Corona-Pandemie Bonus im Einzelhandel: Nur jeder Zweite bekommt etwas

Auf die Hamstereinkäufe in Thüringen folgen die Ostereinkäufe: Für die Mitarbeiter im Einzelhandel die nächste Herausforderung in Zeiten der Corona-Pandemie. Sie sollen jetzt mit Sonderzahlungen für ihren Einsatz belohnt werden. Die großen Discounterketten "investieren" unterschiedlich in ihre Mitarbeiter.

eine Verkäuferin in einem Supermarkt. Beim Regale einräumen, an der Kasse. Ein Mann mit Einkaufswagen nach dem Verlassen des SM. Die Wagen-Sammelstelle mit Schildern. Ein großes Nahkauf-Schild.
Eine Kassiererin scannt hinter einer Plexiglasscheibe die Waren ein. Der Einzelhandel hat seine Mitarbeiter vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Die Bonuszahlungen großer Supermarktketten an ihre Beschäftigten kommen in Thüringen nur etwa jeder zweiten Arbeitskraft zugute. Das sagte der Handels-Experte Jörg Lauenroth-Mago von der Gewerkschaft Verdi MDR THÜRINGEN. Grund dafür sei, dass nicht jeder Mitarbeiter einer großen Handelskette angeschlossen ist. So sind etwa die Supermärkte von Edeka genossenschaftlich organisiert und die Marktleiter entscheiden eigenständig über Sonderzahlungen.

Die großen Ketten haben indes Zuschläge von bis zu 250 Euro angekündigt. Diese Erschwerniszulagen im Lebensmitteleinzelhandel seien mehr als gerechtfertigt, so Lauenroth-Mago. Es könnten auch 500 Euro sein, da in den Lebensmittelgeschäften gerade Gigantisches geleistet werde.

Hohe psychische Belastung

Halbleeres Regal mit Hygieneprodukten.
Leere Regale, die von den Mitarbeitern im Einzelhandel immer wieder aufgefüllt werden mussten. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Nicht nur an Kasse und Verkaufstresen seien die Verkäuferinnen einer hohen psychischen Belastung und der ständigen Gefahr einer Ansteckung ausgesetzt. Die große Bevorratungswelle in der Corona-Krise sei vorbei, jetzt erwarte er die Oster-Einkaufswelle. Dem Handelsverband zufolge wollen die großen Lebensmittelhändler Summen in Millionenhöhe an ihre Beschäftigten ausgeben – oftmals in Form von Warengutscheinen und meist abhängig von der Zahl der Arbeitsstunden.

Discounterketten zahlen unterschiedlich viel

So will etwa die Schwarz-Gruppe mit Lidl- und Kaufland-Märkten pro Beschäftigten bis zu 250 Euro ausreichen – in Summe rund 35 Millionen. Die REWE-Gruppe (REWE, Penny) hat 20 Millionen Euro vorgesehen, Aldi Nord und Süd stellen ebenfalls 20 Millionen bereit - je nach Tätigkeit zwischen 100 und 250 Euro für jeden Mitarbeiter. Real will pro Beschäftigtem Gutscheine in Höhe von 100 Euro ausgeben. Auch Tegut plant Sonderzahlungen von insgesamt gut 1,3 Millionen Euro. Lediglich bei Edeka gibt es keine Übersicht, da die Märkte genossenschaftlich organisiert sind und die rund 3.700 Marktleiter bundesweit eigenständig entscheiden. Für die Netto-Märkte als Discounter, der ebenfalls zu Edeka gehört, liegen keine Angaben vor.

Kritik an Netto

Markierungen am Boden in einem Supermarkt
Abstandsmarkierungen in einem Supermarkt. Bildrechte: imago images / Action Pictures

Der Gewerkschafter lobte, dass die meisten Lebensmittelhändler Vorkehrungen zum Schutz ihrer Mitarbeiter treffen – etwa mit Schutzscheiben vor den Kassen, Desinfektion der Einkaufswagen und der Kontrolle über die Anzahl der Kunden, die sich gleichzeitig im Markt aufhalten. Er übte Kritik am Discounter Netto, wo nach seiner Darstellung das Verkaufspersonal nicht genügend geschützt werde. Außerdem forderte Lauenroth-Mago den Arbeitgeberverband in den laufenden Tarifgesprächen auf, die von Verdi geforderte Lohnerhöhung von 1,8 Prozent nicht länger aufzuschieben.

Forderung: Kurzarbeitergeld aufstocken

Er erhoffe sich Wertschätzung für die Arbeit in den Lebensmittelmärkten. In den von Schließung betroffenen Bereichen des Handels fordert die Gewerkschaft bessere Kurzarbeiter-Regelungen. Vier von fünf Beschäftigten hätten ohnehin nur in Teilzeit gearbeitet. Mit 80 Prozent Kurzarbeitergeld würden sie unter die Hartz-4-Grenze rutschen. Deshalb sollten 90 Prozent Kurzarbeitergeld gezahlt werden, so der Gewerkschaftsfunktionär. Er forderte zudem die Arbeitgeber auf, das Kurzarbeitergeld aufzustocken, soweit es für die Unternehmen selbst zumutbar sei.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 08. April 2020 | 07:00 Uhr

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