Corona-Regeln Einzelhändler dürfen Waren jetzt auch in Thüringen zum Abholen anbieten

Die neue Corona-Verordnung des Landes sieht vor, dass Einzelhändler ab Montag bestellte Waren abgeben können, wenn sie das Bezahlen und Abholen kontaktlos außerhalb ihrer Läden organisieren. Kunden müssen dafür zuvor telefonisch oder online bestellen. Bisher galt das in Thüringen nur für Buchhandlungen.

Ladengeschäft
"Schneekleidchen und Hosenrot" hat auch eine Filiale in der Kaufstraße Weimar. Bildrechte: MDR/FRanziska Grewe

In den Schaufenstern einiger Läden sind schon Schilder platziert: „Abholung möglich!“ oder „click und collect“. In den vergangenen Wochen war Thüringen eins der wenigen Bundesländer, die diese Einkaufsmöglichkeit nur für Buchhändler erlaubte. Jetzt ist der gesamte Einzelhandel inklusive Baumärkten eingeschlossen. Der Thüringer Handelsverband und die IHK Erfurt lobten die neue Regelung.

Kein Kontakt zwischen Käufern und Verkäufern

Als Voraussetzung für den Abholservice nennt das Land in der gestern veröffentlichten Corona-Verordnung drei Aspekte: Die Ware muss kontaktlos übergeben, kontaktlos bezahlt und außerhalb der Geschäftsräume abgeholt werden. Außerdem müssen die Kunden vorbestellen, telefonisch oder im Internet.

Verband rechnet mit Anlaufzeit

Der Thüringer Handelsverband begrüßt diese neue Möglichkeit. Geschäftsführer Knut Bernsen rechnet aber mit einer gewissen Anlaufzeit. Nicht jedes Geschäft würde direkt am Montag mit dem sogenannten Click und Collect-System loslegen. Außerdem könne durch den Abholservice nur ein kleiner Teil der ausgefallenen Einnahmen ausgeglichen werden. Dennoch sei es ein gutes Mittel zur Kundenbindung.

Es ist einfach eine Möglichkeit auch vor Ort etwas zu machen, und alles was da im Moment geht, hilft.

Knut Bernsen

Der Kontakt zu den Kunden ist auch für Marianna Schröder das ausschlaggebende Argument. Sie ist eine von zwei Inhaberinnen von "Schneekleidchen und Hosenrot", einem Geschäft für faire Kleidung für Kinder und Erwachsene mit drei Filialen in Weimar.

Ab morgen können Kunden in einem der Läden vorbestellte Waren abholen. Das ist besser als nichts, sagt sie, bleibt aber trotzdem skeptisch. Online zu bestellen und sich die Ware dann liefern zu lassen, sei viel bequemer, als Bestelltes abzuholen.

Kindeninfo in einem Schafenster
Auch Svetlana Brehm mit ihrer Kunstgalerie Weimar ist wieder für die Kunden da. Bildrechte: MDR/FRanziska Grewe

Mal sehen, was die reelle Erfahrung zeigt. Aber erstmal glaube ich nicht, dass das eine große Chance ist.

Marianna Schröder

Was sich für die Kunden aber lohnen würde, so Schröder, sei ein Anruf im Lieblingsgeschäft. Denn auch wenn gerade nichts anprobiert und angefasst werden kann, die Einzelhändler kennen ihr Sortiment gut und können beraten.

Großteil der Geschäfte begrüßt die Regelung

Wie viele Einzelhändler einen Abholservice anbieten werden, ist noch offen. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Erfurt begrüßt ein Großteil der Unternehmen das Click und Collect-Angebot. Diese Lockerung sei längt überfällig. Knut Bernsen vom Handelsverband betonte, was den Händlern wirklich helfen würde, sei finanzielle Unterstützung von Bund und Land. Viele Händler hätten sei Monaten keine Zahlungen erhalten, wären durchs Raster gefallen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. Januar 2021 | 18:00 Uhr

8 Kommentare

Critica vor 6 Wochen

Die Schraube wird ganz fest gedreht und nun ein "bisschen gelockert", damit alles sehen, wie gut es die Regierung mit uns meint...
Im Ticker (und auch im ZDF heutejournal) sagt Herr Ramelow: "...Wenn im Januar, Februar keine Bewegung ist, dann werden wir auch das (Verschiebung der Landtagswahlen) mitentscheiden müssen." Es gelte, der Tatsache ins Auge zu sehen, dass das Virus jetzt erst anfängt, richtig Fahrt aufzunehmen.
So wissen wir nun, wie lange wir noch eingesperrt werden und erhalten indirekt auch einen Hinweis, wen wir dann zu wählen haben...
Und die Einzelhändler...? Friseure?
Ich finde es einfach nur gruselig.

beyer vor 6 Wochen

Auf der einen Seite den shutdown fordern und auf der anderen Seite leichte Öffnungen die Beschlüsse des Bundes aufweichen ...passt leider nicht.
So fällt auch der Sommerurlaub aus.

DerLandstreicher vor 6 Wochen

Sicher sind alle hilflos. Da stimme ich Ihnen zu. Dennoch finde ich es für den Handel eine Möglichkeit, wenigstens ein paar Umsätze zu machen. Was die Menschen dann auf dem Parkplatz veranstalten, können diese nur schwer beeinflussen - allerdings werden sie es zuerst spüren, sollten die Menschen, wie von Ihnen beschrieben, wieder keinerlei Vernunft annehmen. Aber ich habe Hoffnung. Der 2. Versuch in den Bergregionen Thüringens verlief ja immerhin auch halbwegs geordnet. Manche Menschen haben wohl doch noch so viel Verstand und sehen, wann etwas unangebracht ist - auch wenn man es ihnen mit dem Hammer einrichtern muss(te).

Mehr aus Thüringen

Schornsteinsprengung 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK