Computertastatur mit der Aufschrift DSGVO, Datenschutz-Grundverordnung
Der neue EU-Datenschutz ersetzte das deutsche Datenschutzgesetz. Bildrechte: IMAGO

Neue Datenschutzverordnung Thüringens Datenschützer ächzt unter Anfragen-Flut

Eine Woche ist die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) jetzt in Kraft. Unter Unternehmen herrscht bei der Umsetzung nach wie vor große Unsicherheit - wie Thüringens Datenschützer Lutz Hasse unterstreicht.

Computertastatur mit der Aufschrift DSGVO, Datenschutz-Grundverordnung
Der neue EU-Datenschutz ersetzte das deutsche Datenschutzgesetz. Bildrechte: IMAGO

Die Anfragen und Unsicherheiten zu den neuen EU-Datenschutzregeln reißen nicht ab. Der Landesdatenschutzbeauftragte Lutz Hasse sagte, seit dem Start am 25. Mai habe das bereits zuvor hohe Frageaufkommen noch zugelegt. Er und seine Mitarbeiter "ächzten" unter mehr als 500 Posteingängen täglich. Vielen fragenden Unternehmern sei nicht klar, dass die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ausnahmslos für jeden gelte. Lediglich der Umfang unterscheide sich, so werde erst ab zehn Mitarbeitern ein Datenschutzbeauftragter gefordert. Wenig bekannt sei ebenso, dass auch die analoge Datenspeicherung, etwa in Termin- und Reservierungsbüchern, eingeschlossen ist. Außerdem hätten noch nicht alle Unternehmen und Behörden ihm ihre Datenschutzbeauftragten gemeldet, dazu seien sie aber verpflichtet, so Hasse.

Hasse sieht Nachbesserungsbedarf

Lutz Hasse
Lutz Hasse Bildrechte: dpa

Bereits jetzt sieht der Thüringer Landesdatenschutzbeauftragte Lutz Hasse aber auch Nachbesserungsbedarf an den europäischen Datenschutzvorgaben. Die Regelung, dass Betroffene über die Datenverarbeitung "im Zeitpunkt" der Datenerhebung informiert werden müssten, sei eine Belastung, insbesondere für kleinere Unternehmen. Hier erwarte er eine Veränderung, so Hasse.

Auch im Handwerk herrscht weiterhin große Unsicherheit. Die Handwerkskammer Ostthüringen erhalte täglich eine hohe zweistellige Anzahl von Anfragen mit steigender Tendenz, sagte Sprecher André Kühne. Viele Unternehmen seien ganz einfach überfordert. Vielfach zeige sich, dass den Unternehmern nicht klar sei, was Datenschutz eigentlich im Detail bedeute. Mit Patentrezepten seien die Anforderungen jedoch nicht zu lösen, vielmehr sei für jeden Handwerksbetrieb eine datenschutzrechtliche Einzelprüfung notwendig.

Fotografieren auf Hoffesten - ist das erlaubt?

Trotz zahlreicher Schulungen und Beratungen kämpfen auch landwirtschaftliche Betrieben noch mit Datenschutzfragen. Vor allem gehe es dabei um Dokumentationspflichten und die geforderten Datenschutzfolgeabwägungen, sagte der Datenschutzbeauftragte des Bauernverbandes Martin Hirschmann. Grundsätzlich hätten die Betriebe aber die zweijährige Übergangsfrist gut zur Vorbereitung genutzt. Ein großer Unsicherheitsfaktor sei das Fotografieren auf Hoffesten. Mit der jetzt beginnenden Saison fragen sich viele Landwirte, ob und wie sie bei tausend Besuchern ihre Feste legal in Bildern festhalten können, so Hirschmann. Momentan können wir nur dazu raten, nur bei vorliegender Einwilligung zu fotografieren. "Aber wir hoffen bei diesem Thema auf eine Klarstellung der EU-Regeln durch das neue Bundesdatenschutzgesetz", so Hirschmann

Die EU-Datenschutz-Grundverordnung ist mit zweijährigem Vorlauf seit 25. Mai verbindlich anzuwenden. Sie soll erstmals europaweit einheitliche Datenschutzstandards für personenbezogene Daten garantieren. Jedermann hat danach beispielsweise das Recht auf Korrektur falscher Angaben oder die Löschung seiner unbegründet gespeicherten Daten. Bei Nichteinhaltung drohen hohe Bußgelder.

Hinweis der Redaktion: Fragen zur neuen Datenschutzverordnung beantwortete Professor Jürgen Müller, Dozent an der Dualen Hochschule Gera-Eisenach, in unserem Chat. Hier können Sie noch einmal alle Fragen und Antworten nachlesen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. Juni 2018 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juni 2018, 10:10 Uhr

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11 Kommentare

02.06.2018 19:01 martin 11

@7 frank: Woraus leiten Sie ab, dass ich an den Weihnachtsmann glaube?

Nicht jeder, der eine andere Meinung als Sie vertritt, muss zwingend naiv sein ....

02.06.2018 16:59 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch" 10

@ 8:
Meine 'Cloud' habe ich in meiner Hosentasche: 2 TB Festplatte.

Mein Android hat keinen Zugang zu irgendwelchen 'Cloud'-Diensten bekommen. Mein Provider kann mich mit seinen Funkmasten orten: das reicht vollkommen. 'Maps' benutze ich 'analog': an jeder Bushaltestelle hängt ein Stadtplan, falls ich tatsächlich mal nicht mehr weiß, wo ich bin.

Wer mit seinem 'Personal Computer in der Hosentasche' umgehen kann, der sorgt dafür, daß er keine Daten herumspuckt.
Wer ein SmartPhone für ein Spielzeug hält und es auch so benutzt, über den weiß Google, facebook & Co. mehr als er selbst und seine Eltern zusammen.

Man muß seine persönlichen Daten nicht schützen. Aber man kann! ;-)

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