Coronavirus in Thüringen Kliniken verbannen Väter aus dem Kreißsaal

Um ein Infektionsrisiko mit dem Coronavirus zu minimieren, ist es in einigen Kliniken im Freistaat werdenden Vätern verboten, die Partnerin bei der Geburt des Kindes zu begleiten. Das Waldklinikum Gera untersagt Begleitungen vollständig, in anderen Kliniken ist sie nur eingeschränkt. Unter anderem in sozialen Netzwerken werden die Maßnahmen kritisiert.

Britta Hoffmann, Hebamme (m), Kristin Langkopf (l), und Mandy Mangler, Ärztin üben im Auguste-Viktoria-Klinikum bei einem Simulationstraining eine Notfallsituation bei einer Geburt.
In einigen Kliniken in Thüringen dürfen Väter aktuell Geburten nicht begleiten (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Wegen der Corona-Pandemie werden Väter zunehmend aus den Kreißsälen verbannt - zum Ärger von Betroffenen. So sind am Geraer Waldklinikum, wo jedes Jahr rund 1000 Babys zur Welt kommen, zur Geburt keine Partner mehr zugelassen, wie Sprecherin Katrin Wiesner auf Anfrage bestätigte. Ziel sei es, das Infektionsrisiko zu minimieren.

Regiomed rudert zurück

 Eingang zu einem Kreißsaal
Eingang zu einem Kreißsaal (Symbolbild). Bildrechte: MDR/André Strobel, honorarfrei

Auch die Regiomed-Kliniken mit Thüringer Standorten in Hildburghausen und Sonneberg hatten diese Woche den Kreißsaal zur Tabuzone für Väter erklärt - "um Mütter und Babys zu schützen", wie es hieß. Und auch um die Geburtshilfe aufrecht zu erhalten. "Wenn unser Kreißsaalpersonal plötzlich coronainfiziert wäre, dann müssten wir den Kreißsaal schließen. Das darf nicht passieren", hatte der Leiter des Regiomed-Hygieneinstituts, Klaus-Dieter Zastrow, erklärt. Inzwischen wurde zurückgerudert: Wenn der Vater symptomfrei ist und in den vergangenen zwei Wochen keinen Kontakt zu einer infizierten Person hatte, darf er weiterhin seiner Partnerin bei der Geburt beistehen.

Viele Kliniken noch ohne generelles Verbot

So ist es auch an anderen Thüringer Kliniken geregelt, etwa am Suhler Zentralklinikum, dem Helios-Klinikum in Erfurt und dem Uniklinikum in Jena. Änderungen seien vorerst nicht geplant, hieß es auf Anfrage. In Jena etwa müssen Väter allerdings vor der Kreißsaaltür warten bis die Geburt wirklich unmittelbar bevorsteht. Am Robert-Koch-Krankenhaus in Apolda dürfen Väter auch weiterhin in den Kreißsaal - "unter Einhaltung strengster hygienischer Maßnahmen und in Absprache mit dem Hebammen-Team". Besuche auf der Wochenstation nach der Geburt sind in allen befragten Krankenhäusern aber derzeit tabu.

Helios Klinikum Erfurt
Das Helios Klinikum Erfurt. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Emotionale Reaktionen

Die Entscheidung des Geraer Waldkrankenhauses - ähnliche Schritte haben auch Kliniken in anderen Bundesländern eingeleitet - hat emotionale Reaktionen ausgelöst. Auf Facebook findet sich zwar auch Verständnis für diesen Schritt, viele Nutzer reagieren aber ablehnend. "Diese Entscheidung ist zu tiefgreifend", heißt es in einem Kommentar. Sie finde es unzumutbar für eine Frau, die ihr erstes Kind bekomme, dies ohne Partner durchzustehen, schreibt eine andere Nutzerin.

Eine Mutter küsst ihr Kind.
Werdende Mütter sind derzeit im Kreißsaal mitunter ohne Partner (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Waldkrankenhaus Gera: "Unnötiges Risiko"

Die Klinik selbst betont, dass auch eine Gesundheitsabfrage der Väter aufgrund der langen Inkubationszeit keine ausreichende Sicherheit biete. Denn die Partner gingen oftmals weiter arbeiten und einkaufen und könnten sich dabei infizieren. Dadurch ergebe sich für das Personal und alle folgenden Patientinnen "ein zusätzliches unnötiges Risiko". Zudem gebe es nicht genug Schutzausrüstung.

Weitere Informationen zum Coronavirus in Thüringen:

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls, dpa

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