Obst- und Gemüseanbau Warum Saisonarbeiter ausbleiben

Auch in Thüringen klagen Obst- und Gemüsebauern über einen Mangel an Saisonarbeitern. Polen etwa, die früher gern Spargel stachen, ziehen mittlerweile andere Jobs vor - nur einer von mehreren Gründen für den Mangel.

von Oliver Gussor

Spargel aus Kutzleben - für viele Thüringer ist das derzeit beinahe ein Standardgericht. Die weißen Stangen werden dort von etwa 300 Saisonarbeitern gestochen. Davon stammt die Hälfte aus Polen, die übrigen Spargelstecher kommen mittlerweile aus Rumänien. Um seinen personellen Bedarf zu decken, musste der Chef des Hofes in Kutzleben, Jan-Niclas Imholze, in diesem Jahr auf eine Arbeitsvermittlung zurückgreifen. Früher sei das undenkbar gewesen.

Die polnische Wirtschaft floriert. Die jungen Menschen haben es gar nicht mehr nötig, ihr Heimatland zu verlassen."

Jan-Niclas Imholze, Geschäftsführer des Spargelhofes in Kutzleben

Vor allem junge polnische Mitarbeiter sind immer seltener auf deutschen Feldern zu finden. Sie bleiben entweder in ihrem Heimatland oder arbeiten in Deutschland im Handwerk, auf dem Bau oder bei Paketdienstleistern. Imholze sagt, diese Branchen zahlten mehr und böten langfristige Arbeitsmöglichkeiten. Außerdem ist die Arbeit auf den Feldern hart. Jeden Tag, egal bei welchem Wetter zu arbeiten, ist nicht sonderlich reizvoll.

Der Trend ist deutlich - auch bei Erdbeeren. Auch für die Anbauer der beliebten roten Frucht wird es jedes Jahr schwerer, geeignete Arbeiter zu finden. In der Gärtnerei Gloria bei Erfurt sind aktuell 70 Erntehelfer im Einsatz. Chef Carsten Gloria sagt, seit Jahren würden es weniger - im Schnitt fünf Prozent pro Jahr. Dazu käme, dass immer mehr Analphabeten kommen, die intensiver betreut werden müssten. Viele Erdbeerhöfe hätten deshalb bereits aufgegeben und geschlossen, so Gloria. Auch er müsse darüber nachdenken, in Zukunft weniger Erdbeeren anzubauen.

Sozialabgabenbefreiung nur für 50 Tage

Hinzu kommt: Saisonarbeit wird in der kommenden Saison finanziell unattraktiver. Derzeit sind ausländische Saisonkräfte für 70 Tage im Jahr von Sozialabgaben befreit. Ab dem kommenden Jahr dürfen sie gesetzlich aber nur noch 50 Tage arbeiten, ohne die Abgaben zahlen zu müssen. Heißt im Klartext: Sie haben am Ende weniger Geld in der Kasse und überlegen sich zwei Mal wieder zu kommen. Auf die Arbeitnehmer kommt durch die Regelung mehr Papierkram zu.

Abkommen mit Weißrussland und der Ukraine fehlen

Carsten Gloria meint, es müsste möglich sein, Erntehelfer auch in anderen Ländern zu suchen. Sowohl Gloria als auch Imholze würden gern Arbeitskräfte aus der Ukraine oder Weißrussland anwerben. Bisher besteht mit diesen Nicht-EU-Mitgliedern aber kein bilaterales Abkommen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. Juni 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juni 2018, 14:59 Uhr

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10 Kommentare

10.06.2018 13:23 martin 10

@9 fußballer: Selbstverständlich geht es auch darum. Wenn Sie den Beitrag gelesen hätten, auf den sich mein Kommentar bezog (kleiner Hinweis, damit es nicht zu schwierig wird: Die letzten beiden Sätze), dann hätte Ihnen der Zusammenhang durchaus auffallen können.

Ich habe darauf hingewiesen, dass wir neben einsetzbaren Flüchtlingen auch eine ähnlich große Zahl Deutscher haben, die es sich in der sozialen Hängematte gemütlich gemacht haben.

09.06.2018 10:03 Fußballer 9

@7: Ihre Antwort ist nicht stimmig.
An Vollhartzern hat natürlich kein Betrieb Interesse, aber darum ging es überhaupt nicht!
Es geht um Millionen Neubürger, von denen kaum einer arbeiten geht. Da liegen wir im Promillebereich.

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