Ausgetrockneter und gerissener Boden
Die Trockenheit hat im Sommer für erhebliche Ernteausfälle gesorgt. Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Nach Trockenheit im Sommer Thüringer Landwirte beantragen voraussichtlich weniger Dürrehilfe als erwartet

Die Trockenheit im Sommer hat zahlreiche Thüringer Landwirtschaftsbetriebe in existenzielle Notlagen gebracht. Die staatliche Dürrehilfe soll diese Agrarunternehmen unterstützen. Doch offenbar beantragen weniger Landwirte als erwartet die staatliche Dürrehilfe.

Ausgetrockneter und gerissener Boden
Die Trockenheit hat im Sommer für erhebliche Ernteausfälle gesorgt. Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Voraussichtlich beantragen wesentlich weniger Thüringer Agrarbetriebe als erwartet staatliche Dürrehilfe. Ein Sprecher der Aufbaubank sagte, es werde bis zum Stichtag am Freitag mit etwa 100 Anträgen gerechnet. Bis zum Wochenanfang seien erst gut 30 erfasst gewesen, aber es werde ein Endspurt erwartet. Die eingereichten existenzbedrohenden Dürreschäden lägen zwischen 10.000 Euro und 800.000 Euro.

Damit würde weniger als die Hälfte der durch die Dürre in ihrer Existenz bedrohten Betriebe auf staatliche Hilfe setzen. Das Thüringer Landwirtschaftsministerium hatte die Anzahl anspruchsberechtigter Betriebe im August auf 260 geschätzt. Diese Unternehmen haben schätzungsweise Dürreeinbußen in Höhe von rund 30 Millionen Euro erlitten, die ihnen aus dem Dürrehilfeprogramm von Bund und Ländern zur Hälfte ersetzt werden könnten. Thüringen müsste danach bis zu 7,5 Millionen Euro beisteuern. Zu den Schäden zählen komplette Ernteausfälle, aber auch Ernten von minderer Qualität und daraus folgende niedrigere Einnahmen. Ebenso zählen dazu Kosten für Futterzukäufe, wenn weniger Futter selbst erzeugt werden konnte.  

Dürrehilfe als "Bürokratiemonster"

Die bereits erfassten Anträge stammen nach Angaben der Aufbaubank überwiegend von Einzelunternehmern und Personengesellschaften. GmbHs und Genossenschaften seien dagegen wenige darunter. Das deckt sich mit der Kritik des Thüringer Bauernverbandes. Es handele sich um ein "Bürokratiemonster", sagte die Referentin für Agrarpolitik, Anja Nußbaum, MDR THÜRINGEN. Es werde insbesondere der ostdeutschen Betriebsstruktur nicht gerecht, wo es viele Betriebe mit sehr vielen Gesellschaftern und Genossen gebe. Vor allem die geforderte Offenlegung der privaten Vermögensverhältnisse von Anteilseignern und deren Ehepartnern sei kaum erfüllbar, da viele das verweigerten. Teilweise hätten die Agrargesellschaften 20 und mehr Anteilseigner. Viele davon seien Rentner oder hätten die Betriebsanteile geerbt und seien demzufolge sehr betriebsfern, sagte Nußbaum.

Frage nach Privatvermögen als Knackpunkt

Das Dürrehilfeprogramm für existenzbedrohte Betriebe verlangt, dass Unternehmer und Anteilseigner mit ihrem privaten Vermögens für die Einbußen einstehen. Die Dürrehilfe wird anteilig gekürzt, sofern ledige Gesellschafter über ein kurzfristig verwertbares Vermögen von mehr als 90.000 Euro und verheiratete über mehr als 120.000 Euro verfügen. Das trifft auch Ehepartner, die Gütertrennung vereinbart haben. Die Einhaltung der Vermögensgrenzen muss bei der Beantragung zumindest für die größten und die geschäftsführenden Anteilseigner erbracht werden. Das Landwirtschaftsministerium hat angekündigt, die Angaben stichprobenartig zu kontrollieren. Die Dürrehilfen sollen noch in diesem Jahr ausgezahlt werden.

Der Regenmangel von April bis August hat die Thüringer Landwirtschaft fast in allen Regionen hart getroffen. Der Gesamtschaden wird in Thüringen auf rund 90 Millionen Euro geschätzt. Teilweise konnten die Unternehmen verglichen mit dem Durchschnitt nur die halbe Ernte eingefahren. Das führt auch dazu, dass nur wenig Viehfutter für den anstehenden Winter eingebracht werden konnte. Anja Nußbaum vom Bauernverband sagte, die Krise werde sich also fortsetzen, weil alle Vorräte aufgebraucht seien. Deshalb fordere der Bauerverband auch eine generelle Risikoabsicherung für Notsituationen. Dafür müssten neue Instrumente her, so Nußbaum, damit sich die Landwirte nicht jedes Mal wieder wie Bittsteller vorkommen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Bildrechte: MDR/Michael Hesse

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. November 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2018, 05:00 Uhr

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