"Fakt ist!" aus Erfurt Ostfußball im Abseits: Von der Suche nach Sponsoren, Fairness und Erfolgen

Beim Blick auf die Deutschlandkarte der Fußball-Profivereine klaffen vor allem im Osten große Lücken. Welche Gründe das hat und was dagegen helfen könnte, diskutierten am Montagabend die Gäste bei "Fakt ist!" aus Erfurt.

Treue Fans und historische Erfolge sind das eine - die aktuelle Situation ist das andere. Denn rund läuft es wahrlich nicht für eine ganze Reihe ostdeutscher Fußballvereine. Dresden, Chemnitz, Jena - abgestiegen. Erfurt - insolvent. Magdeburg, Halle, Zwickau - den Klassenerhalt so gerade noch geschafft. In der 3. Liga, wohlgemerkt.

Fußball im Osten hat Probleme

Aber wieso steht der Ostfußball - von Leipzig, Rostock und Aue einmal abgesehen - im Abseits? DFB-Präsident Fritz Keller erkennt vielfältige Schwachstellen und nennt bei "Fakt ist!" sowohl dünne Finanzdecken als auch ungünstige Entscheidungsstrukturen in den Klubs als Ursachen. "Ich würde mir wünschen, dass wieder mehr Vereine aus dem Osten in den ersten beiden Ligen spielen", sagt Keller. Wenn langfristiges und solides Arbeiten auf innovative Konzepte treffen, könne sich dieser Wunsch erfüllen.

Viel mehr als ein müdes Lächeln erntet der DFB-Boss damit nicht bei Chris Förster, dem Geschäftsführer des FC Carl Zeiss Jena. Nicht nur mit Blick auf Trainingseinheiten und Spiele in fremden Stadien inmitten der Corona-Krise könne nicht von einem fairen Wettbewerb gesprochen werden.

Ein Mann steht auf einer Tribüne im Fußballstadion.
Chris Förster, Geschäftsführer des FC Carl Zeiss Jena Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Aussetzen der Abstiegsregel - das hatten ehemalige Fußballer gefordert, in einem offenen Brief unter dem Slogan "Im Osten geht die Sonne unter". Ohne Erfolg.

Doch natürlich seien nicht nur die besonderen Hindernisse der vergangenen Monate der Grund für die Misere, sagt Förster. "Das wirtschaftliche Umfeld spiegelt sich in den Klubs wider: Wo die Wirtschaftskraft ist, da spielen auch die Bundesligisten."

Andreas Georgi: Aufsichtsräte haben wichtige Funktion

Hinzu komme die ungleiche Verteilung der Fernsehgelder, sagt Andreas Georgi, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Chemnitzer FC. Während "die finanziellen Anforderungen in der 3. Liga mit denen der 2. Liga vergleichbar" seien, sei dies bei der Ausschüttung der TV-Gelder "nicht einmal ansatzweise" der Fall. Entsprechend stark sei bei Drittligisten der Drang, in die 2. Liga aufzusteigen. "Darin liegt das Risiko, nicht nachhaltig zu wirtschaften", sagt Georgi. "Hinzu kommen oft hausgemachte Probleme. Die Vereine brauchen Aufsichtsräte mit Menschen, die auch genau diese Funktion erfüllen."

Dass sich die Finanzkraft eines Fußballklubs oftmals auf den Tabellenplatz auswirkt, führt auch Professor Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln an. Um die finanziellen Folgen eines Liga-Abstiegs aus der Welt zu schaffen, müssen man wohl den Abstieg ganz abschaffen. Doch sein Gedankenspiel von "geschlossenen Ligen" stößt in der "Fakt ist!"-Runde auf wenig Gegenliebe. "Das ist in Fußballdeutschland nicht vorstellbar", sagt FCC-Geschäftsführer Chris Förster. Eine faire Verteilung der Gelder innerhalb der Liga wäre ihm lieber.

Christoph Breuer
Sportökonom Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Politik kann Fußballvereinen nur bedingt helfen

Auch Hendrik Schiphorst von der Vermarktungsagentur Sportfive sieht in einer geschlossenen Liga keinen Vorteil: "Das führt zu mangelnder Attraktivität; weniger Zuschauer wären die Folge." Und um diese - oder eher um die gesamte Reichweite - geht es, wenn Sponsoren investieren möchten. Immerhin: "Union Berlin hat gezeigt, dass man es auch ohne die ganz großen Mittel bis in die Bundesliga schaffen kann", sagt Schiphorst.

Unterstützung bieten auf dem Weg in eine höhere Spielklasse könne die Politik hingegen nur bedingt, sagt Sachsen-Anhalts Innen- und Sportminister Holger Stahlknecht (CDU). Sie könne nur dabei helfen, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, etwa für die Nachwuchsarbeit, für Leistungszentren und Sportgymnasien. Und dann nennt er zum Abschluss der Debatte zwei Dinge, die beim gemeinsamen Wunsch nach zukünftigen glorreichen Vereinszeiten beinahe übersehen worden wären, aber dennoch ausschlaggebend sein könnten: Glück und starke Nerven.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | FAKT IST! aus Erfurt | 06. Juli 2020 | 22:05 Uhr

19 Kommentare

alter dynamo fan vor 4 Wochen

DIe Sendung war eine Entäuschung . Fakt ist das die Ostvereine keine Lobby beim DVB haben . Und eine Zukunft haben sie nur wenn Ostdeutschland wirtschaftlich gleich stark ist wie die Altbundesländer . Aber auch alteingessene Westclubs werden es schwer haben mitzuhalten . Die Tendens geht immer mehr dahin das reiche Sponsoren die Vereine unterstützen , siehe England

Udo841 vor 4 Wochen

Man sollte eher froh sein, daß diese dabb nach Dresden gegangen sind. Hätten ja auch in den Westen gehen können. Sie wären eh nie beo ihren Ausbildunfsvereinen geblieben.

FCMfox vor 4 Wochen

Die Ostvereine kommen nicht nach oben weil im Osten kaum Zentralen der Konzerne sitzen und die ansässige Wirtschaft kleinteilig ist und oft selbst Firmen mit 150 Beschäftigten noch ein Stammwerk in BW oder Bayern haben.
Ausnahmen wie Aue, Hut ab, wird es immer mal geben. Eine weitere gibt es nicht. Union ist halt Berlin und RB ist halt RB.
Da keine Tendenz einer Aenderung in der Wirtschaft zu sehen ist wird es auch bei Ausnahmen bleiben.
Im übrigen finde ich die Freude über den Abstieg anderer Ostvereine bzw. den Wunsch es möge ihn erwischen an der Grenze zum asozialen Verhalten. Ich bin nun wirklich kein SGD Fan, über ihren Abstieg kann ich mich aber nicht freuen!

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