Feuermänner beseitigen Sturmschäden im Tierpark Gera
Der Geraer Tierpark wurde besonders stark von "Friederike" heimgesucht. Bildrechte: MDR/Arne Schein

Aufräumarbeiten laufen in Thüringen Nach "Friederike": Starker Schneefall behindert Aufräumarbeiten

In Thüringen läuft der Verkehr auf Straßen am Morgen nach dem Sturmtief "Friederike" weitgehend normal. Im Bahnverkehr ist dennoch mit erheblichen Einschränkungen zu rechnen. Noch immer sind etliche Haushalte ohne Strom. Der Schneefall Freitagmorgen behindert die Aufräumarbeiten.

Feuermänner beseitigen Sturmschäden im Tierpark Gera
Der Geraer Tierpark wurde besonders stark von "Friederike" heimgesucht. Bildrechte: MDR/Arne Schein

In Thüringen kommen die Aufräumarbeiten nach dem Orkantief "Friederike" nur langsam voran. Grund: Seit heute Morgen schneit es in weiten Teilen des Freistaats zum Teil sehr stark. Nur mühsam können sich laut Polizei die Räumfahrzeuge vielerorts ihren Weg zu den Straßen, die vom Sturm am Schlimmsten betroffen waren, bahnen. Derzeit ist etwa noch ein Dutzend Landstraßen gesperrt, vor allem in Ostthüringen und im Wartburgkreis.

Nach der bundesweiten Einstellung des Fernverkehrs wegen des Orkantiefs "Friederike" hat die Deutsche Bahn den Betrieb am Freitagmorgen inzwischen wieder aufgenommen. In Erfurt fielen dennoch noch etliche ICE-Verbindungen aus. Die Fahrgäste müssen sich außerdem weiterhin auf "erhebliche Einschränkungen" einstellen. Im Laufe des Freitagvormittags sollen dann alle deutschen Großstädte wieder mit dem Fernverkehr erreichbar sein. Auf der ICE-Neubaustrecke in Richtung Süden zwischen Erfurt und Nürnberg rollen die Züge dagegen nach Angaben der Deutschen Bahn "weitgehend normal".

In Thüringen läuft es besonders im Regionalverkehr noch schleppend. Betroffen sind unter anderem Verbindungen im Raum Leinefelde, Heiligenstadt, Eisenach, Eisfeld, Waltershausen und Schmalkalden, zwischen Weimar und Kranichfeld und im Raum Altenburg. Nach Angaben von Streckenbetreiber Abellio ist zwischen Leinefelde und Heiligenstadt und Kassel-Wilhelmshöhe bis Freitagmittag kein Zugverkehr möglich. Auch Ersatzbusse könnten wegen vieler unpassierbarer Straßen noch nicht eingesetzt werden. Auf allen anderen Abellio-Verbindungen rollen die Züge wieder. Jedoch kann es im Laufe des Tages noch zu vereinzelten Verspätungen kommen.

Gesperrt sind auch noch die Bundesstraßen 84 im Wartburgkreis, die B85 bei Bad Frankenhausen und im Weimarer Land, außerdem nach Angaben der Polizei zahlreiche Landstraßen. Grund sind auch hier Sturmschäden.

Polizei und Feuerwehren im Dauereinsatz

Vielerorts laufen die Aufräumarbeiten nach dem Sturm. "Friederike" hat es am Donnerstag thüringenweit rund 950 Polizei- und Feuerwehreinsätze gegeben. Zwischen Donnerstag 13 Uhr und Freitagmorgen 4 Uhr gingen mehr als 1.400 Notrufe bei der Polizei ein. Vielerorts wurden Dächer abgedeckt, so auch an Schulen in Artern und Greußen (beides Kyffhäuserkreis) und in Pößneck (Saale-Orla-Kreis). In der Pößnecker Schule befanden sich zu dem Zeitpunkt noch Kinder im Gebäude. Sie blieben unverletzt. In Böhlen im Ilm-Kreis blieb ein Schulbus stecken.

Bahn stellt Zugverkehr wegen Orkan Friederike ein - Züge stehen auf den Gleisen im Erfurter Hauptbahnhof
Der Erfurter Hauptbahnhof Donnerstagnachmittag. Viele Reisende wussten nicht, wie es weiter geht. Bildrechte: MDR/Werner G. Lengenfelder

In Erfurt ist ein asiatischer Großmarkt einsturzgefährdet - dort wurde das Dach stark beschädigt. Im "Smart-Tower" in Erfurt-Bindersleben - einem Glasturm für Autos - lösten sich die Scheiben. Das Gelände wurde weiträumig abgesperrt. Am Freitag soll der Turm repariert werden. Außerdem blockierten umgestürzte Bäume die Straßen. In Gera wurde das Dach der Feuer- und Rettungswache komplett abgedeckt. Der Betrieb konnte trotz fehlenden Regenschutzes aufrechterhalten werden.

Noch immer sind Haushalte ohne Strom

Die regionalen Stromnetzbetreiber in Thüringen bekommen die Sturmschäden in den Griff. Das Unternehmen Thüringer Energienetze (TEN) teilte am Freitagmorgen mit, inzwischen seien nur noch 1.700 Haushalte ohne Elektrizität. Mitnetz Strom erklärte, in seinem Netzgebiet im Altenburger Land müssten noch 700 Haushalte ohne Strom auskommen. Durch den Orkan "Friederike" waren am Donnerstag 30.000 Thüringer Haushalte von der Versorgung abgeschnitten worden. Die Netzbetreiber arbeiten mit großem Personalaufwand daran, ihre Leitungen zu reparieren.

TEN-Sprecher Martin Schreiber erklärte, 450 Kollegen seien im Einsatz.. Schwerpunkte sind Nord- und Ostthüringen. An den Brennpunkten im Unstrut-Hainich-Kreis, Nordhausen, Eichsfeldkreis und den Landkreisen Greiz, Saale-Holzland sowie Saalfeld-Rudolstadt wurde auch in der Nacht gearbeitet. Einzelne Stromausfälle gibt es auch im Kreis Schmalkalden-Meiningen. Dort sind unter anderem Henneberg und Sülzfeld betroffen.

Schreiber sagte, im Gegensatz zum Einsatz während des Orkans "Kyrill", der Tage angedauert habe, käme man diesmal viel schneller voran. Außerdem gab es deutlich weniger Stromausfälle als bei "Kyrill". Ein Grund dafür ist, dass mittlerweile ein Großteil des Stromes über Erdkabel verteilt wird. Nach "Kyrill" mussten noch Strommasten aus alten Bundesländern besorgt werden. Schreiber rechnet damit, dass die Haushalte am Wochenende wieder mit Strom aus dem Thüringer Energienetz versorgt werden. Aktuell sind in den betroffenen Regionen Notstromaggregate aufgestellt. Endgültig seien die Arbeiten in ein bis zwei Wochen abgeschlossen.

Orkanschäden So tobt "Friederike" in Thüringen

Ein toter Feuerwehrmann, umgekippte Lkw, entwurzelte Bäume, gefällte Straßenschilder und Stillstand im Zugverkehr. Orkan "Friederike" ist am Donnerstag durch Thüringen gefegt - die Bilder.

Salzungen tödlich verunglückt - Bergung mit Panzer
In Thüringen hat Orkan "Friederike" ein Todesopfer gefordert. Ein 28-jähriger Feuerwehrmann wurde bei Bad Salzungen von einem Baum erschlagen. Ein zweiter Feuerwehrmann wurde schwer verletzt. Bildrechte: News5/Ittig
Salzungen tödlich verunglückt - Bergung mit Panzer
In Thüringen hat Orkan "Friederike" ein Todesopfer gefordert. Ein 28-jähriger Feuerwehrmann wurde bei Bad Salzungen von einem Baum erschlagen. Ein zweiter Feuerwehrmann wurde schwer verletzt. Bildrechte: News5/Ittig
Salzungen tödlich verunglückt - Bergung mit Panzer
Die Feuerwehr war am Donnerstagnachmittag wegen eines Notfalls in ein Waldgebiet an der Landstraße zwischen Bad Salzungen und Gräfen-Nitzendorf gerufen worden. Dort war eine Pkw-Fahrerin von umgestürzten Bäumen in ihrem Auto eingeschlossen. Während die Feuerwehr das Fahrzeug freischnitt, stürzte ein weiterer Baum um und erschlug den 28-Jährigen. Bildrechte: News5/Ittig
Salzungen tödlich verunglückt - Bergung mit Panzer
Zur Bergung der Feuerwehrmänner wurde ein Schützenpanzer von der Bundeswehr angefordert. Bildrechte: News5/Ittig
Salzungen tödlich verunglückt - Bergung mit Panzer
Der Schützenpanzer "Marder" gehört zum Panzergrenadierbataillon 391. Bildrechte: News5/Ittig
Salzungen tödlich verunglückt - Bergung mit Panzer
Dessen Kommandeur habe einem Amtshilfeersuchen der Polizei stattgegeben... Bildrechte: News5/Ittig
Salzungen tödlich verunglückt - Bergung mit Panzer
Demnach sehe sich die Feuerwehr nicht in der Lage, die umgestürzten Bäume zu beseitigen, unter denen die beiden Feuerwehrmänner - der tote und der 57-jährige, schwer verletzte - begraben worden waren. Bildrechte: News5/Ittig
Salzungen tödlich verunglückt - Bergung mit Panzer
Die umgestürzten Bäume hatten den Einsatzfahrzeugen den Weg versperrt. Bildrechte: News5/Ittig
Orkan Friederike fällt Straßenschild auf der A71
Auf der Bundesstraße 7 bei Erfurt Richtung Bindersleben stürzte eine Schilderbrücke auf die Fahrbahn. Bildrechte: MDR/Kathleen Sturm
Orkan Friederike fällt Straßenschild auf der A71
Sie krachte auf ein Auto. Bildrechte: Kathleen Sturm
Orkan Friederike kippt Lkw auf der A71 bei Erfurt um
Die Autobahn 71 war zwischen Sömmerda-Süd und Erfurt-Nord in Richtung Schweinfurt für Stunden voll gesperrt. Bildrechte: Kathleen Sturm
Orkan Friederike kippt Lkw auf der A71 bei Erfurt um
Orkan "Friederike" hatte dort einen Lkw-Anhänger umgekippt. Bildrechte: Kathleen Sturm
Im Orkan Friedericke ist auf der B4 bei Erfurt ein Lkw umgestürzt
Auch auf der Bundesstraße 4 Höhe Elxleben hat der Sturm einen Lastwagen umgeworfen. Bildrechte: Wichmann
Im Orkan Friedericke ist auf der B4 bei Erfurt ein Lkw umgestürzt
Dort war die Fahrbahn Richtung Nordhausen ebenfalls für Stunden voll gesperrt. Bildrechte: Wichmann
Orkan deckt Dach von Gemeinschaftsschule in Greußen ab
Am Donnerstagnachmittag musste der Unterricht in der Gemeinschaftsschule in Greußen abgebrochen werden. Der Sturm hatte das Dach vom Gebäude abgehoben und auf die Straße und den Parkplatz geworfen. Bildrechte: MDR/Peter Georgi
Orkan deckt Dach von Gemeinschaftsschule in Greußen ab
Die Feuerwehr hatte das Gelände weiträumig abgesperrt, weil weitere Dachteile vom Orkan durch das Wohngebiet getragen wurden. Bildrechte: MDR/Peter Georgi
Einsätze der Feuerwehr Heiligenstadt nach Orkan Friederike
Auch die Feuerwehr Heiligenstadt hatte alle Hände voll zu tun. Die Kameraden mussten an mehreren Stellen im Stadtgebiet Dächer abdichten, Verkehrswege beräumen und absturzgefährdete Teile sichern. Bildrechte: Feuerwehr Heilbad Heiligenstadt
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18. Januar 2018 | 19:00 Uhr

Auch in Ostthüringen sorgte "Friederike" für ein Verkehrschaos und mehrere Verletzte. Durch den Sturm ist in Altenburg eine Rentnerin schwer verletzt worden. Wie ein Polizeisprecher MDR THÜRINGEN sagte, wollte die 74-Jährige am Donnerstagnachmittag in der Innenstadt in einen Bus einsteigen. Dabei sei sie von einer Böe erfasst und zu Boden geschleudert worden. Die Frau musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Im Geraer Ortsteil Scheubengrobsdorf hat Orkan Friederike das Dach eines betreuten Wohnens abgedeckt
Feuerwehr und Polizei waren im Dauereinsatz während des Sturms. Bildrechte: MDR/Arne Schein

In Südthüringen sind wegen der Sturmschäden noch immer zahlreiche Straßen vollgesperrt. Laut Polizei sind untere anderem die Straße zwischen Benshausen und Aschenhof, die Strecke zwischen Schnellbach und Tambach-Dietharz sowie der Abschnitt zwischen Meiningen und Kühndorf dicht. Dort kommen die Feuerwehrleute wegen der Vielzahl der umgestürzten Bäume nicht mit dem Bergen der Bäume hinterher. Außerdem seien die Arbeiten für die Feuerwehrleute wegen des Sturms zu gefährlich gewesen.

"Friederike" war Donnerstag mit Windgeschwindigkeiten von über 130 Km/h über Thüringen hinweggefegt und hatte neben mehreren Verletzten auch ein Todesopfer gefordert.

Ein 28 Jahre alter Feuerwehrmann war bei Aufräumarbeiten von einem umstürzenden Baum in Bad Salzungen erschlagen worden. Am Freitag besuchte Thüringer Innenminister Georg Maier (SPD) die Unfallstelle und die Familie des verstorbenen Kameradens und dankte allen Helfern. Ihr Dienst sei ein besonderer, weil er mit Gefahren für das eigene Leben verbunden sei - und verdiene hohe Wertschätzung. Er kündigte an, gemeinsam mit der Feuerwehr zu überlegen, ob bei ähnlichen Sturmlagen auch vorsorglich Straßen gesperrt werden sollten. Leib und Leben der Helfer müssten im Blick behalten werden.

Ein weiterer verletzter Feuerwehrmann konnte mittlerweile das Krankenhaus verlassen. Maier begrüßte die schnelle Hilfe der Bundeswehr am Abend. Nur mit einem gepanzerten Fahrzeug konnte der Tote geborgen werden. Tief berührt war auch der Salzunger Bürgermeister Klaus Bohl, der den 28-Jährigen kannte. Er sei seit seinem achten Lebensjahr mit Herz und Seele Feuerwehrmann gewesen, sagte Bohl. Bad Salzungen trauere - und die Feuerwehr werde lange brauchen, um über diesen Verlust hinwegzukommen. Die Stadt hat ein Spendenkonto für die Familie eingerichtet.

Quelle: MDR THÜRINGEN/AFP

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Thüringen Journal | 19. Januar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2018, 19:23 Uhr

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