Regionalexpresszug der DB Regio zwischen Weimar und Jena.
In zehn Jahren könnte es soweit sein. Bildrechte: Deutsche Bahn AG/Frank Barteld

Freistaat spart, Verkehr rollt später Elektrifizierung der Mitte-Deutschland-Verbindung kommt - nicht vor 2028

Was lange währt: In zehn Jahren könnte die Elektrifizierung der 115 Kilometer langen Strecke zwischen Weimar und Gößnitz abgeschlossen sein. Da der Bund einspringt, muss Thüringen nicht in finanzielle Vorleistung gehen.

von Marian Riedel

Regionalexpresszug der DB Regio zwischen Weimar und Jena.
In zehn Jahren könnte es soweit sein. Bildrechte: Deutsche Bahn AG/Frank Barteld

Die Signale stehen auf Grün - die Vorplanungen sind angefahren, damit künftig auf der Strecke Weimar-Jena-Gera-Gößnitz Züge mit Elektroloks fahren können.

Der Bund übernimmt dafür alle Planungskosten. "Eine Vorfinanzierung durch den Freistaat Thüringen entfällt", sagte Bahn-Konzernbeauftragter Eckhart Fricke. Das Land hatte sich bereits vor drei Jahren bereiterklärt, 30 Millionen Euro auszugeben, um das Elektrifizierungsprojekt zumindest planerisch ins Rollen zu bringen. Nun also kann Thüringen diese Millionen anderweitig ausgeben. Das ist die gute Nachricht.

2028 - "Grobterminplanung" der Bahn

Die weniger erfreuliche heißt: Eine Inbetriebnahme für den elektrifizierten Streckenabschnitt wird es nicht vor 2028 geben. So steht es in der "Grobterminplanung" der Bahn. Die hat sie laut Fricke gerade dem Thüringer Ministerium für Landwirtschaft und Infrastruktur vorgelegt.

Birgit Keller
Thüringens Infrastrukturministerin Birgit Keller (Linke) Bildrechte: Birgit Keller

Die Chefin des Hauses, Ministerin Birgit Keller, hatte noch vor wenigen Wochen in Gera bei einem Treffen des Bündnisses Schienenverkehr als Zieltermin das Jahr 2025 genannt. Doch dieser Traum ist wohl geplatzt - denn im Planungsverfahren für solche Großprojekte gebe es seit diesem Jahr noch "einen neuen Schritt". So beschreibt das Marcus Schenkel, der im Bahnkonzern für den Regionalbereich Südost der Leiter für Großprojekte ist. Schenkel meint mit dem neuen Schritt eine "parlamentarische Befassung" durch den Bundestag. Heißt: Die Bahn muss nun ihre Vorplanungen beim Bundestag einreichen. Für eine Prüfung, wie für den elektrischen Zugbetrieb Steuergelder ausgegeben werden sollen. Termin für diesen neuen Schritt: 2021.

Vogelflugrouten und Schutz vor elektrischen Schlägen

Bahn-Manager Schenkel sagt, erst danach kann das ohnehin notwendige Planfeststellungsverfahren beginnen. Natürlich gebe es bei der Elektrifizierung der 115 Kilometer langen Strecke noch Knackpunkte, machen Marcus Schenkel und Eckhart Fricke klar: Da geht es um den Schutz von Flora und Fauna, da müssen Vogelflugrouten beachtet werden. An Brücken über den Gleisen muss noch geklärt werden, ob der Fahrdraht darunter passt, an allen Überführungen muss eine Erdung zum Schutz vor elektrischen Schlägen angebaut werden. Und alle Arbeiten müssen letztlich "bei rollendem Verkehr" stattfinden.

Auf einen Knackpunkt machen die Bahn-Manager auch noch aufmerksam: Alle aktuellen Gutachten des Bundes zum Bundesverkehrswegeplan sehen zurzeit keine Notwendigkeit, den Elektrifizierungsabschnitt auch durchgängig zweigleisig auszubauen. Nicht auszuschließen ist, dass sich daran in der parlamentarischen Befassung noch etwas ändert. Welche Auswirkungen das auf die Bauzeit hätte - heute ist das noch nicht absehbar.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. Mai 2018 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2018, 21:10 Uhr

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9 Kommentare

09.05.2018 13:20 Railfriend 9

Verehrte Redaktion,
Belege wären hier als LInks möglich, sind aber laut Kommentarrichtlinie unerwünscht.
Daher hier nur die Info, dass der Atom- und Fossilstromanteil im Bahnstrommix bislang überwiegt. Auch zur Kritik am Bahngrünstrom liegen aktuelle Medienberichte vor.

09.05.2018 11:35 Railfriend 8

Kommentar 7 entspricht ganz den Elektrolobby-Interessen der DB AG:
1. Unterschlagen, dass auf Strecken ohne Fahrdraht weit weniger Menschen und Tiere umkommen.
2. Auf Steuerzahlerkosten so viel wie möglich elektrifizieren, insbesondere jetzt, da saubere Alternativen in den Startlöchern stehen. Mit Elektrifizierungen vollendete Tatsache schaffen, damit unter Fahrdraht keine Systemkonkurrenz aufkommt.
3. Nachhaltigen Bahnstrom vorgaukeln, obwohl dieser nachweislich überwiegend Schmutzstrom enthält und selbst beim Grünstromanteil der Klimanutzen fraglich ist
4. Bezeichnend daher, die Nachhaltigkeit von H2 oder PtL auf echter Grünstrombasis zu leugnen.

Dass EBA über empfindliche Nachteile des Oberleitungsbetriebs berichtet und daher die Entwicklung anderer Antriebsformen empfiehlt, davon haben Sie noch nie gehört. Ebenso wenig davon, dass laut EBA im angeblich nachhaltigen el. Bahnbetrieb je Streckenkm weit mehr Vögel umkommen als im Straßenverkehr.

[Anmerkung der Redaktion: Enthält der Strom der Bahn "nachweislich überwiegend Schmutzstrom"? Solch eine verbindliche Aussage sollten Sie dann aber auch in Ihrem Kommentar belegen.]

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