Ein internes Schreiben der Thüringer Polizei
Auszug eines internen Schreibens der Thüringer Polizei: Zwei Beamte haben eine geschützte Datei mit den persönlichen Daten von über 130 Kollegen auf ihre privaten Mailadressen verschickt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Thüringen Datenpanne bei Thüringer Polizei

Die Thüringer Polizei beschäftigt derzeit ein interner Verstoß gegen den Datenschutz. Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen haben zwei Beamte eine geschützte Datei mit den persönlichen Daten von über 130 Polizeibeamten auf ihre privaten Mailadressen verschickt. Eine interne Untersuchung soll nun das Warum klären. Vor den betroffenen Polizisten wurde der Vorfall monatelang geheim gehalten.

von Axel Hemmerling und Ludwig Kendzia

Ein internes Schreiben der Thüringer Polizei
Auszug eines internen Schreibens der Thüringer Polizei: Zwei Beamte haben eine geschützte Datei mit den persönlichen Daten von über 130 Kollegen auf ihre privaten Mailadressen verschickt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Warnmeldung bei den IT-Experten des Thüringer Landeskriminalamtes ging Anfang Januar ein. Bei der Überwachung der Mailpostfächer von rund 6.000 Polizisten in Thüringen fielen die beiden verdächtigen Mails auf. Sie hatten einen brisanten Inhalt: die Daten einer sogenannten Alarmdatei. In einer solchen Datei sind Namen, Wohnadressen oder private Mobil- und Festnetznummern von Polizeibeamten gespeichert. Damit sollen die leitenden Beamten einer Polizeidienststelle im Falle eines großen Einsatzes alle Beamten erreichen können. Eine Datei mit sensiblen Daten, auf die auch nur Wenige in den Dienststellen zugreifen können.

LKA entdeckte verdächtige Mails

Die Mails, die beim LKA für Alarm sorgten, waren Ende Dezember 2018 aus der Polizeiinspektion (PI) Unstrut-Hainich verschickt worden. Zwei Polizeibeamte hatten den Inhalt der Alarmdatei der PI kopiert und von ihren Dienstmails auf ihre privaten Mails nach Hause verschickt. Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen handelt es sich dabei um die persönlichen Daten von 134 Polizeibeamtinnen- und Beamten aus der betroffen PI. Als das LKA Anfang Januar die beiden verdächtigen Mails entdeckte, informierte es den IT-Beauftragten der übergeordneten Landespolizeiinspektion Nordhausen. Der wiederum setzte seinen Datenschutzbeauftragten in Kenntnis. Auch der Datenschutzbeauftragte der Landespolizeidirektion (LPD) und die zuständige Polizeiabteilung im Innenministerium waren seit Februar informiert. Allerdings hat es dann sieben Monate gedauert, bis die Thüringer Polizeiführung die betroffenen 134 Beamten über den Vorfall informierte. Erst Ende Juli erhielten die Polizisten einen entsprechenden Brief von ihrem Dienstherrn.

Motiv der beiden Beamten weiter unklar

Dabei wird deutlich, dass selbst nach dieser Zeit offenbar noch immer nicht klar ist, warum die beiden Polizisten die Daten auf ihre privaten Mailadressen weitergeleitet haben. Die Landespolizeidirektion (LPD) teilte mit, dass die beiden Beamten dafür dienstliche Gründe angegeben haben. Auf MDR THÜRINGEN-Nachfrage, welche Gründe das konkret seien, heißt es von der LPD: "Die angegeben Motive für den Versand der Daten sind Gegenstand der Untersuchung, zu denen vor Abschluss des Verfahrens keine öffentliche Stellungnahme erfolgen kann." Warum nach sieben Monaten der internen Prüfung noch immer keine "Motive" gefunden worden sind, lässt die Polizei offen. Obwohl die Beweggründe der beiden Beamten laut LPD noch nicht geklärt sind, schreibt der Leiter der PI Unstrut-Hainich am 12. August in einer internen Mail an seine Mitarbeiter, dass "ein eventueller Handel oder Verkauf der Daten kategorisch ausgeschlossen werden kann." Woher er diese Information nimmt, lässt er in dem Schreiben offen.

Ein internes Schreiben der Thüringer Polizei
In einem internen Bericht geht die Polizei davon aus, dass "ein eventueller Handel oder Verkauf der Daten kategorisch ausgeschlossen werden kann." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Datei unverschlüsselt auf Server im Ausland

Dass der Fall heikel ist, zeigen weitere interne Polizeiunterlagen über die laufende Untersuchung, die MDR THÜRINGEN vorliegen. Demnach sind die Daten "unverschlüsselt über einen ausländischen Server übertragen und gelagert" worden, ist da zu lesen. Bisher ist noch nicht abschließend geklärt, ob sie dort von Dritten abgegriffen worden sein könnten. Innerhalb der Polizei sorgt der Vorfall für erhebliche Unruhe. Das liegt vor allem daran, dass die Thüringer Polizeiführung die betroffenen 134 Polizisten sieben Monate lang im Unklaren ließ, dass die geschütze Datei die Dienststelle verlassen konnte. Zum anderen besteht das Risiko, dass die privaten Daten der Polizeibeamten in falsche Hände gelangen könnten. Ein hoher Beamter sagte MDR THÜRINGEN, das es in extremistischen oder kriminellen Szenen durchaus dankbare "Abnehmer" solcher Daten gebe.

Ein internes Schreiben der Thüringer Polizei
Interne Polizeiunterlagen zu dem Vorfall zeigen, dass die Daten "unverschlüsselt über einen ausländischen Server übertragen und gelagert" worden sind. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ermittlungen gegen Beamten wird geprüft

Für die beiden Beamten könnte der Fall noch unangenehme Folgen haben. Die Landespolizeidirektion teilte MDR THÜRINGEN mit, dass disziplinarische und strafrechtliche Schritte derzeit geprüft würden. Bei dem Versand handele es sich um einen Verstoß gegen Datenschutzrecht. Dabei wird auch geprüft, ob die Polizisten grundsätzlich die Erlaubnis für einen Zugriff auf die Datenbank hatten. Nach Angaben der LPD haben immer der Leiter einer Dienststelle und die Dienstgruppenleiter Zugang zu den Daten. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN sollen die beiden Beamten aber weder Mitglieder der Dienststellenleitung, noch direkte Dienstgruppenleiter sein.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. August 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. August 2019, 06:00 Uhr

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13 Kommentare

19.08.2019 17:19 The Sentinel 13

1000 Zeichen reichen nicht.

Die Hauptfrage ist aber auch, wie wird auf dieser Dienststelle insgesamt mir sensiblen Daten umgegangen??

Kann einfach jeder nach Gutdünken machen was er will??

In wieweit haben da auch die Dienstvorgesetzten mit einen Anteil daran??

Müsste hier nicht einmal die komplette Dienststelle genauer unter die Lupe genommen werden??

Wer weiß schon, was da noch alles im Sumpf verborgen ist.

[Beleidigung entfernt.]

Zu dem Vorwurf, wie das zum MDR gelangt ist, kann ich nur sagen, GUT SO.

Hätten die Beiden sich nicht so BLÖD verhalten, wäre Das nicht hier.

Das Ganze ist ein Problem, was tiefgründig aufgeklärt werden muss.

WÄRE DIE SACHE NICHT ÖFFENTLICH, WÜRDE ES UNTER DEN TEPPICH GEKEHRT WERDEN!!!

19.08.2019 16:53 The 3 12

Hier laufen ja wieder die tollsten Kommentare ab.

Da will ich mich auch mal zu Wort melden.

Wollen wir doch einmal feststellen, da haben zwei ausgebildete Polizisten, die eigentlich erkennen müssten, was sie getan haben, einfach hochsensibele Daten auf ihre privaten <email> Accounts übertragen.

Jetzt frage ich mich, sind die niemals über den Umgang mit Daten geschult worden, oder ist es einfach nur persönliches Unvermögen.
Ja da stellt sich doch die Frage, ob diese Beiden in ihrer Kindheit mit dem Klammerbeutel gepudert wurden, dann könnte ich den ihr Handeln noch verstehen.
Aber dann stellt sich die nächste Frage, wie kommen die zur Polizei??

Die können mir doch nicht erzählen, dass sie es nur wegen der Geburtstagsdaten gemacht hätten.

Da wird die "Innere" wohl noch einiges zu tun haben.

Weiter muss die Frage geklärt werden, wenn Beide nicht zur Führungsebene gehören, wie kommen die dann in den Besitz der Einwahldaten für diesen Bereich???

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