Debatte bei "Fakt ist!" über Heimat Wanderwitz: "Heimatministerium" wird sich um ländliche Regionen kümmern

Der von der schwarz-roten Koalition im Bund neu geschaffene Bereich "Heimat" im Bundesinnenministerium soll die Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land voranbringen. Das sagte der dafür zuständige Staatssekretär in dem Ministerium, Marco Wanderwitz (CDU), am Montagabend in der MDR-Sendung "Fakt ist!" in Erfurt. Das Ministerium werde sich um drei Schwerpunkte kümmern: Raumordnung, gesellschaftlicher Zusammenhalt und gleichwertige Lebensverhältnisse in ländlichen und städtischen Regionen. Dabei werde es vor allem darum gehen, Maßnahmen, Ideen und Konzepte auf kommunaler, Länder- und Bundesebene zu koordinieren. Hierfür sei sein Bereich mit 100 Mitarbeitern ausgestattet worden.

Marco Wanderwitz
Marco Wanderwitz (CDU) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Wir leben in Zeiten der Globalisierung, das Leben wird schnelllebiger - da ist es wichtig, sich ein Stück weit auf das Thema Heimat zu besinnen", sagte Wanderwitz weiter. Deshalb werde das Ministerium eine Kommission ins Leben rufen, die sich unter anderem mit der Gleichwertigkeit von Lebensverhältnissen befassen solle. Wichtig sei außerdem, das ehrenamtliche Engagement der Menschen zu stärken. Dieses Engagement sei oft der einzige Träger der Heimat vor Ort. Deshalb wolle der Bund noch mehr Geld als bisher "in die Hand nehmen", um ehrenamtliches Engagement zu stärken.

Die sächsische Ministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping (SPD), sagte in der Sendung, die Menschen in Ostdeutschland hätten seit der Wiedervereinigung massive Umbrüche erlebt und zu bewältigen gehabt. "Leergewohnte" Dörfer seien ein großes Problem. Der Staat habe sich aus manchen ländlichen Regionen praktisch zurückgezogen. Deshalb sei der Ansatz der Koalition, ein Heimatministerium zu schaffen, richtig. "Heimat ist ein gesamtgesellschaftliches Thema."

"Heimat sollte Querschnittsthema sein"

Björn Höcke, MdL AfD, AfD-Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag
Björn Höcke (AfD) Bildrechte: Björn Höcke

Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke kritisierte die Schaffung des neuen Ministeriumsbereiches im Bund. Dieser bringe nur mehr Bürokratie, sagte er in der Sendung. "Heimat sollte ein Querschnittsthema aller Ministerien sein", forderte Höcke. Die bisher regierenden Parteien hätten das Thema in den vergangenen Jahren nicht bewerkstelligt und versuchten nun, den Begriff Heimat politisch auszuschlachten.

Höcke sagte weiter, die Politikansätze der anderen Parteien seien auf Heimatzerstörung angelegt. Die Energiewende mit dem Bau von Windrädern und Stromtrassen zerstöre die Heimat der Menschen. Auch die Einwanderung von zwei Millionen Menschen nach Deutschland sei eine "bevölkerungspolitische Revolution". Hier seien Menschen aus archaischen Strukturen ins Land gekommen. "Wir müssen bei Einwanderung auch daran denken, dass Menschen dadurch überfordert werden können."

Petra Köpping MdL SPD, Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration
Petra Köpping (SPD) Bildrechte: Kerstin Pötzsch

Dem widersprachen Wanderwitz und Köpping. Natürlich beschäftige der Bau von Windrädern und Stromtrassen die Menschen in dichtbesiedelten Gebieten, sagte Wanderwitz. Er sei aber davon überzeugt, dass man die Energiewende und die Bewahrung der Heimat miteinander in Einklang bringen könne. Von der ressourcenzerstörenden Nutzung der Braunkohle wegzukommen, sei ein "völlig richtiges politisches Ziel", sagte der sächsische CDU-Politiker. "Man braucht schon viel Phantasie, um das als Zerstörung der Heimat zu bezeichnen", sagte Wanderwitz.

Köpping sagte, wichtig sei es, etwa beim Thema Windräder den Menschen vor Ort auch die Vorteile zu zeigen - wenn sie etwa durch die Beteiligung an Windpark-Genossenschaften finanziell davon profitieren könnten. Köpping sagte, trotz aller Probleme habe der Staat die Bewältigung der Einwanderung in den letzten Jahren gut organisiert. Hier gebe es auch in ländlichen Regionen andere Herausforderungen als in großen Städten. Natürlich müssten Integrations- und Sicherheitspolitik Hand in Hand gehen. Es sei wichtig, "beides zu tun".

Heimat verändert sich ständig

Prof. Dr. Edoardo Costadura, Institut für Romanistik der Friedrich Schiller-Universität Jena.
Prof. Dr. Edoardo Costadura, Institut für Romanistik der Uni Jena Bildrechte: Costadura

Der Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Edoardo Costadura von der Uni Jena sagte in der Sendung, es sei für ihn nicht überraschend, dass das Thema Heimat in der gesellschaftlichen und politischen Debatte in Deutschland heute eine größere Rolle spiele. Durch die Teilung Deutschlands und Europas in zwei große politische Blöcke habe auch eine "psychologische Blockierung" der Menschen stattgefunden. Nach der Auflösung dieser Blöcke sei es "interessant, dass die Menschen in Deutschland jetzt wieder über Heimat sprechen". Deutschland könne damit auch einen Beitrag in Europa zur Debatte über Werte leisten.

Es sei aber eine Illusion zu glauben, dass Heimat unveränderbar sei. "Die Heimat, die man als Kind erfährt, die kommt nicht wieder, weil man nicht wieder Kind sein kann", sagte Costadura. Landschaften veränderten sich, Wanderungsbewegungen habe es in der Geschichte immer gegeben. All das seien Herausforderungen, die politisch gestaltet werden müssten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! | 16. April 2018 | 22:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2018, 00:24 Uhr

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13 Kommentare

18.04.2018 12:08 martin 13

@12 Bemmenfechter: "Dialekt" ist im äußersten Nord-Westen der BRD ja selbst stark verbreitet und der Landstrich hat die entsprechenden Witze eher zum Markenzeichen ausgebaut.

17.04.2018 22:17 Bemmenfechter 12

@ Ex - Thüringerin ..... wenn ich richtig rechne sind sie froh mit 70 Jahren eine neue Heimat gefunden zu haben.
Herzlichen Glückwunsch...... endlich diesen Ballast Thüringen losgeworden zu sein
Da wünscht man noch viele tolle Jahre in ihrer neuen Heimat ......
Ich hoffe nur sie werden nicht heimlich hinter vorgehaltener Hand für ihren Dialekt belächelt .... ;)
Aber

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