Nach verpatztem Start Bahn nach 100 Tagen ICE-Strecke zufrieden

Ihr Start war ein Desaster, inzwischen ist sie aber so etwas wie eine Paradestrecke für die Bahn geworden: die neue ICE-Trasse Berlin-München.

Nach Angaben des Unternehmens wurden 100 Tage nach der Inbetriebnahme auf der Verbindung bereits 1,2 Millionen Fahrgäste gezählt. Das sind mehr als doppelt so viele wie im selben Zeitraum ein Jahr davor auf der alten Strecke. Die Pünktlichkeit liegt auf der Verbindung laut Bahn bei über 80 Prozent – sie ist damit höher als im Bundesdurchschnitt. Birgit Bohle, Vorstandsvorsitzende Fernverkehr der Deutschen Bahn, zieht daher ein positives Fazit: "Wir sind hochzufrieden mit den ersten 100 Tagen. Die Nachfrage hat sich mehr als verdoppelt. Wir müssen nicht verhehlen, dass es einen holprigen Start gegeben hat. Aber die Nachfrage übersteigt unsere Erwartungen."

Stopps und Spott zum Start

Im Dezember vergangenen Jahres hatte es zur Inbetriebnahme der neuen Strecke viele Pannen und Verspätungen gegeben. Probleme bereitet hatte unter anderem das neue Zugsteuerungssystem ETCS. Laut Bohle wurden zwar alle ICE-Modelle vor der Inbetriebnahme auf der Strecke Erfurt-Nürnberg getestet - aber immer nur einzelne Züge der jeweiligen Baureihe. Die Ergebnisse ließen sich dann aber nicht auf alle Züge übertragen, wodurch auch nicht alle Fehler ausgeschaltet wurden. Die Verantwortung dafür trage die Abteilung Fernverkehr, räumt Bohle ein.

Prognose könnte übererfüllt werden

Ein ICE T fährt am Abend aus dem Hauptbahnhof Halle.
Bildrechte: dpa

Inzwischen brummt aber das Geschäft auf der neuen Trasse. Ursprünglich hatte die Bahn das Ziel ausgegeben, pro Jahr 3,6 Millionen Fahrgäste zwischen Berlin und München chauffieren zu wollen. Hält die Nachfrage so wie bisher an, könnten es noch mehr werden. "Das ist gut denkbar", sagt Bohle. "Die ersten drei Monate des Jahres sind in der Tendenz nicht verkehrsstärksten Monate. Und wenn wir in diesen Monaten über den Planungen sind, gehen wir davon aus, dass wir dieses Ziel übertreffen werden." Möglicherweise könnten bereits im ersten Jahr des Betriebs bis zu fünf Millionen Menschen zwischen Berlin und München fahren. Laut Bohle hat die Bahn AG auf der Strecke zwischen den beiden Städten einen Marktanteil unter den Verkehrsmitteln von 40 Prozent erreicht – und damit gegenüber Auto, Flugzeug und Fernbus an Boden gewonnen. Die Auslastung der ICE liege bei bis zu 70 Prozent. Besonders nachgefragt seien die so genannten Sprinter. Sie legen die Strecke Berlin-München in vier Stunden zurück.

Mehr Nachfrage = mehr Angebot

Aufgrund der hohen Nachfrage erweitert die Bahn das Angebot. Ab Dezember werden pro Tag fünf statt wie bisher drei Sprinterpaare zwischen Berlin und München pendeln. Außerdem werden ältere Zugmodelle durch die neueste ICE-Generation – die ICE 4 – ersetzt. "Unser neues Flaggschiff ist das komfortabelste Fahrzeug, das wir haben, aber auch das größte mit 830 Sitzplätzen", so Bohle. Durch die Angebotserweiterung steigt das Sitzplatzangebot pro Tag um 3.000 auf 23.000. Laut Bohle eine ungewöhnliche Entwicklung: "Normalerweise dauert es zwei Jahre, bis sich so eine neue Strecke einschwingt und es zu einer normalen Nachfrage kommt. Hier haben wir aber gesehen, dass das ziemlich aus dem Stand geglückt ist."

Neu hinzu kommt ab Dezember 2018 auch eine Direktverbindung von Berlin über Erfurt nach Wien. Fahrzeit von Erfurt in die österreichische Hauptstadt: unter sechs Stunden. Am Hauptbahnhof Erfurt steigen laut Bahn täglich 1.100 Menschen von einem ICE in den anderen um - fünfmal so viel wie im letzten Jahr. Auch Jena soll ab Ende 2018 besser an den Fernverkehr angebunden werden: hier sollen ab Dezember drei IC-Zugpaare von Nordrhein-Westfalen kommend über Erfurt und Jena bis nach Gera fahren.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 27. März 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2018, 19:47 Uhr

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14 Kommentare

29.03.2018 14:34 martin 14

@13 ja genau: Sie schreiben: "...es gibt kaum Strecken, die höhere Geschwindigkeiten wirtschaftlich machen." - dem stimme ich zu.

Nur: Warum werden dann solche Strecken mit Milliarden-Aufwand extra gebaut? Und wenn man sie mit der Begründung baut und dann feststellt, dass das frisch eingekaufte rollende Material nicht wirklich geeignet ist, dann ist das kritikwürdig. Freundlich formuliert.

29.03.2018 07:59 Ja genau 13

Ich denke, dass hier einige Leute doch sehr das Haar in der Suppe suchen. Ich fahre täglich auf der Neubaustrecke zwischen Leipzig und Erfurt als Berufspendler. Die Züge sind bis auf Ausnahmen pünktlich und für meine Ansprüche eng genug getaktet. Sollte es mal Verspätungen geben stehe ich wenigstens nicht gestresst im Stau und komme kratzbürstig und entnervt auf der Arbeit an, sondern kann mich noch zurücklehnen und evtl. den ersten Gratis-Kaffee am Tag genießen. Ich pendle durchaus zu Stoßzeiten morgens und abends im üblichen Berufsverkehr, einen Sitzplatz habe ich bisher auch immer gefunden, in der Regel sogar einen Einzelplatz.
Darüber hinaus ist es in Deutschland überhaupt nicht sinnvoll mit mehr als 250 km/h zu fahren, da das Netz hierzulande sehr engmaschig ist, es gibt kaum Strecken, die höhere Geschwindigkeiten wirtschaftlich machen.

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