Kunstfälschungen in der DDR "Gothaer Liebespaar": DDR-Maler Tübke erwog Gemäldekopie

Hat der Maler Werner Tübke ein Gemälde gefälscht? Zumindest erklärte er sich schriftlich dazu bereit. Gleichzeitig fragte er nach dem "Sinn der Aktion". Die MDR-Dokumentation "exakt - Die Story" beschäftigt sich mit geheimen Kunstfälschungen in der DDR.

Besucher im Schlossmuseum in Gotha betrachten das Gemälde "Gothaer Liebespaar".
Das "Gothaer Liebespaar" ist eines der Herzstücke der Sammlung auf Schloss Friedenstein in Gotha. Bildrechte: dpa

Der DDR-Maler Werner Tübke hat sich im Jahr 1975 bereit erklärt, eine Kopie des berühmten Renaissance-Gemäldes "Gothaer Liebespaar" zu malen. Das geht aus einem Briefwechsel hervor, der MDR THÜRINGEN vorliegt. Der renommierte Maler wurde vom Leiter der Hauptabteilung Bildende Kunst im Ministerium für Kultur schriftlich angefragt. Wie die damalige Ehefrau des Malers, Angelika Tübke, dem MDR sagte, ist ihr Mann davon ausgegangen, dass die Stasi hinter dem Auftrag steckt. Diese Einschätzung wird aus Mitarbeiterkreisen des damaligen Ministeriums bestätigt.

Tübke erklärte sich zu Kopie des Gemäldes bereit

In seinem Antwortschreiben erklärte sich Tübke unter bestimmten Bedingungen bereit, den Auftrag anzunehmen. Bei dem Gemälde handelt es sich um das "Gothaer Liebespaar", das Herzstück der Sammlung Schloss Friedenstein in Gotha. Schon zu DDR-Zeiten war das mittelalterliche Meisterwerk von unschätzbarem Wert. In seiner Antwort an das Ministerium schrieb Tübke, es sei ihm "ein Vergnügen", sich an einer Kopie des "Gothaer Liebespaares" zu versuchen. Ideal sei der Februar 1976. Er bräuchte jedoch optimale Bedingungen. 

Tieferer Sinn der Aktion?

Vor allem würde er in seiner Leipziger Werkstatt vor dem Original arbeiten wollen, so Tübke. Gleichzeitig stellte der Maler die Frage nach dem "tieferen Sinn dieser Aktion".

Die Dokumente hatte ein ehemaliger Assistent Tübkes 1975 an sich genommen und Jahre später einem unserer Filmautoren zugespielt. Ob der Maler die Kopie je angefertigt hat, ist nicht geklärt.

Kunstfälschungen für den Westen?

Alexander Schalck-Golodkowski
Die Abteilung des DDR-"Devisenbeschaffers" Alexander Schalck-Golodkowski soll auch Kunstfälschungen ausgeführt haben . Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Verkauf von Kunstwerken und Antiquitäten in den Westen diente in der DDR der Devisenbeschaffung. Die Abteilung Kommerzielle Koordinierung (KoKo) des DDR-Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski soll auch Kunstfälschungen ausgeführt haben. Möglicherweise sollte das "Gothaer Liebespaar" oder eine Kopie des Gemäldes ins Ausland verkauft werden.

Original-Gemälde hängt im Schloss Friedenstein

Die Unterlagen der Stiftung Schloss Friedenstein zum "Gothaer Liebespaar" geben zur Herkunft keine Auskunft. Die letzte Echtheitsprüfung des Gemäldes fand in den 1950er-Jahren statt.

Im Rahmen der Recherchen von MDR THÜRINGEN wurde das Werk erneut untersucht. Danach gehen die Gutachter davon aus, dass es sich bei dem Gemälde im Herzoglichen Museum der Stadt Gotha um das Original handelt.

Wer war Werner Tübke?

Werner Tübke 1981 in seinem Atelier
Werner Tübke 1981 in seinem Atelier. Bildrechte: dpa

Werner Tübke galt als Maler-Fürst der DDR. Besondere Bekanntheit erlangte er durch sein Bauernkriegsgemälde im Panoramamuseum Bad Frankenhausen. Die DDR-Auftragsarbeit wurde kurz vor der Wende eingeweiht. Für das 14 mal 123 Meter große Rundbild benötigte Tübke elf Jahre. Es zeigt über 3.000 Figuren.

Mehr zum Thema Mehr zu dem Thema in "Exakt - Die Story: "Koko, Kunst und geheime Kopien" am 11. Dezember um 20:45 Uhr im MDR FERNSEHEN.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass der DDR-Maler Werner Tübke im Jahr 1975 einer Kopieranfrage der Staatssicherheit zugestimmt habe. Die Kopieranfrage kam tatsächlich vom Kulturministerium. Für einen Stasi-Auftrag gibt es keinen Beleg.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt - Die Story | 11. Dezember 2019 | 20:45 Uhr

23 Kommentare

Bernd1951 vor 44 Wochen

Die sind nicht nur allen diktatorischen Systemen gemein, sondern m. E. allen Gesellschaftssystemen, weil hier menschliche Eigenheiten eine große Rolle spielen. Es gilt für alle der Satz: " Die Macht zu erringen ist schwer, noch schwerer ist es die Macht zu behaupten, die errungene Macht nicht zu missbrauchen ist fast unmöglich."

Mediator vor 45 Wochen

Bitte erzählen sie keinen Unsinn!
Die DDR war massiv in den Welthandel eingebunden. Normalerweise wird von Ostalgikern hier ja immer darüber gejammert, wie die westdeustchen Versandhäuser mit Produkten in "Made in GDR" bestückt waren. Von einem Wirtschaftsembargo kann also nicht die Rede sein. Dass man gewisse Dual-Use Produkte die auch der Rüstung dienen konnten nicht in den Ostblock lieferte ist etwas ganz anderes.

Die DDR war schlicht und ergreifend ständig chronisch klamm was Devisen anging. Im Inland und Ostblock konnte man dies kaschieren bzw. über Verrechnungswährungen ausgleichen, aber alle anderen Länder wollten natürlich harte Devisen für ihre Waren. Diese aufzutreiben war ein ständiger Kampf in der DDR und man setzte dafür auch ungesetzliche Mittel wie den Raub / Enteignung von Kunstsammlungen und deren Verkauf gegen harte Devisen ein.

PS: Selbstlosigkeit passt nicht zu den Bonzen in Wandlitz, sondern wohl eher Sicherung der priveligierten Existenz!

DER Beobachter vor 45 Wochen

Es geht hier nicht darum, dass sich Tübke wie alle großen Künstler um Übungen und Auseinandersetzung mit den Alten Meistern bemüht hat. Das bleibt ihm unangetastet und machte ihn ja zum geeigneten Panoramamaler. Hier geht es um die Bereitschaft, einen zweifelhaften DDR-Staatsauftrag anzunehmen...

Mehr aus Thüringen