Bereichen ist nach Angaben von Rommeiß für die kommenden acht Wochen doppelt besetzt worden.

Zahnarzt
Das Durchschnittsalter der Thüringer Zahnärzte liegt bei 55 Jahren. Bildrechte: colourbox.com

Wegen fehlender Schutzkleidung, Quarantäne, Erkrankungen oder Problemen bei der Rückreise aus dem Ausland sind inzwischen 54 der 1350 Thüringer Zahnarztpraxen geschlossen. Das Durchschnittsalter der Thüringer Zahnärzte liegt bei 55 Jahren. Damit gehören viele zur Risikogruppe von Covid-19.

Das Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie ließ eine Anfrage von MDR THÜRINGEN zu dem Thema unbeantwortet. 

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Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. März 2020 | 19:00 Uhr

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