Thüringer Bauträgerfirma und Sparkasse Dubiose Immobiliengeschäfte in Millionenhöhe

Anleger aus ganz Deutschland werfen einem Thüringer Bauträger Immobilienbetrug in Millionenhöhe vor. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN und des MDR-Magazins Exakt hat die Inhaberin der Firma "WS Wohnstyle Bauträger GmbH" gemeinsam mit ihrem Bruder in den Jahren 2011 bis 2014 Anlegern den Kauf und die Sanierung von Wohnungen in Thüringen angeboten und dafür Darlehen der Sparkasse Mittelthüringen vermittelt. Die vertraglich zugesagten Bauleistungen wurden jedoch nicht oder nur teilweise erbracht, weshalb betroffene Anleger der Firma Betrug vorwerfen. Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen ermittelt.

Nach MDR-Recherchen ging es bei diesen Geschäften um mindestens sechs Immobilien: drei Mehrfamilienhäuser in Arnstadt, zwei in Erfurt sowie um ein ehemaliges Postgebäude in Friedrichroda. Das von der Bauträgerfirma vorgelegte Angebot sah vor, dass Anleger Wohnungen in diesen Häusern erwerben und von der Firma sanieren lassen sollten. Aus der Vermietung der dann sanierten Wohnungen sollten die bei der Sparkasse Mittelthüringen aufgenommenen Darlehen getilgt werden. Den Anlegern wurden die Projekte als Möglichkeiten zur Altersvorsorge und zur Steuerersparnis dargestellt.

In den meisten Fällen kassierte die Firma zwar die Kaufpreise für die Wohnungen sowie Geld für deren Sanierung, führte die versprochenen Arbeiten aber nicht oder nur teilweise aus. Einige der Häuser sind bis heute in einem unbewohnbaren Zustand. Betroffen sind unter anderem Anleger aus Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen.

Sparkasse vermittelte Darlehen in Höhe von vier Millionen Euro

In diese Geschäfte war den Recherchen zufolge auch ein damaliger Mitarbeiter des Immobiliencenters der Sparkasse Mittelthüringen verwickelt. Dieser hat nach Aussagen von betroffenen Anlegern in mindestens zwei Fällen Projekte der Bauträgerfirma in Arnstadt angeboten und beworben. Außerdem hat er in mehreren Fällen die Darlehen für die Projekte der Bauträgerfirma vermittelt. Insgesamt geht es dabei um mindestens rund vier Millionen Euro.

Die Sparkasse Mittelthüringen sieht sich nach eigenen Angaben indes selbst als Opfer von betrügerischen Machenschaften. Man habe im Juli 2014 Anzeige gegen Unbekannt erstattet, sagte der Rechtsanwalt der Sparkasse, Bernd Gindorf, dem MDR. Eine Mitverantwortung für die Geschäfte der Bauträgerfirma weise man zurück, sagte er. Gindorf sprach von 20 bis 30 Kunden der Sparkasse, die mit der Bauträgerfirma Probleme hätten. Die Sparkasse fordert mittlerweile von zahlreichen betroffenen Anlegern die ihnen gewährten Darlehen zurück. Deshalb gibt es inzwischen auch juristische Auseinandersetzungen, weil Anleger der Sparkasse eine Mitschuld zuweisen.

Staatsanwaltschaft Mühlhausen ermittelt wegen Betrugs

Bei der Staatsanwaltschaft Mühlhausen läuft wegen der dubiosen Geschäfte derzeit ein Ermittlungsverfahren. Dieses richte sich gegen mehrere Beschuldigte unter anderem wegen Betrugsverdachts, sagte Sprecher Dirk Germerodt. Details wollte er nicht nennen. Nach MDR-Informationen hat die Staatsanwaltschaft vor kurzem auch bei der Sparkasse Mittelthüringen Unterlagen zu den Vorgängen beschlagnahmt.

Der in die Geschäfte involvierte Immobilienberater, er ist mittlerweile nicht mehr für die Sparkasse tätig, wollte sich nicht zu den Vorgängen äußern. Die Verantwortlichen der Bauträgerfirma "WS Wohnstyle" sind offenbar untergetaucht. Sie sollen sich angeblich in Frankreich oder in der Schweiz aufhalten. Der derzeitige offizielle Sitz der Firma in Waltershausen ist verwaist.

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2015, 22:35 Uhr

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7 Kommentare

04.12.2015 20:38 Günther 7

Ich habe sehr viel Mitgefühl für alle Anleger. Aber ist eigentlich niemanden aufgefallen, dass die Sparkasse Mittelthüringen kein Wort des Bedauerns verlauten lässt. Weder für die gesamte Angelegenheit, noch für die einzelnen Anleger, die durch Vorsatz eines Mitarbeiters der Sparkasse vor dem Ruin stehen. Und wieso schafft es nicht einmal ein Vorstandsmitglied, dies öffentlich zum Ausdruck zu bringen? Wer sich hinter einem Anwalt versteckt, der wird sicherlich auch etwas zu verbergen haben. Hier muss man im Sinne aller Geschädigten die Flucht nach vorne vollziehen, sich entschuldigen und die absichtlich herbeigeführten Schäden der Anleger großzügig ausgleichen. Nur so und nicht anders. Das hätte Stil, dass würde Anstand zeigen. Herr Bauhaus, denken Sie mal darüber nach.

04.12.2015 11:14 Stuart M. 6

Was hier anders ist, ist dass die Sparkasse in den Fall verwickelt ist. Die Bank ist bekannt für sichere, wenig riskante Geldanlagen. Klar würden die Anlegern glauben, dass ihr Geld (und Altesvorsorge) sicher sein würde. Viele der Anleger werden jetzt gerade von der Sparkasse in den Insolvenz getrieben. Ich kann sehr viel Mitgefühl für die Opfer aufbringen, auch wenn Sie dass nicht können.