Meterstab des LKA im Fokus Böhnhardt-DNA an Peggy-Fundort doch Verunreinigung?

Die DNA-Spur des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt im Mordfall Peggy ist möglicherweise doch eine Verunreinigung. Das haben das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth am Donnerstag mittgeteilt. Die Ermittler hätten "mögliche Anhaltspunkte" dafür, dass durch "die mit der Spurensicherung in beiden Fällen befasste Tatortgruppe der Polizei in Thüringen teilweise identisches Spurensicherungsgerät verwendet" hat.

Das Bundeskriminalamt und die Soko Peggy hätten den Befundbericht vom Fundort der Knochen des Mädchens und den Obduktionsbericht zu Böhnhardt abgeglichen. So hätten sich diese Erkenntnisse ergeben.

Verunreinigung der Probe nicht ausgeschlossen

Damit bestätigt die Staatsanwaltschaft Bayreuth Medienberichte, wonach bei der Spurensicherung Fehler gemacht wurden. Böhnhardts DNA könnte durch Kontamination auf das Beweismaterial im Fall Peggy gelangt sein. Die Thüringer Ermittlergruppe hatte sowohl das Wohnmobil in Eisenach durchsucht, in dem die NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos 2011 tot aufgefunden wurden, als auch den Fundort der Leiche von Peggy.

Der Spiegel hat am Donnerstag berichtet, dass Beamte des Bundeskriminalamts Fotos von beiden Tatorte verglichen haben. Auf denen sei der gleiche markante Meterstab der Spurensicherung zu sehen gewesen. Dieses Messgerät sei unverwechselbar und von einer Beschaffenheit die es "nur einmal gibt", zitiert der Spiegel Ermittlerkreise. Auf diese Weise könnte Genmaterial von Uwe Böhnhardt auf das Stück Stoff übertragen worden sein, das umittelbar neben den Skelettteilen von Peggy gefunden worden war.

Eine endgültige Aussage zu einer möglichen Kontamination könne aber erst nach weiteren umfassenden und zeitaufwendigen Ermittlungen getroffen werden, hieß es weiter aus Bayreuth. Nun soll das eingesetzte Spurensicherungsgerät untersucht werden. Damit soll eine bisher in den beiden Verfahren noch nicht eingesetzte Stelle übernehmen.

Ermittlungspanne oder nicht?

Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger äußerte sich zurückhaltend zu möglichen Ermittlungspannen. In jedem Fall habe die Soko in Jena, die Fälle ungeklärter Kindstötungen erneut aufrollt, ein "elementares Interesse" an den Ergebnissen, sagte der SPD-Politiker. Ähnlich äußerte sich das Landeskriminalamt Thüringen. Eine Sprecherin teilte am Donnerstagnachmittag mit, es bestehe großes Vertrauen in die Ermittlungsarbeit der Staatsanwaltschaft Bayreuth und der bayerischen Kriminaltechnik.

Dorothea Marx
Dorothea Marx Bildrechte: MDR/ Holger John

Die Vorsitzende des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses, Dorothea Marx, ist skeptisch, dass die DNA-Spur auf verunreinigtes Gerät der Thüringer Polizei zurückzuführen ist. Es sei absurd anzunehmen, dass die DNA Böhnhardts über diesen Weg zum Fall Peggy gelangt sei, sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Dann hätte diese Spur auch in allen anderen Fällen auftauchen müssen, in denen das Spurensicherungsgerät verwendet wurde.

Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2016, 20:47 Uhr

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35 Kommentare

29.10.2016 11:45 jochen 35

Die Realität im Merkelland - Verarschung, Verdummung und Falschinformationen.

28.10.2016 09:52 HERBERT WALLASCH, Pirna 34

Hätte so die Stasi gearbeitet, wäre die DDR schon in den 70gern eingegangen.