Ansprache vor dem Lockdown Ministerpräsident Ramelow ruft zum Durchhalten in der Corona-Krise auf

Am Montag wird das öffentliche Leben wegen Corona für einen Monat heruntergefahren. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow spricht von einem notwendigen Schritt und verspricht, die Menschen sozial abzusichern.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat die Thüringer zum Durchhalten in der Corona-Krise aufgerufen und für Verständnis geworben. Bis auf einen Impfstoff gesetzt werden könne, müssten sich die Bürger auf andere Weise schützen, sagte er in einer Fernsehansprache im MDR am Sonntagabend.

Existenzsorgen und Furcht vor Arbeitslosigkeit seien ihm als Gewerkschafter gut vertraut. Er versprach, den Menschen dabei zu helfen, die kommenden vier Wochen sozial abzusichern und zu überbrücken. Das Virus könne besiegt werden - so wie die Pocken, Kinderlähmung und andere Krankheiten.

Ramelow: Corona-Verschärfungen werden geprüft

Thüringens Ministerpräsident kündigte außerdem an, dass in zwei Wochen überprüft werde, welche Einschränkungen sich als verhältnismäßig erwiesen haben und welche nicht. Dann wollen Bund und Länder erneut zusammenkommen, um über die Wirkung der Verschärfungen zu beraten.

Laut Ramelow wurde bereits bei dem Lockdown im Frühjahr Zeit gewonnen. In den Krankenhäusern seien Betten aufgestockt und Beatmungsgeräte angeschafft worden. Die Gesundheitsämter hätten Personal eingestellt und mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland nutzten die Corona-Warn-App auf dem Handy. Zudem seien überall Hygienekonzepte erarbeitet und umgesetzt worden. Fast überall könne man sich mittlerweile die Hände desinfizieren.

Viele Menschen hätten in den Sommermonaten irrtümlich geglaubt, das Virus würde plötzlich so verschwinden, wie es gekommen ist, sagte Thüringens Ministerpräsident. "Aber Sie wissen genauso wie ich, dass die Realität eine andere ist." Das Coronavirus verschwinde nicht oder werde weniger gefährlich, wenn man seine Existenz bestreite, sagte Ramelow.

Neue Corona-Verordnung vom 2. bis 30. November

Bodo Ramelow
Ministerpräsident Bodo Ramelow: Am Dienstag gibt es eine Sondersitzung im Landtag. Bildrechte: dpa

Am Montag tritt in Thüringen eine neue Corona-Verordnung in Kraft. Sie basiert im Wesentlichen auf jene verschärften Regeln, auf die sich Bund und Länder am 28. Oktober geeinigt haben. Allerdings weicht Thüringen in einigen Punkten ab. So bleiben Betriebe mit "körpernahen Dienstleistungen" wie Tattoo-, Kosmetik-, und Nagelstudios weiterhin geöffnet.

Eine Sonderregelung gibt es auch für Museen, die zumindest für entgeltfreie, bildungsbezogene Angebote öffnen können. Bäder werden zwar geschlossen, allerdings darf weiter Schulschwimmunterricht gegeben werden. Zoos und Tierparks können noch Besucher empfangen - allerdings nur in den Außenbereichen.

Außerdem tritt am Dienstag der Thüringer Landtag zusammen, um über die neue Corona-Sonderverordnung, wie sie offiziell heißt, zu beraten. Auch Änderungen können an der Verordnung nachträglich noch vorgenommen werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. November 2020 | 19:25 Uhr

55 Kommentare

Grosser Klaus vor 3 Wochen

Ich zweifle mittlerweile an der Strategie.
Vielleicht lässt sich das Virus nicht wirksam eindämmen. Wieso haben Staaten, die im Frühjahr einen viel härten Lockdown hatten, im Moment sogar höhere Infektionsraten als wir?
Wieso breitet sich das Virus in Staaten fast ungebremst aus, die über den gesamten Sommer quasi virenfrei waren?
Ein harter Lockdown hat unheimlich viele Nebenwirkungen. Einige davon sind gesellschaftlich toxisch und können ebenfalls zu Todesfällen führen.
Dem Virus scheint es egal zu sein, ob wir es auf 5 von 100.000 oder auf 30 von 100.000 herunterdrücken. Es startet von diesem Wert aus neu und braucht am Ende nur eine Woche länger, um wieder außer Kontrolle zu geraten.









Grosser Klaus vor 3 Wochen

Der Versuch, Kontakte zu reduzieren mag redlich und ernsthaft sein und sogar medizinisch sinnvoll, das interessiert aber nicht, wenn es darum geht, dass z. B. ein Restaurantbesitzer gegen konkrete Maßnahmen klagt.
Soll die Maßnahme Bestand haben, muss klar begründet werden, dass diese Maßnahme notwendig, geeignet, notwendig und das mildeste Mittel ist.
Gelingt dieser Nachweis nicht, kippt das Gericht die Maßnahme.

Grosser Klaus vor 3 Wochen

Es war ganz klar die Rede davon, dass wir bis Ende November in einen „kurzen Wellenbrecher-Lockdown“ gehen.
Der Lockdown hat noch nicht begonnen und schon wird von allen Seiten (Virologen, Politikern) eine Verlängerung des Lockdowns nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern sogar als wahrscheinlich dargestellt.
Das geht nach hinten los. Alle, mit denen ich bisher gesprochen habe, tragen das in dieser Form nicht mit. Die Stimmung hier in Erfurt ist nach meinen Beobachtungen bereits am Kippen.

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