Coronavirus Thüringer beteiligen sich an Sammelklage gegen Ischgl

30 Thüringer wollen gegen die österreichische Gemeinde Ischgl in Tirol klagen. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN haben sie sich dem Corona-Sammelklage-Aufruf des österreichischen Verbraucherschutzvereins angeschlossen. Es gehe darum, Schadenersatzansprüche zu prüfen, sagte der Vereinsvorsitzende Peter Kolba MDR THÜRINGEN. Die Geschädigten könnten sich als Privatkläger einem Strafverfahren anschließen.

Der Wiener Verbraucherschutzanwalt hatte bereits am 24. März Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Innsbruck gestellt. Sein Verdacht: Die Behörden in Tirol insbesondere in Ischgl haben zu spät vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus gewarnt. Während Ende Februar in Innsbruck nach einem positiven Testergebnis einer Kellnerin gleich ein Hotel geschlossen worden sei, sei anderswo nichts passiert. In den Tourismusgebieten habe man den Ski- und Barbetrieb zunächst weiterlaufen lassen, so Kolba. Es habe viel zu lange gedauert, bis Hotels und Bars geschlossen wurden. So sei Tirol zu einem Hotspot für die Verbreitung des Coronavirus in Europa geworden.

Ortsschild steht am Ausgang der Ortschaft Ischgl
Ischgl in Österreich: Hier infizierten sich Touristen mit dem Coronavirus. Bildrechte: dpa

Auch zahlreiche Erfurter Skiurlauber haben sich in Ischgl angesteckt. Allein an einem Tag meldete Erfurt 28 infizierte Ischgl-Rückkehrer. Zu den an Covid-19-Erkrankten gehörte Cathrin Spindler. Die Betreiberin der Campingplatz-Gaststätte in Hohenfelden sagte MDR THÜRINGEN: "Der Ort hat uns ins offene Messer laufen lassen." Niemand habe die Gäste vor der Virusgefahr gewarnt. Spindler, die zeitweise ihren Geruchs- und Geschmackssinn verloren hatte, hat sich nun dem Sammelklagevorhaben angeschlossen. Insgesamt sind dem Klageaufruf des österreichischen Vereins bislang 5.500 Touristen aus 40 Ländern gefolgt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. Mai 2020 | 07:00 Uhr

5 Kommentare

Werner Original vor 30 Wochen

Die Beklagten werden sich auf die zum Zeitpunkt abwiegelnden, zaghaften... großk... und sogar diffamierenden Äußerungen der Politiker und ihrer Medien berufen, die wie synchronisiert alle das Gleiche gemeldet, informiert, posaunt, gedroht, oder eben auch verschwiegen hatten -> "systemrelevant". Die Gefahr durch das Virus wäre sogar "Verschwörungstheorie" mit Schüren von Angst durch "die Rechten" (Beitrag beim BR gelöscht). Und die AfD sowieso, die seit diesem Zeitpunkt, ihrer frühzeitigen Warnung im BT mit Gelächter der "demokratischen Parteien", und dem Angebot von 50 Mill. Masken an das Kanzleramt - ohne Reaktion des Kanzleramtschefs Braun (+Himmler, auch das noch...) - aus den Medien weg sind - "tot"? Außer zum Diffamieren natürlich. Hier gehts um den Ruf und das Überleben des Tourismus in Ö. und ganzganzviel Geld, was die Genannten nur ausgeben können. Das wird zur Offenlegung von Fakten vor Gericht, mit Ursache, Offenbarung und "Weiterreichen" der Schuld. Das geht nach Hinten los.

pkeszler vor 30 Wochen

"Allerdings kann ich über die Naivität mancher Urlauber nur noch den Kopf schütteln. Sie fuhren leichtsinnig los, obwohl die Coronakrise bereits bekannt war." Für manche Urlauber ist das Skifahren und die anschließende Apri-Ski-Party eben wichtiger, als das gesundheitsbewußte Leben. Da spielen dann offensichtlich die Gesundheit der Mitmenschen und das Geld keine Rolle.

MaP vor 30 Wochen

Ich würde das nicht pauschal verurteilen. Es gab keine Reisewarnung zu diesem Zeitpunkt und somit hätte man auch das Geld nicht zurückbekommen (bzw. hätte bezahlen müssen auch wenn man nicht anreist) und ein Skiurlaub ist teuer, oft gleich incl. Skipass. Was einigen vielleicht vorgeworfen werden kann, ist sich zu leichtfertig und sorglos verhalten zu haben. Skifahren ja, ansonsten auch am Lift, in der Bahn, beim Essen versuchen möglichst etwas Abstand zu halten und vor allem Après Ski zu vermeiden sowie eben auf Hygiene zu achten.

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