Debatte bei "Fakt ist!" Kritik an geplantem Homeoffice-Gesetz: "Nicht noch mehr Regulierung"

Die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Erfurt, Cornelia Haase-Lerch, sieht das vom Bund geplante Homeoffice-Gesetz kritisch. Ein solches Gesetz, das den Arbeitnehmern ein Recht auf Homeoffice garantiert, sei eine "weitere Regulierung, mit der sich die Unternehmer schwer tun würden", sagte Haase-Lerch am Montagabend in der MDR-Sendung "Fakt ist!". Die Unternehmen wollten in eigener Verantwortung entscheiden, was im Bereich Homeoffice für sie möglich sei. "Die Bereitschaft dafür ist da und ich vermute, dass Regulierung da eher ein Stück nach hinten losgehen würde."

Dr. Cornelia Haase-Lerch
Dr. Cornelia Haase-Lerch Bildrechte: Marcel Krummrich

Haase-Lerch sagte weiter, Homeoffice sei für viele moderne Arbeitgeber schon jetzt ein Instrument, um ihre Attraktivität zu steigern. Beschäftigte könnten bei diesem Modell ihre Arbeitszeit und den Arbeitsort flexibler gestalten. Allerdings habe der Zwang zum Homeoffice im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie eine Dimension erreicht, "die wir so nicht kannten". In vielen Fällen habe es keine Regelungen für die Arbeit zu Hause gegeben, zunächst auch keine ausreichende Zahl an mobilen Geräten für das Homeoffice, und auch bei der Datensicherheit sei zunächst vieles nicht geregelt gewesen. "Die Unternehmen haben aber nach unserer Erfahrung in dieser Krise viel Gutes erreicht", sagte Haase-Lerch.

Regina Köhler, Geschäftsführerin AVILOX
Regina Köhler, Geschäftsführerin der Avilox GmbH Bildrechte: Regina Köhler

Auch die Unternehmerin Regina Köhler sagte mit Blick auf die Pläne von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil für ein Homeoffice-Gesetz, es müsse nicht alles „in Gesetze gegossen“ werden. "Das wird sich am Arbeitsmarkt von selbst regulieren." Vor allem junge Menschen fragten heute ihre Arbeitgeber gezielt nach flexiblen Arbeitsmöglichkeiten. Dabei gehe es nicht nur um das Arbeiten zu Hause, sondern auch um flexible Arbeitszeiten und -räume im Betrieb.

Köhler nannte als Beispiel auch sogenannte Co-Working-Spaces - also Büros, in denen man sich zeitweise einmieten kann. Solche Plätze könnten vor allem in ländlichen Gegenden eine wichtige Rolle spielen. Arbeitgeber bekämen einen größeren Radius für die Gewinnung von Fachkräften, wenn diese dann nicht im Betrieb arbeiten müssten, sondern in solchen Co-Working-Spaces. Andererseits könne diese Modell auch "die Lust am Leben auf dem Land fördern".

Sabria David, Medienforscherin
Sabria David vom Slow Media Institut Bildrechte: Annette Schwindt

Die Medienforscherin Sabria David nannte eine vertrauensvolle Kommunikationskultur und klar formulierte Erwartungen als wichtige Grundlagen für funktionierendes Homeoffice in einem Unternehmen. Es müsse klar sein, nach welchen Kriterien gute Arbeit gemessen werde. Vielen Arbeitnehmern seien trotz der flexibleren Arbeitsmöglichkeiten zu Hause auch die Kontakte zu den Kollegen wichtig. Daher würden vermutlich die meisten Arbeitnehmer für einen guten Mix aus dem Arbeiten zu Hause und dem im Unternehmen befürworten.

David sagte weiter, die Coronakrise habe auch gezeigt, dass Homeoffice und gleichzeitige Betreuung von Kindern eine große Belastung für Eltern sein könnten. Deshalb müsse beim Homeoffice gewährleistet sein, "dass man sich auf seine Arbeit konzentrieren und auch zu Hause in Ruhe arbeiten kann".

FAKT ist...! - Diskussionsrunde 59 min
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Fakt ist! Mo 18.05.2020 22:05Uhr 58:45 min

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Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! | 18. Mai 2020 | 22:05 Uhr

4 Kommentare

Stanilaus vor 2 Wochen

Also ich bin Angestellter und habe schon seit längerem die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten.
Ich persönlich mache es ungern, da mir vor allem der persönliche Umgang mit meinen Kollegen fehlt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass im Homeoffice weniger Pausen gemacht werden - all die Kleinigkeiten, die im Büro dazugehören: Gespräch mit den Kollegen, sich etwas zeigen lassen usw. geht von zuhause so gut wie gar nicht.

Außerdem beteiligt sich mein Arbeitgeber nicht an der Gestaltung des HomeOffice-Arbeitsplatzes, das betrifft sowohl die Kosten als auch die Ergonomie. Meist ist doch ein HomeOffice-Platz eher der Küchen- oder Stubentisch... Auch mit der nötigen Arbeitsruhe ist es meist nicht weit her: Da kommen Kinder oder Gatte/Gattin und unterbrechen den gerade gefundenen Gedankengang...

Fazit:
Aus meiner Sicht ist das HomeOffice eher eine arbeitgeberfreundliche Angelegenheit, die ich höchstens ein- oder zweimal im Quartal in Anspruch nehme, aber dauerhaft nicht haben möchte.

Silent_John vor 2 Wochen

Klar, mein Applaus für noch mehr Stangulationen im Arbeitsleben von uns Selbständigen . Ich werde meine Arztpraxis ausschließlich nur noch im Homeoffice betreiben und nur zum Kaffeetrinken an die Arbeit fahren, natürlich mit einem E-roller oder sowas . Hausbesuche : Pech gehabt , psychisch Kranke unter der Maske ohne Mimik : Pech gehabt . Auch halt Pech für Blutentnahmen , Wirbeleinrenkungen etc.
Am besten, man stellt für die ganzen alten Leute Videoanleitungen zur Selbstbehandlung ins Internet - noch besser: gegen Geld kann man sich auf seine Krankenkassenseite Tipps und Tricks z.B. fürs Behandeln des offenen Beines downloaden. Arzt und Schwestern sind im Homeoffice ! Das Internet funktioniert mit 10G und alle Rentner und ans Bett gefesselte Patienten sind genau da drauf ganz scharf. Man denke an den Gynäkologen . Und weil wir 10G wie auch sämtlich Software nur vom Amerikaner bekommen dürfen wissen CIA und NSA genau, wer wann was hat und benötigt sowie seinen letzten Schnaufer tut.

MDR-Team vor 2 Wochen

Werter kleinerfrontkaempfer,

Ergänzend zur Ihrer Frage haben wir einen spannenden Artikel, indem insgesamt 2.613 Personen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen befragt wurden, wie häufig sie von zu Hause aus arbeiten würde, falls ein gesetzliches Recht auf Homeoffice eingeführt wird. Dabei könnten sich viele Menschen aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt vorstellen, im Homeoffice zu arbeiten.
Allerdings gaben auch rund 41 Prozent der Befragten an, nie von einem Recht auf das Heimbüro Gebrauch zu machen, falls es eingeführt werden würde. Wie Sie aber bereits auch angemerkt haben, ist dies in einigen Branchen und Unternehmen auch nicht möglich.

Hier geht's zum Artikel: https://www.mdr.de/thueringen/homeoffice-faktist-civey-umfrage-100.html

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