EU-Urheberrechtsreform Tausende demonstrieren in Erfurt und Jena gegen Uploadfilter

In Thüringen haben mehrere tausend Menschen gegen Artikel 13 der geplanten EU-Urheberrechtsreform demonstriert. Sie fürchten sogenannte Uploadfilter auf Online-Plattformen, wenn der Artikel in Kraft tritt. Nach Polizeiangaben gingen in Erfurt rund 2.000 Menschen auf die Straße, in Jena rund 300. Ähnliche Demonstrationen fanden in ganz Europa statt.

Protest gegen Artikel 13 Demo gegen EU-Urheberrechtsreform in Erfurt

2.000 vor allem junge Menschen sind in Erfurt auf die Straße gegangen, um gegen Artikel 13 der geplanten EU-Urheberrechtsreform zu demonstrieren.

Demonstration gegen Artikel 13 der EU-Urheberechtsreform in Erfurt.
Vor Beginn der Demonstration gegen Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform in Erfurt auf dem Anger. Mit dem Artikel sollen die urheberrechtlichen Vorgaben für "Online-Weitergabedienste" verschärft werden, auf denen Nutzer Inhalte hochladen können. Die Demonstranten fürchten, dass dies nur mit Uploadfiltern möglich ist, die Inhalte beim Hochladen prüfen - und viele Inhalte ablehnen. Bildrechte: MDR/Gesine Schultz
Demonstration gegen Artikel 13 der EU-Urheberechtsreform in Erfurt.
Vor Beginn der Demonstration gegen Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform in Erfurt auf dem Anger. Mit dem Artikel sollen die urheberrechtlichen Vorgaben für "Online-Weitergabedienste" verschärft werden, auf denen Nutzer Inhalte hochladen können. Die Demonstranten fürchten, dass dies nur mit Uploadfiltern möglich ist, die Inhalte beim Hochladen prüfen - und viele Inhalte ablehnen. Bildrechte: MDR/Gesine Schultz
Demonstration gegen Artikel 13 der EU-Urheberechtsreform in Erfurt.
"Für ein Internet, in dem wir gut und gerne zensieren": Der abgewandelte CDU-Wahlkampfslogan ("Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben") auf dem Plakat nimmt auf's Korn, dass die EU-Urheberrechtsrichtline maßgeblich vom CDU-Europaabgeordneten Axel Voss vorangetrieben wurde. Bildrechte: MDR/Gesine Schultz
Demonstration gegen Artikel 13 der EU-Urheberechtsreform in Erfurt.
"Meinungsfreiheit ist in diesem Land leider nicht verfügbar": Diese Demonstrantin auf der Rathausbrücke in Erfurt bringt mit ihrem Plakat ihre Befürchtung zum Ausdruck, dass durch die Vorgaben von Artikel 13 viele Inhalte im Netz nicht mehr verfügbar sein würden. Bildrechte: MDR/Gesine Schultz
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Am Dienstag soll das Europaparlament über die Reform abstimmen, die das Urheberrecht in der EU an das Internet-Zeitalter anpassen soll. In Artikel 13 sollen "Online-Weitergabedienste" - also Plattformen, auf denen Nutzer Inhalte hochladen können - urheberrechtlich stärker in die Pflicht genommen werden. Sie sollen bereits beim Hochladen von Inhalten wie Bildern oder Videos kontrollieren, ob eine Urheberrechtsverletzung vorliegt.

Eine konkrete Technik dafür wird in dem Entwurf nicht vorgeschrieben. Kritiker fürchten aber, dass kommerzielle Online-Plattformen wie YouTube die Vorgabe nur umsetzen können, wenn sie automatische Uploadfilter einsetzen. Dies führe zu Zensur und würde die Meinungsfreiheit einschränken, weil die Filter auch legale Inhalte wie Zitate, Parodien oder Satire blocken würden. Eine weitere Befürchtung: Kleinere gewerbliche Seiten würden aufgeben, weil sie die Vorgabe nicht erfüllen können. Die Vielfalt würde leiden, die großen Plattformen würden profitieren.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 23. März 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2019, 17:28 Uhr

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9 Kommentare

24.03.2019 16:29 martin 9

@8 realist: Vielen Dank für die (leider nur ironische) Zustimmung :-)

Ich stimme bei: "Die öffentliche Meinung wird vor allem durch Verschwörungstheorien sowie verschiedene Interessen-und Lobbygruppen (egal ob rechts, links, grün usw.) und diverse Konzerne manipuliert-u.a. bevorzugt auf Facebook, YouTube, Twitter und Co." zu.

Deutliche Unterschiede sehe ich in der Beurteilung der AUSWIRKUNG. Natürlich ist es zunächst keine Zensur im klassischen Sinn. Allerdings wird es sich kein Unternehmen (egal welcher Größe) leisten können, mögliche Verstöße durch Menschen prüfen zu lassen. Ergo: Es werden nicht offen gelegte (Geschäftsgeheimnis) Algorithmen sein, die über die Veröffentlichung von Beiträgen entscheiden und viele kleine Plattformen werden sich zurückziehen (müssen). Damit werden die von Ihnen korrekt beschriebenen "Meinungs-Macher" zu "Meinungs-Monopolisten". Und das nenne ich "Zensur" und passt nicht in eine Demokratie.

24.03.2019 15:46 Realist2014 8

@martin: So, so, „ausgemachter Blödsinn“ also. So argumentieren wie üblich sehr fundiert und niveauvoll. Die öffentliche Meinung wird vor allem durch Verschwörungstheorien sowie verschiedene Interessen-und Lobbygruppen (egal ob rechts, links, grün usw.) und diverse Konzerne manipuliert-u.a. bevorzugt auf Facebook, YouTube, Twitter und Co. Wobei ich dennoch gegen Zensur bin-darum geht es bei Artikel 13 jedoch auch nicht. Wie „kritisch“ Kinder und Jugendliche, auch solche die aufs Gymnasium gehen, Inhalte in den sozialen Netzwerken bewerten, ist bekannt-zumindest wenn man welche in seinem Umfeld hat. Wobei viele Erwachsene da tatsächlich nicht besser sind. Wenn mir jemand erzählt, dass er sich auf YouTube oder Facebook „informiert“, weil Tagesschau und Co. ja nur Propaganda senden, kann ich nur lachen. Die großen Internetriesen tragen maßgeblich zur Verblödung der Gesellschaft bei-zukünftig müssen sie sich dabei zumindest etwas mehr an das Urheberrecht halten.

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