Razzia bei einem Erfurter Sportmediziner
Ermittler durchsuchten am Mittwoch eine Arztpraxis im Erfurter Norden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Arztpraxis durchsucht Zwei Festnahmen nach Anti-Doping-Razzia in Erfurt

Von Erfurt aus soll ein international tätiges Doping-Netzwerk agiert haben. Eine Arztpraxis wurde von Ermittlern beobachtet und durchsucht. Ein Mediziner und ein mutmaßlicher Komplize wurden festgenommen.

Razzia bei einem Erfurter Sportmediziner
Ermittler durchsuchten am Mittwoch eine Arztpraxis im Erfurter Norden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Österreichische und deutsche Ermittler haben ein von Erfurt aus operierendes Dopingnetzwerk zerschlagen. Bei einer Razzia wurde ein Erfurter Sportarzt festgenommen, wie das österreichische Bundeskriminalamt am Mittwoch mitteilte.

Demnach wird der Mediziner Mark S. verdächtigt, seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen und dadurch illegale Einkünfte zu erzielen. Festgenommen wurde den Angaben zufolge auch ein 40 Jahre alter mutmaßlicher Komplize des Mannes. Laut Ermittlern wurde ein komplettes Dopinglabor mit Dopingpräparaten, Blutbeuteln, Bluttransfusionen und einer Zentrifuge sichergestellt.

Parallel liefen Durchsuchungen am Rande der nordischen Ski-WM im österreichischen Seefeld. Dort wurden fünf Spitzensportler aus Österreich, Estland und Kasachstan festgenommen. Außerdem wurde in Seefeld der Vater des Erfurter Arztes gemeinsam mit einer weiteren Frau in Gewahrsam genommen. Rund 120 Beamte waren während der "Operation Aderlass" in Deutschland und Österreich im Einsatz.

Sportmediziner schon einmal im Visier der Ermittler

Razzia bei einem Erfurter Sportmediziner
In Erfurt wurden neun Häuser durchsucht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Sportmediziner stand Medienberichten zufolge vor zehn Jahren schon einmal wegen Dopingverdachts im Visier der Ermittler. Als ehemaliger Teamarzt von Radteam Gerolsteiner soll er laut Ex-Radteamchef Hans-Michael Holczer während der Tour de France 2008 in Dopinggeschäfte verwickelt gewesen sein.

Dabei soll er dem Ex-Profi Bernhard Kohl (Österreich) eine Zentrifuge und ein Hotelzimmer für Dopingpraktiken zur Verfügung gestellt haben. Der Sportmediziner selbst hatte die Vorwürfe damals zurückgewiesen.

Insgesamt waren 16 Häuser durchsucht worden, allein neun in Erfurt, wie die Staatsanwaltschaft München mitteilte. Ausgelöst worden sei das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München I durch die Angaben des österreichischen Skilangläufers Johannes Dürr in der am 17. Januar 2019 ausgestrahlten ARD-Sendung "Die Gier nach Gold - Der Weg in die Dopingfalle".

Dort hatte Dürr angegeben, dass auch Oberhof eine Rolle gespielt habe. Nach Angaben des 31-Jährigen wurde auch sein Blut vor Jahren bei der Tour de Ski in Oberhof gespült. Dürr war bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi des Dopings überführt worden.

Keine Durchsuchungen bei deutschen Sportlern

Nach Angaben des Deutschen Skiverbandes gab es beim deutschen WM-Team keine Razzien. Es seien von den Untersuchungen weder deutsche Sportler noch das Umfeld oder deutsche Mannschaftsärzte betroffen, sagte ein DSV-Sprecher.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) forderte nach der Doping-Razzia in Erfurt schnelle Aufklärung. Doping schade dem Ansehen des Sports und dem Ansehen des Sportstandorts Thüringen, sagte er der Thüringer Allgemeinen. Gerade mit Blick auf die Wintersport-Weltcups und die für 2023 geplante Biathlon-WM müssten alle Beteiligten die Ermittlungen "sehr ernst" nehmen. Ramelow sprach von einer "ziemlichen Katastrophe". Er sei schockiert und fassungslos.

Nicht die erste Razzia in Sachen Doping

Der bei Olympia in Sotschi 2014 positiv auf EPO getestete Langläufer Johannes Dürr hatte im Januar umfassend über die Doping-Praktiken im Leistungssport ausgepackt. Bei Olympia 2006 in Turin hatte die italienische Polizei eine Razzia bei Österreichs Langläufern und Biathleten durchgeführt. Dass österreichische Bundeskriminalamt hatte schon vor gut zwei Jahren bei der Biathlon-WM in Hochfilzen in den Teamunterkünften der kasachischen Nationalmannschaft eine Razzia durchgeführt.

Bei der nächtlichen Durchsuchung wurden damals zahlreiche medizinische Produkte und Medikamente sichergestellt. Grund war, dass im Januar 2017 eine Privatperson beobachtet hatte, wie die Insassen von mehreren Kleinbussen an einer Tankstelle in Osttirol einen größeren Karton entsorgten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/SID/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 27. Februar 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2019, 20:44 Uhr

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28 Kommentare

28.02.2019 22:50 Saubersport 28

Solche Leute gehören weggesperrt und zwar für viele Jahre.Hoffentlich ermittelt die Polizei alles genau und bringen solche Leute in den Knast.Und eine gute Arztpraxis war es wie manche behaupten auch nicht.Aber das ist ja eine persönliche Meinung.Die einen finden sie gut die anderen nicht.Fakt ist aber das solche Leute hoffentlich hart bestraft werden und endlich mal Gerechtigkeit herrscht...

28.02.2019 21:37 Andi53 27

Sorry! Mein Kommentar bezieht sich auf @18Herr S. aus K.

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