FAQ Coronavirus in Thüringen: Welche Geschäfte haben noch offen?

Es sind "nur" fünf Seiten, die Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) am Montag unterzeichnet haben, doch diese fünf Seiten sorgen dafür, dass das öffentliche Leben in Thüringen heruntergefahren wird. Mit dem Erlass soll die Verbreitung des Coronavirus im Freistaat verlangsamt werden. Zeit, damit das Gesundheitssystem nicht kollabiert. Die Verordnung tritt ab Mittwoch, 18. März in Kraft und gilt erst einmal bis zum 19. April.

Ein Gitter vor einem Geschäft.
Die Landesregierung kündigte an, Verordnungen weiter zu schärfen - je nach Entwicklung der Corona-Pandemie. Bildrechte: dpa

Die Sachlage:

Bund und Länder haben am Montag Leitlinien zur Beschränkung von sozialen Kontakten im öffentlichen Bereichen vereinbart. Diese Leitlinien sehen vor, dass Einzelhandel-Verkaufsstellen, Theater, Museen und Sporteinrichtungen vorerst geschlossen werden sollen. Ziel ist es, Kontakte zwischen Menschen zurückzufahren, um die Verbreitung des Virus zu stoppen und Infektionsketten zu blocken. Trotz der vereinbarten Leitlinien können die Bundesländer individuell, je nach Lage und Situation entscheiden, wie einschneidend die Verbote und Regelungen sein müssen. In Thüringen gilt ab Mittwoch ein Notfall-Erlass zum Verbot und zur Beschränkung von sozialen Kontakten. Demnach geht das Land in einigen Punkten weiter, als die Leitlinie des Bundes und der Länder es vorgesehen hat, an anderen Stellen ist Thüringen noch "liberaler".

Was gilt in Thüringen?

Geöffnet bleiben dürfen neben Supermärkten und Lebensmittelmärkten, Wochenmärkte (!), Getränkemärkte, Drogerien und Tankstellen. Zeitungsläden sollen ebenso von der Schließung verschont bleiben wie Bau und Gartenbaumärkte. Auch Apotheken, Drogerien, Banken, Lieferdienste und Poststellen sollen geöffnet bleiben. Allerdings sollen alle Auflagen zur Hygiene erfüllt, der Zutritt gesteuert und Warteschlangen vermieden werden.

Öffentliche Einrichtungen

Ab Mittwoch sind laut dem Erlass der Thüringer Landesregierung alle öffentlichen Einrichtungen geschlossen. Dazu zählen Bars, Clubs, Diskos, Bordelle, Theater, Kinos, Konzerthäuser und Museen, aber auch Fitnessstudios, Schwimmhallen, Freizeit- und Erlebnisbäder, Saunen und Solarien. Auch in Volkshochschulen und Musikschulen bleiben die Türen zu. Zusammenkünfte in Vereinen, Sport- und Freizeiteinrichtungen, wie auch ihre Angebote sind nicht mehr erlaubt. Viele Städte und Kommunen haben diese Regelungen bereits umgesetzt und Einrichtungen teilweise schon in der vergangenen Woche geschlossen.

Gaststätten und Cafés weiterhin geöffnet

Freie Sitzplätze vor Cafés in der Kleinen Ulrichstaße in Halle
In Thüringen können Restaurants und Cafés noch uneingeschränkt öffen, müssen aber bestimmte Richtlinien einhalten. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Gaststätten bleiben in Thüringen weiterhin geöffnet und zwar auch über die von der Bundesregierung empfohlenen Öffnungszeiten von 6 bis 18 Uhr hinaus. Allerdings müssen Plätze so angeordnet sein, dass ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Tischen gewährleistet ist. Dieser Abstand gilt auch für Stehcafés. Wie die Gaststätten verfahren, wie lange sie geöffnet bleiben, steht für die Landesregierung noch nicht endgültig fest. Einige Städte haben aber bereits selbst Verfügungen ausgesprochen. Jena beispielsweise hat bereits seit Dienstag alle Restaurants, Bars und Cafés geschlossen.

Hotels, Pensionen und Ferienwohnung - was ist erlaubt?

Die Leitlinien der Bundesregierung schreiben vor, dass Übernachtungsangebote nicht mehr zu touristischen Zwecken genutzt werden dürfen. "Wir wollen nicht, dass die Menschen ins Ausland in den Urlaub fahren, wir wollen aber auch nicht, dass sie im Inland in den Urlaub fahren", sagte Ministerrpräsident Ramelow am Dienstag. Wie Hotels und Pensionen agieren sollen, ist in Thüringen noch offen.

Thüringen empfiehlt Schließung von Frisörgeschäften

Unter der Maßgabe, das öffentliche Leben auf lebensnotwendige Versorgungen einzuschränken, sollen Handwerker mit der entsprechenden Vorsicht weiter arbeiten können. Auch Lieferdienste sollen weiter arbeiten können, Autowerkstätten auch Reparaturen annehmen können. Buchläden sollen für Bucheinkäufe geöffnet bleiben. Im Fall von Frisören aber empfiehlt die Landesregierung, dass die Läden schließen. Eine entsprechende Verordnung dazu gibt es aber bislang nicht. Zur Lockerung eines Sonntagsfahrverbotes oder gelockerte Ladensöffnungszeiten sagte Thüringen bisher nichts.

Spielplätze sollen offen bleiben

Bisher gibt es für den Besuch von Spielplätzen in Thüringen keine Verbote. Das soll wohl auch vorerst so bleiben. Als Grund dafür nannte Ministerpräsident Ramelow die ländliche Struktur Thüringens. In anderen Bundesländern mit Großstädten ist der Besuch von Spielplätzen bereits verboten.

Wie lange gelten die Einschnitte?

Die erlassenen Einschnitte gelten vorerst bis zum 19. April. Die Landesregierung kündigte aber an, Verordnungen weiter zu schärfen. Entscheidend sei die Entwicklung bei den Infektionen.

Weitere Informationen zum Coronavirus

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml, mis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 17. März 2020 | 19:00 Uhr

20 Kommentare

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 26 Wochen

Am 18. März 1990 - also vor 30 Jahren - wurde die letzte Volkskammer der DDR gewählt. Es waren freie und geheime Wahlen, aus denen die CDU als Siegerin hervorgegangen ist.

Das war ein Ergebnis der Umwälzungen in der DDR seit dem 09. November 1989. Der Gipfel wurde mit dem 01. Juli 1990 und der Wirtschafts- , Währungs- und Sozialunion im "Beitrittsgebiet" erreicht...

Was wäre wohl passiert, wenn in diese Zeit eine solche Pandemie "geplatzt" wäre ?
Hätten wir damals eine Gesundheitskrise besser in den Griff bekommen ? Hätte es
Unruhen gegeben ? Wie wäre die weitere Versorgung der Menschen mit Waren des täglichen Bedarfs und den anderen "1000 kleinen Dingen" sichergestellt gewesen ?

...und was haben wir damals alles möglich gemacht,
von dem wir heute so meilenweit entfernt sind...?!

N e i n ,

ich gehöre nicht zu den ewig Gestrigen - ich erinnere mich nur gern zurück
und vergleiche mit dem Alltag von heute. Ich bin eben nur ein MAENNLEiN-
iN-DiESER-WELT. :-)) C i A O ! :-D

CrizzleMyNizzle vor 26 Wochen

"die einzige Sprache die der Deutsche Bürger versteht, sind Verbote, an die Vernunft appelieren ist völlig sinnlos, wenn das einem MP nicht klar ist, dann ist er fehl am Platz."
nie die Schuld bei einem selbst suchen, das wäre sooo doof ;)
Was sind wir dann nur für ein dummes Volk wenn wir es nicht mal schaffen einfachste Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten.
Ich für meinen Teil meide alles unnütze (Arbeit muss ja + notwendige Einkäufe).

Demokratie life vor 26 Wochen

Seven, jeder will und ist ein mündiger und freier Bürger und er kann sein Leben so gestalten, wie er es für richtig hält. Das ist gut so.
Jetzt kommen aber die notwendigen Maßnahmen an die Bevölkerung zur Beherrschung der Corona Krise, die persönliche Einschränkungen mit sich bringen. Die Einsicht in die Notwendigkeit haben leider nicht alle und fühlen sich gegängelt. Sie verstehen nicht, dass sie ein Rädchen mit vielen Anderen im Getriebe sind. Sie betrachten sich als Individualisten und mutieren zum Egoisten. Diese lassen dem Staat deshalb keine andere Wahl als noch striktere Anweisungen mit Androhung von Geldbußen, die die persönliche Freiheit noch mehr einschränken, zu veranlassen.
Wann begreift es auch der/die letzte Bürger/in ? Hoffentlich nicht erst, wenn das Gesundheitswesen kollabiert ist oder ein lieber Mitmensch schwer erkrankt ist oder so sogar stirbt.

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