Ministerien Corona: Weniger Ausgaben für Dienstreisen der Thüringer Landesregierung

Ende März 2020: Deutschland ist fest im Griff des ersten Lockdowns. Die Autobahnen sind leer. Immer mehr Menschen arbeiten seither im Homeoffice. Kommunikation läuft häufiger virtuell - Konferenzen oder Arbeitstreffen vor Ort sind seltener geworden. Diese Tendenz hat sich auch mit den Lockerungen im Sommer gehalten. Zahlen aus der Thüringer Landesregierung sprechen eine deutliche Sprache. Infrage steht, ob das auch in Zukunft so bleibt.

Videokonferenz (Symbolbild)
Videokonferenzen lösten 2020 das klassische Treffen ab (Symbolbild) Bildrechte: imago / imago images / Panthermedia / Andrey Popov

Die Kosten für Dienstreisen in der Landesregierung sind im Jahr 2020 um gut 70 Prozent zurückgegangen. 267.000 Euro verbuchten Minister, Staatssekretäre und die Angestellten der Ministerien an Kosten. Im Jahr 2019 war es noch gut eine Million Euro.

Die Reisetätigkeit in der Landesverwaltung hat sich unter Pandemie-Bedingungen massiv verändert. Natürlich werden jetzt nur noch die nötigsten Dienstreisen vorgenommen. Wir telefonieren und machen Videokonferenzen ganz verstärkt.

Marion Wermann, stellvertretende Regierungssprecherin

Daran werde sich auch so schnell nichts ändern - und auch später werde man auf Videokonferenz-Technik zurückgreifen.

Bei den Zugreisen ist die Tendenz ganz ähnlich: Von 2018 (4.182 Fahrten) stieg die Zahl noch auf 4.507 im Jahr 2019. Im Corona-Jahr 2020 ging die Zahl um mehr als zwei Drittel auf 1.258 zurück.

Weniger drastisch ist der Rückgang bei den Dienstwagen-Kilometern. 2018 und 2019 bewegte sich die Zahl bei etwa zwei Millionen Kilometern. 2020 sank sie auf etwa 1,4 Millionen - ein Minus von etwa 30 Prozent.

Firmen wollen interne Reisen reduzieren

Auch Unternehmen haben die Veränderungen auf dem Schirm - viele Vertreter konnten in den vergangenen Monaten nicht zu Kunden fahren. Doch nicht alle Veränderungen dürften Corona überdauern: "Wie sich das Thema in der Zukunft entwickelt, ist noch nicht im Detail absehbar. Dienstreisen, um Kunden zu unterstützen, werden bei Zeiss weiterhin eine hohe Priorität haben", schreibt etwa der Technologie-Konzern Zeiss auf Anfrage von MDR THÜRINGEN.

Die neuen und bewährten Videokonferenzmöglichkeiten werden sicherlich gerade für unternehmensinterne Anlässe im höheren Maße genutzt werden als noch vor der Pandemie.

Zeiss

Klar - auch Unternehmen schauen, wo Sparpotenzial steckt.Das spüren auch Gastwirte und Hotelbetriebe. Nicht nur weniger Touristen, sondern auch weniger Gäste für Kongresse, Schulungen oder andere Treffen könnten sich bei ihnen einfinden.

"Mittelfristig werden wir etwas spüren durch die Technik, die auch da angeschafft wird. Dass es etwas anders sein wird bei Tagungen und Kongressen. Man kann sich da zuschalten, man kann sich reinschalten", so Dirk Ellinger, Geschäftsführer des Dehoga Thüringen, der die Branche im Freistaat vertritt.

Nicht alles geht virtuell

Er könne aber sich nicht vorstellen, dass Kongresse mit 500 oder 1.000 Leuten rein virtuell stattfinden. Es brauche ja auch kurze Absprachen, ein Zusammensitzen bei Tisch zur Nachbearbeitung oder dem Knüpfen persönlicher Bande.

Deshalb sieht er seine Branche hier weiter im Geschäft: Hotels hätten zum Beispiel Chancen, indem sie gute Konferenztechnik anbieten. So könne man an mehreren Standorten kleinere Gruppen zusammenschalten - ohne dass kleine Unternehmen sich dafür teure Technik anschaffen müssten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. Januar 2021 | 19:00 Uhr

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