Corona-Pandemie Landräte kritisieren Krisenmanagement des Bildungsministeriums

Die Landräte von Ilm-Kreis und Hildburghausen haben das Corona-Krisenmanagement der Thüringer Landesregierung im Bildungsbereich scharf kritisiert.

Petra Enders, Landrätin Ilm-Kreis
Ilm-Kreis-Landrätin Petra Enders (parteilos) Bildrechte: Petra Enders

Die Landrätin des Ilm-Kreises, Petra Enders, sagte am Montagabend in der MDR-Sendung "Fakt ist!", den Schulen und den Behörden vor Ort hätten schon viel früher mehr Handlungsspielräume  bei Schulschließungen eingeräumt werden müssen. In ihrem Landkreis seien die Schulen eindeutig Treiber der Infektionen, sagte Enders. Sie habe "Prügel dafür bekommen", dass sie eine Schule eigenständig auf "Rot" gestellt habe, weil 16 der 25 Lehrer dort in Quarantäne waren. Vom Land habe es in diesem Fall keine Entscheidung gegeben.

Hildburghausens Landrat Thomas Müller (CDU) sagte, er habe seit dem 12. November zwei Wochen lang beim Land darum gebeten, alle Schulen und Kindergärten in dem Kreis wegen der gestiegenen Infektionszahlen schließen zu dürfen. Vom Gesundheitsministerium habe er jedoch zu hören bekommen, die Inzidenz-Werte des Landkreises ließen eine solche Maßnahme nicht zu. Der Landkreis hatte die Schulen und Kindergärten in der vergangenen Woche dann komplett geschlossen.

Holter: Schulbetrieb hat oberste Priorität

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter
Thüringens Bildungsminister Helmut Holter Bildrechte: Jacob Schroeter

Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke) sagte in der Sendung, für ihn habe oberste Priorität, den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten. Die Schulen seien keine Infektionstreiber. Derzeit seien nur vier Prozent der Schulen wegen Corona geschlossen, 0,27 Prozent aller Schüler gälten derzeit als infiziert. Er verwies darauf, dass Thüringen im Juli als bundesweit erstes Bundesland einen Plan für die Schulen erarbeitet habe, der ein Ampelsystem mit verschiedenen, abgestuften Maßnahmen vorsehe. Mit der am Dienstag in Kraft tretenden neuen Landesverordnung könnten die Schulen nun ab der Stufe "gelb" eigenständig entscheiden, ob sie Präsenzunterricht anbieten wollen.

Zu Problemen bei der Sicherstellung des digitalen Unterrichts sagte Holter, das Land habe das Geld für die Beschaffung mobiler Geräte längst an die Landkreise ausgereicht. Und bei der flächendeckenden Verbesserung der Internetversorgung im Land könne die Landesregierung nicht in kurzer Zeit das nachholen, was zwölf Jahre lang von Vorgängerregierungen versäumt worden sei.

Voigt: Bildungsministerium hat kein Konzept

Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Mario Voigt, sagte in der Sendung, er habe nach acht Monaten Corona-Pandemie nicht den Eindruck, dass das Bildungsministerium ein Konzept habe. Es gebe zudem ein Kompetenzgerangel zwischen Bildungs- und Gesundheitsministerium. Das Land müsse sich besser mit den Behörden vor Ort über die aktuelle Lage und geeignete Maßnahmen austauschen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! | 30. November 2020 | 22:10 Uhr

13 Kommentare

malaclyps vor 6 Wochen

"Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke) sagte in der Sendung, für ihn habe oberste Priorität, den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten. Die Schulen seien keine Infektionstreiber."

Damit ist der Tatbestand der Corona Leugnung wohl erfüllt.

lobo56 vor 6 Wochen

Vollkommen ihrer Meinung !
Ein paar Tage eher Ferien sind für manche Leute eine Katastrophe. Dabei fallen seit mindestens 10 Jahren weit mehr Stunden aus wegen Lehrermangel.
Über die Feiertage 2 Wochen Kindereinrichtungen zu, das würde sicher helfen die Infektionen zu vermindern.
Schließlich beginnt der Winter und die Grippesaison erst noch.

lobo56 vor 6 Wochen

Wenn Kinder ohne Symptome ihre Geschwister oder Eltern infizieren, die im Pflegeheim arbeiten kann es durchaus sein........
Mitarbeiter sollten generell getestet werden, das ist lange überfällig.

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