Beratungen zur Corona-Krise Ramelow will öffentliches Leben in Thüringen schrittweise wiederbeleben

Ministerpräsident Bodo Ramelow stellt Corona-Lockerungen für Thüringen in Aussicht. Besuche in Altenheimen, Treffen mit Freunden oder die Öffnung von Gaststätten sollen Schritt für Schritt wieder möglich sein. Außerdem bekommen Städte und Kreise mehr Entscheidungsfreiheit.

Menschen sitzen an Tischen im Freien
Café-Gäste vor der Herderkirche in Weimar. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

In Thüringen soll das öffentliche Leben in den kommenden Wochen schrittweise wieder hochgefahren werden. Das erklärte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Mittwoch nach einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder. "Wir werden Stück für Stück in den Alltag zurückkehren - aber in einen veränderten Alltag", sagte Ramelow. Am Mittwochabend will Ramelow seine Vorschläge der Thüringer Landesregierung unterbreiten.

Kontaktbeschränkung lockern

Demnach will das Land Thüringen die Kontaktbeschränkungen lockern und wieder Treffen von Menschen aus zwei verschiedenen Haushalten zulassen. Ramelow sprach von Familienverbünden, die wieder zusammenkommen könnten. Im Zuge des "Lockdowns" durften sich in Thüringen bisher Mitglieder aus einem Haushalt in der Öffentlichkeit bewegen. Zudem durfte maximal eine weitere haushaltsfremde Person dabei sein.

Bodo Ramelow
Bodo Ramelow Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Davon abgesehen bleiben die Kontaktbeschränkungen deutschlandweit bis zum 5. Juni bestehen. Weiterhin gilt: 1,50 Meter Abstand voneinander halten. Im öffentlichen Raum gelten in sensiblen Bereichen wie in Bussen und Bahnen oder in Geschäften weiterhin Regeln zum Mund-Nasen-Schutz. Beim Einkaufen gilt weiter eine Obergrenze für die Zahl der Kunden und Verkäufer, die sich nach der Verkaufsfläche richtet. So soll das Ansteckungsrisiko verkleinert werden.

Zum Urlaub in Thüringen einladen

Ramelow kündigte für Thüringen an, ab Mittwoch kommender Woche gewisse Bereiche der Gastronomie wieder zu öffnen. Er sprach davon, zunächst etwa Campingplätze und die Außengastronomie zu öffnen und dann Schritt für Schritt bis Pfingsten weitere Öffnungen zu vollziehen. Er sei überzeugt, dass es möglich sei, Menschen einzuladen, ihren Sommerurlaub in Thüringen zu verbringen.

Schule, Sport und Pflegeheime

Ähnliches gelte für Schulen und Kinderbetreuung. "Wir wollen systematisch den Schulbetrieb wieder ermöglichen", sagte Ramelow. Wichtig sei der Schutz der Einrichtungen. Nach der Einigung von Bund und Ländern soll in Kliniken, Pflegeheime und Behinderteneinrichtungen jeder Patient oder Bewohner wiederkehrenden Besuch durch eine bestimmte Person bekommen dürfen. Außerdem soll der Sport- und Trainingsbetrieb schrittweise wieder hochgefahren werden. Details würden mit den Fachministern besprochen.

Kreis Greiz deutschlandweiter Corona-Hotspot

Mehrere Regionen Thüringens haben im deutschlandweiten Vergleich immer noch hohe Infektionszahlen. Ramelow sagte, von den 15 Landkreisen in Deutschland mit den höchsten Neuinfektionszahlen seien drei in Thüringen: neben dem Kreis Greiz die Landkreise Sonneberg und Gotha.

Laut Ramelow werden die Infektionszahlen im Kreis Greiz voraussichtlich weiter steigen. Das hänge aber damit zusammen, dass dort die Tests auf eine Infektion mit dem Coronavirus deutlich ausgeweitet würden, insbesondere unter Mitarbeitern in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern. Das Land Thüringen werde den Kreis Greiz in seinem Kampf gegen die Pandemie unterstützen.

Mehr Verantwortung an die Kommunen

Die Unterstützung des Landkreises Greiz bei der Corona-Bekämpfung sei Teil der neuen Strategie, die Kommunen stärker entscheiden zu lassen - und genau dort zu reagieren, wo es einen Infektionsherd gibt. Man wolle weg von allgemeinen Untersagungen in allen Regionen, erklärte Ramelow. Menschen in weniger stark betroffenen Kreisen verstünden nicht mehr, warum sie unter strengen Auflagen leiden müssten. Ramelow will dem Kabinett am Mittwochabend vorschlagen, dass Befugnisse auf Gesundheitsämter und Gebietschaften übertragen werden.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa, afp

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. Mai 2020 | 19:00 Uhr

6 Kommentare

Grosser Klaus vor 13 Wochen

Die Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) hatte als Ausgangspunkt bisher zwei größere, damals noch erlaubte Familienfeiern Ende Februar und Anfang März ausgemacht. Bis zum Bekanntwerden der ersten Infektion sei das Virus von Besuchern der Feste bereits weit weitergetragen worden.
Die Frage ist jetzt, warum gibt es zwei Monate nach diesen Feiern immer noch so viele Neuinfizierte und so wenig Genesene?

Grosser Klaus vor 13 Wochen

Jeden Tag kommt die Lage im Landkreis Greiz, klar ist auch das es auch neue Fälle geben wird.
Mich interessiert, der Hintergrund der Infektionen im Landkreis Greiz, natürlich ohne Namen zu nennen, also die Infizierten, die Infektionswege bzw. die Infektionsketten.
Das wäre doch mal eine journalistische Herausforderung und man könnte für sich etwas aus dieser Meldung mitnehmen.

Erichs Rache vor 14 Wochen

@Grosser Klaus

Warum Versagen?
Hat Frau Schweinsburg oder das Gesundheitsamt die "zwei großen Familienfeiern" BEFOHLEN?

https://www.mdr.de/thueringen/ost-thueringen/greiz/corona-rki-hohe-infektionszahlen-traunstein-deutschland-100.html?commentId=1187f9c1-6784-47be-b62d-90c988208286

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