Corona-Krise Diskussion um bedingungsloses Grundeinkommen

Unzählige sind von der Corona-Krise und deren wirtschaftlichen Folgen betroffen. Direkte Finanzzahlungen an alle: In Zeiten der Corona-Krise sehen einige die Chance für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Politik und Wirtschaftsexperten sehen das allerdings kritisch.

von Raja Kraus

Symbolbild: Geldscheine werden in der Hand gezählt.
In der Corona-Krise müssen viele plötzlich ihr Geld zählen. Bildrechte: imago/Jürgen Heinrich

Wirtschaftsexperten und Politiker sehen ein bedingungsloses Grundeinkommen für Bürger in der Corona-Krise nicht als geeignetes Instrument. Das ergaben Recherchen des MDR-Magazins "Umschau". "Für derartige ideologisch überfrachtete Diskussionen ist jetzt kein Raum", sagte etwa Wirtschaftsexperte Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in Dresden, der MDR-Wirtschaftsredaktion.

Geldscheine
Viele Freiberufler und Kleinunternehmer sorgen sich derzeit um ihr Einkommen. Bildrechte: imago/penofoto

Man müsse jetzt den Menschen helfen, die unverschuldet in Not geraten. Das Bundesministerium für Arbeit teilte mit: "Bei der Entwicklung von Maßnahmen wurde darauf geachtet, dass diese geeignet sind, in der aktuellen Situation schnell, unbürokratisch und zielgerichtet zu unterstützen. Das bedingungslose Grundeinkommen erfüllt diese Kriterien nicht."

Falscher Zeitpunkt für Grundeinkommen

Auch Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), findet es wichtig, jetzt die Grundversorgung von zwei Millionen Kleinunternehmern zu gewährleisten, nicht die von 80 Millionen Menschen. Zwar sei er grundsätzlich Freund der Grundeinkommens-Idee, "aber jetzt ist überhaupt nicht der richtige Zeitpunkt, um so etwas einzuführen", sagte er der "Umschau".

Chance für Debatte um bedingungsloses Grundeinkommen

Michael Bohmeyer, Initiator des Vereins "Mein Grundeinkommen"
Michael Bohmeyer, Initiator des Vereins "Mein Grundeinkommen". Bildrechte: imago/Jürgen Heinrich

Michael Bohmeyer, Initiator des Vereins "Mein Grundeinkommen", sieht in der derzeitigen Krise dagegen eine Chance, um die Debatte über ein bedingungsloses Grundeinkommen voranzutreiben. Er begrüßt deshalb auch die derzeitige Online-Petition, die sich für ein sechsmonatiges Grundeinkommen für Freiberufler einsetzt. Die Petition hat mit Stand vom 24.3., 17.30 Uhr rund 390.000 Unterzeichner.

Allerdings handele es sich bei der Forderung in der Petition mehr um eine Nothilfe als um ein richtiges Grundeinkommen, so Bohmeyer: "Ein bedingungsloses Grundeinkommen dient nicht dem Zweck der Armutsbekämpfung und sollte lieber eingeführt werden, wenn die Gesellschaft wieder einen kühlen Kopf hat." Die Krise zeige jedoch, dass unsere Art sozialer Absicherung grundsätzlich zu kompliziert sei.

Es ist nun spannend zu beobachten, ob wir als Gesellschaft genug Vertrauen haben, Leuten direkt Geld in die Hand zu geben und nicht nur Firmen.

Michael Bohmeyer

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR UMSCHAU | 24. März 2020 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. März 2020, 19:24 Uhr

Ein Angebot von