WhatsApp-Icon auf einem auf einem iPhone.
WhatsApp - als App auf dem Smartphone. Bildrechte: imago/xim.gs

"Nutzung des Dienstes rechtswidrig" Thüringens oberster Datenschützer warnt vor WhatsApp

Wenn es um das schnelle Hin und Her von Nachrichten geht, schwören viele Menschen auf den Kommunikationsdienst WhatsApp. Thüringens Datenschützer Lutz Hasse ist von dem Messenger allerdings wenig begeistert.

WhatsApp-Icon auf einem auf einem iPhone.
WhatsApp - als App auf dem Smartphone. Bildrechte: imago/xim.gs

Der Thüringer Datenschutzbeauftragte Lutz Hasse hat erneut vor dem privaten Gebrauch des Kommunikationsdienstes WhatsApp gewarnt. Bei der Vorstellung des aktuellen Datenschutzberichts sagte Hasse, 99 Prozent seiner deutschen Nutzer würden sich "deliktisch verhalten", wenn sie den Dienst nutzten.

Wer WhatsApp nutze, erlaube dem Dienst, alle Kontaktdaten seines Smartphones auszulesen. Dies dürfe jemand aber nur dem Messengerdienst erlauben, wenn alle Kontakte im Adressbuch vorher zugestimmt haben. In der Realität sei dies kaum praktikabel, so Hasse, weshalb die Nutzung des Dienstes rechtswidrig sei. Das Amtsgericht Bad Hersfeld habe die Sicht der Datenschützer zuletzt bestätigt, sagte Thüringens Datenschützer.

Apothekenkäufe via WhatsApp?

Der aktuelle Datenschutzbericht mahnt auch die Abwicklung von Käufen über WhatsApp an. So interessierten sich viele Apotheken für Bestellungen über den Dienst, ohne die datenschutzrechtliche Seite zu betrachten. Gemeinsam mit dem Apothekerverband seien die Probleme besprochen und Apotheker sensibilisiert worden, heißt es im Datenschutzbericht.

Der Datenschutzbeauftragte des Freistaates Thüringen, Lutz Hasse, ein Mann mit Anzug, gestreiftem Hemd und Krawatte, sitzt auf einem Sofa aus rot gefärbtem Leder und hält ein Smartphone hoch
Lutz Hasse Bildrechte: MDR/STUDIO KLARHEIT

Hasse zufolge ist auch der Einsatz des Messengers an Thüringer Schulen unzulässig. Die gesendeten Daten würden in die USA übertragen. Nach dem Thüringer Landesgesetz für Daten aus dem Schulbereich sei dies nicht zulässig. Auch WhatsApp weist in seinen Nutzungsrichtlinien daraufhin, dass der Dienst nur für den privaten Gebrauch gedacht sei.

Ähnliches wie in Schulen gelte für Mitarbeiter von Jugend- und Sozialbehörden. Oft würden Sozialarbeiter oder Streetworker WhatsApp nutzen, um Kontakte mit Kindern und Jugendlichen aufzubauen und zu pflegen. Die datenschutzrechtliche Problematik sei den meisten Beschäftigten dabei bewusst. Eine Kinderschutzorganisation habe sich entsprechend beim Thüringer Landesbeauftragten für Datenschutz gemeldet. Derzeit suche man für Mitarbeiter Alternativen zu WhatsApp, die zugleich praktikabel und datenschutzgerecht sind.

Am Mittwoch stellte der Thüringer Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Lutz Hasse, seine Tätigkeitsberichte für 2016 und 2017 vor. Die Berichte gliedern sich in einen öffentlichen und einen nicht-öffentlichen Teil. Nach Angaben Hasses wandten sich zuletzt deutlich mehr Menschen an den Datenschützer - ein Beleg für ihn, dass sie sensibler mit Datenschutzfragen umgehen.

Quelle: MDR THÜRINGEN / dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 28. Februar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2018, 16:21 Uhr

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3 Kommentare

02.03.2018 07:25 Erich Gerulat 3

Alles klar! Aber was ist die Alternative? Bitte auch sofort die Lösung nennen, nicht nur Mißstände aufzeigen.

[Anmerkung der Redaktion: Bitte suchen Sie bei der Suchmaschine Ihrer Wahl nach den "Messenger" und "sicher". Sie finden sehr schnell sehr viele Treffer]

01.03.2018 06:47 Steuerzahler 2

Dieser Herr Hasse ist ja supergenau. Da wird es auch in seinem Interesse sein, wenn die Immelborngeschichte mal genau aufgeklärt wird.

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