Obergrenze Coronavirus: Keine Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow appelliert an die Thüringer, das öffentliche Leben und die sozialen Kontakte deutlich zu reduzieren. Veranstaltungen mit mehr als 50 Menschen wurden landesweit verboten.

Bodo Ramelow während seiner Rede nach der MP-Wahl im Plenum
Ministerpräsident Bodo Ramelow rief die Thüringer dazu auf, möglichst zu Hause zu bleiben. Bildrechte: MDR/Michael Frömmert

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus sind Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern in Thüringen untersagt worden. Ein entsprechender Erlass der Landesregierung an die Landkreise und kreisfreien Städte sei bereits am Freitagabend fertiggestellt worden, teilte das Thüringer Gesundheitsministerium am Samstag mit. "Verstöße müssen zur sofortigen Auflösung der Veranstaltung beziehungsweise Menschenansammlung führen", hieß es in der Mitteilung. Der Erlass gilt zunächst bis zum 10. April.

"Es ist in der aktuellen Situation entscheidend, alles dafür zu tun, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen", erklärte Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) am Samstag. Demnach sollten auch Veranstaltungen mit weniger als 50 Personen nicht mehr stattfinden, "wenn sie nicht zwingend notwendig sind - und auch dann nur unter strengen Auflagen", betonte Werner.

Ramelow: Dreiviertel aller Thüringer innerhalb von zwei Jahren infiziert

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) appellierte an die Thüringer, das öffentliche Leben und die sozialen Kontakte deutlich zu reduzieren. Solange es kein geeignetes Mittel gebe, um einer Corona-Pandemie entgegenzuwirken, sollten die Thüringer möglichst zu Hause bleiben. Dadurch könne die Infektionskette unterbrochen und die Pandemie verlangsamt werden.

Laut Statistik werde im Freistaat damit gerechnet, dass in den kommenden zwei Jahren 1,5 Millionen Menschen Träger des Coronavirus sein werden, so Ramelow nach einer Beratung der Ministerpräsidenten im Bundeskanzleramt am Donnerstag. Bei 80 Prozent davon werde mit einem leichten Verlauf gerechnet. 60.000 Menschen brauchen den Berechnungen nach eine akute Betreuung.

Mit Blick auf die Schließungen von Schulen und Kindergärten gab Ramelow an, dass es eine Notbetreuung für Kinder bestimmter Berufsgruppen geben wird. Es müsse sichergestellt werden, dass auch Kinder von Eltern betreut werden, die aktuell "in der medizinischen Betreuung, in der Feuerwehr, in der Polizei, beim Technischen Hilfswerk oder in allen Infrastruktureinrichtungen gebraucht werden".

Ramelow kündigt Wirtschaftshilfen an

Angesichts der Coronakrise stellte Ramelow zudem Wirtschaftshilfen in Aussicht. Dafür seien Hotlines geschaltet. Die Landesregierung sei mit den Kammern im Gespräch und mit der Thüringer Aufbaubank sei alles vorbereitet, damit schnelle Hilfen bereitstünden. Für die Betriebe, die Kurzarbeit anmelden müssten, sollen die neuen Regeln schnell umgesetzt werden.

Außerdem will die Landesregierung Kredite bereitstellen. Vorweg abgezogene Steuern sollen laut Ramelow gestrichen werden, um die Firmen nicht noch in zusätzliche Probleme zu bringen. Für Kulturträger stellte der Ministerpräsident kreative Lösungen wie einen Härtefallfonds in Aussicht. Wörtlich sagte Ramelow, die Regierung werde jetzt nicht auf den Buchstaben der Verordnung schauen, sondern auf das zu lösende Problem.

Forderungen der Thüringer CDU

Dr. Mario Voigt (CDU), in der 119. Plenarsitzung des Thüringer Landtags am 24. Mai 2018.
CDU-Fraktionschef Mario Voigt Bildrechte: imago/Jacob Schröter

Im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Corona-Virus forderte die Thüringer CDU Corona-Ambulanzen und Schnelltests für Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. Zudem sollten eine thüringenweite zentrale Hotline eingerichtet und pensionierte Mediziner auf freiwilliger Basis aus dem Ruhestand zurückgeholt werden.

Nach Unionsangaben wurden die Vorschläge an Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) übergeben. Bei einem Telefongespräch habe Ramelow zudem Fraktionschef Mario Voigt darüber informiert, was die Landesregierung bisher in der Corona-Krise unternimmt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13. März 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2020, 15:58 Uhr

36 Kommentare

Sabi2210 vor 2 Wochen

Ich finde es ja schön das sie Kindergärten und Schulen schließen, weil sie alles Eindämmen wollen.

Für mich selber steht die Frage warum fangen wir nicht mal im Einzelhandel an zu schließen. Wir sind jeden Tag mit über 1000 Leuten in Kontakt. Wir setzen uns jeden Tag mit dem Virus auseinander es nicht zu bekommen. Wo ist da bitte ein Eindämmung?

Das ist für mich ein Rätsel. Diese Logik verstehe ich nicht. Wir müssen nun auch den Spagat finden zwischen Kinderbetreuung und Arbeit im Handel.

Mir geht es hier um die, die nicht in der Lebensmittelbranchen und Drogerien arbeiten, weil die brauchen wir um zu Leben.

Blume vor 2 Wochen

Ich möchte vorschlagen, dass das Internet-Datenvolumen in Deutschland für alle auf 10 GB im Monat gratis erhöht wird. Denn bei so einer Pandemie ist es wichtig ständig aktuell informiert zu sein. Oder sollen alle von der Telefonzelle mit Ärzten, Arbeitgebern, Ämtern etc. kommunizieren wenn das Volumen alle ist.
Sollte man jetzt vielleicht Aktien von den Telefonanbietern kaufen? (Ich weiß, dass ist nicht lustig) !!!
Aber die könnten die Gewinner dieser Weltkriese sein.

Blume vor 2 Wochen

Ich finde nicht, dass die Regierung versagt hat. Ich habe das Gefühl, dass abgewogen und besonnen informiert wird. Und bei einem neuen Virus kann auch Herr Span nicht alles wissen und muss sich täglich den Informationen des RKI anpassen. Es sind die normalen Menschen die durchdrehen und vieles ignorieren. Sonst wären nicht so viele noch in den Urlaub gefahren. Vorallem in der Zeit, in der Italien schon eine nördl. Hochzahl hatte, da gerade dort viele "Illegale" aber Geduldeten arbeiten, die sich rasend schnell infiziert haben, da sie in den Modefabriken, dicht beieinander wohnen und arbeiten. Aber darüber wird bis heute geschwiegen. Sonst hätten die Leute vielleicht storniert.
Ich höre auf die deutschen Experten aus den Instituten, die sehr gut informieren und Ratschläge geben.

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