Statistische Auswertung Sterbefälle in Thüringen zum Jahresende weit über Durchschnitt

Lassen sich die Corona-Toten in der Sterbestatistik ablesen? Vor allem in den letzten Wochen des alten Jahres starben in Thüringen überdurchschnittlich viele Menschen, zeigt eine aktuelle Auswertung.

Ende des Jahres 2020 sind in Thüringen deutlich mehr Menschen gestorben als im Durchschnitt der Vorjahre. Nach neuesten Angaben des Statistischen Bundesamts lagen die Sterbefallzahlen in der Woche vor Weihnachten 36 Prozent über dem Mittel der Jahre 2016 bis 2019. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Wert bei 24 Prozent über dem Schnitt der vorangegangenen Jahre.

Deutlich mehr Tote in Thüringen

Die Zahlen zur Auswertung liegen gegenwärtig bis zur 51. Kalenderwoche vor (14. bis 20. Dezember). Insgesamt starben in Thüringen in dieser Woche 805 Menschen. Der Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 liegt bei 590. Bereits in der Vorwoche hatten die Sterbefallzahlen 35 Prozent über dem Schnitt gelegen.

Ein deutlicher Anstieg ist in Thüringen seit Mitte November zu erkennen. Seit dieser Zeit hat auch die Zahl der laborbestätigten Covid-19-Todesfälle deutlich zugenommen. Mit Beginn der Kalenderwoche 47 am 16. November gab es in Thüringen 267 Todesfälle. Am 20. Dezember, also mit Ende der 51. Kalenderwoche, waren es schon knapp 700.

Ob das Coronavirus im gesamten Jahr 2020 zu einer Übersterblichkeit führt, steht nach Angaben der Statistiker aber noch nicht fest. Neben der Pandemie könnten auch Verschiebungen in der Altersstruktur der Bevölkerung zu überdurchschnittlichen Sterbefallzahlen beitragen.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie könnten auch dafür sorgen, dass weniger Sterbefälle durch andere Infektionskrankheiten wie die Grippe verursacht werden. Außerdem lag die Sterblichkeit zu Anfang des vergangenen Jahres etwas unter dem Durchschnitt.

Weiter überdurchschnittliche Sterblichkeit zu erwarten

Nach einer Auswertung von MDR THÜRINGEN haben die Sterbefälle mit Corona-Bezug seit Mitte Dezember noch einmal zugenommen. Starben bis Weihnachten in Thüringen täglich bis zu acht Menschen pro 100.000 Einwohner an oder mit dem Virus, lag der Wert im Januar bei bis zu 14. Insgesamt wurden in Thüringen bis zum 14. Januar 1.559 Todesfälle in Zusammenhang mit Corona gemeldet. Auch das könnte sich weiter auf die Statistik zur Übersterblichkeit auswirken. Genaue Zahlen werden in den nächsten Wochen erwartet.

Die Auswertung zeigt auch, dass es starke Unterschiede zwischen den Kreisen gibt. So liegt beispielsweise im Kreis Hildburghausen die Inzidenz mit bis zu 46 Verstorbenen innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner besonders hoch. Bisher gab es dort insgesamt 99 Todesfälle in Zusammenhang mit Corona. Im Vergleich dazu liegt die Inzidenz in Jena auf relativ niedrigem Niveau unter Thüringer Durchschnitt. In der Saalestadt wurden bisher 30 Corona-Tote gemeldet.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. Januar 2021 | 17:00 Uhr

40 Kommentare

DermbacherIn vor 6 Wochen

@MDR-Team
Wie die Statistik des Thüringer Landesamt für Statistik zeigt, gibt es in den letzten Jahren in Thüringen zum Teil erhebliche Schwankungen in der Sterblichkeit.
Was die konkreten Gründe dafür sind, findet man nur heraus, wenn man ergebnisoffenen und mit den Methoden der empirischen Sozialforschung vorgeht.

MDR-Team vor 6 Wochen

Die Sterbefallzahlen werden vom Bundesamt für Statistik ausgewertet. Dort wird auch der Frage nach einer möglichen Übersterblichkeit nachgegangen. Zu finden hier: https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Corona/Gesellschaft/bevoelkerung-sterbefaelle.htmlEine zehnprozentige höhere oder niedrigere Sterblichkeit innerhalb eines Vergleichszeitraums ist durchaus üblich. Wir vermeiden bewusst, in unserem Beitrag einen direkten Bezug zwischen dem Corona-Virus und einer möglichen Übersterblichkeit herzustellen. Wir stellen aber fest, dass in Thüringen mit steigenden Corona-Todeszahlen auch die Zahl der Sterbefälle mindestens 30 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 lag.

DermbacherIn vor 6 Wochen

@MDR-Team
Eine Übersterblichkeit nachzuweisen, dies wäre die hohe Kunst der empirischen Sozialforschung.
Ein Beispiel für den Kreis Hildburghausen: Im Jahr 2019 war im Vergleich zum Jahr 2018, die Sterblichkeit um Rund 10 % höher, aber was beweist dies?

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