Europawahl CDU gewinnt knapp vor AfD in Thüringen

Bei der Europawahl in Thüringen hat die CDU am Sonntagabend knapp vor der AfD gewonnen. Die Christdemokraten lagen nach der Auszählung aller 3.027 Wahlbezirke bei 24,7 Prozent der abgegebenen Stimmen. Knapp dahinter lag die AfD mit 22,5 Prozent. Sie konnte damit ihr Wahlergebnis von 2014 mehr als verdoppeln.

Mit deutlichem Abstand folgten die weiteren Parteien. Die Linke wurde mit knapp 13,8 Prozent drittstärkste Partei im Freistaat, gefolgt von der SPD mit elf Prozent. Die Bündnisgrünen kamen auf 8,6 Prozent, die FDP auf 4,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung bei der Europawahl lag in Thüringen mit 61,6 Prozent deutlich über der von 2014 (51,6 %).

Schwarzes Eichsfeld, blaues Gera und grünes Jena

Erfurt: Wahlberechtigte warten vor dem Gutenberg-Gymnasium Erfurt bei den Wahlen zum Europäischen Parlament und der Kommunalwahl in Thüringen darauf, dass sie ihre Stimme abgeben können. Vom 23.05. bis 26. Mai wählen die Bürger von 28 EU-Staaten ein neues Parlament.
Wähler warten vor einem Wahllokal in Erfurt darauf, ihre Stimmen abgeben zu können. Bildrechte: dpa

Die CDU erzielte ihr mit Abstand bestes Ergebnis im Eichsfeld, wo sie auf fast 42 Prozent Stimmenanteil kam. Die AfD wiederum war vor allem in Ostthüringen stark, in der Stadt Gera landete sie mit fast 30 Prozent der Stimmen auf Platz eins. Jena wiederum zeigte sich als Hochburg der Grünen: Sie wurden hier mit rund 21 Prozent stärkste Partei.

Der Thüringer SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee äußerte sich am Abend enttäuscht über das bundesweite Ergebnis seiner Partei, die auf Bundesebene fast zwölf Prozentpunkte im Vergleich zur Europawahl vor fünf Jahren verloren hat. Sie habe es nicht geschafft, verloren gegangenes Vertrauen bei den Wählern zurückzugewinnen. Mit Blick auf die Landtagswahl Ende Oktober in Thüringen sagte der SPD-Vorsitzende: "Zuhören und Ärmel hochkrempeln. Wir lassen uns nicht entmutigen. In fünf Monaten kann viel geschehen."

Die Thüringer Grünen feierten hingegen das gute Abschneiden ihrer Partei auf Bundesebene, die knapp zehn Prozentpunkte im Vergleich zu 2014 hinzugewann. Grünen-Landessprecher Denis Peisker schrieb in einer Pressemitteilung: "Ich freue mich über dieses historisch gute Ergebnis bei der Europawahl. (…) Ich gratuliere Reinhard Bütikofer und Anna Cavazzini zum Einzug ins Europa-Parlament. Beide haben mit Unterstützung der Thüringer Grünen kandidiert und werden Thüringen nun im Europa-Parlament mit vertreten."

AfD-Landessprecher Stefan Möller sprach am Abend von einem unbefriedigenden Ergebnis seiner Partei auf Bundesebene. Erfreulich sei hingegen ihr Abschneiden auf Landesebene. Die AfD sei in Thüringen im Begriff, zur Volkspartei zu werden.

Die Landesvorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, zeigte sich enttäuscht vom Abschneiden ihrer Partei. Sie sprach von der Fortsetzung eines Rechtsrucks. Das sei katastrophal für Thüringen.

Der FDP-Landesvorsitzende Thomas Kemmerich bezeichnete das Abschneiden seiner Partei bei den Europawahlen als Erfolg. Die FDP habe in Thüringen ihr Ergebnis im Vergleich zu den Wahlen 2014 mehr als verdoppelt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 26. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2019, 20:34 Uhr

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47 Kommentare

29.05.2019 08:59 Rico 47

Erst einmal von der Logik her, kämen Altparteien garnicht mehr in Frage, die haben ja die Probleme über Jahre geschaffen und sich dann hinzustellen und zu sagen, wir bieten die Lösung an, also verarschen lassen brauch ich mich nicht mehr. Komischerweise sind ihnen vor den Wahlen auf einmal die Nöte und Ängste der Bürgen wichtig, ist klar, ausserdem werden wir von Idiologen und Lobbyisten regiert, wir brauchen wieder realistische Politik, die Afd ist wichtig für dieses Land, im Moment!

28.05.2019 21:25 Frank 46

@ martin: Ihr angesprochenes Demokratieverständnis hört in Deutschland genau rechts neben der mittlerweile linken CDU auf. Hinzufügen kann ich meiner Ausführung noch, dass ich keine ständige Bevormundung und Belehrung aus meistens der gleichen politischen Richtung WILL. Sie verstehen genau, was mit offenen Grenzen und kriminellen Ausländern gemeint ist und müssen nicht den deutschen Dieb und den Wirtschaftshandel hinterherschieben. Mir ist durchaus klar, dass die AfD keine Wunderpartei ist, aber wen kann ich denn sonst mit meiner rechts eingestellten Weltanschauung wählen? Ich habe die DDR 20 Jahre erlebt, es war nicht schlecht, aber ich würde keinesfalls wieder tauschen. Wenn die Altbundesbürger eine linksgrüne Gutwelt erschaffen wollen, dann ohne mich.

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