Lehrermangel in Thüringen Holter weist Kritik an rot-rot-grüner Bildungspolitik zurück

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter hat die Bemühungen der rot-rot-grünen Landesregierung zum Abbau des Lehrermangels gegen Kritik verteidigt. Vor dem Jahr 2014 habe es unter den damaligen CDU-geführten Regierungen im Freistaat einen Personalabbau an den Schulen gegeben, sagte der Linke-Politiker am Montagabend in der MDR-Sendung "Fakt ist!" aus Erfurt. "In der Vergangenheit ist hier keine vorausschauende Politik gemacht worden", so Holter. Jetzt ziehe sein Ministerium "alle Register", um den Unterrichtsausfall an den Schulen zu minimieren. Holter wies damit Kritik der CDU-Bildungspolitikerin Marion Rosin zurück. Diese hatte in der Sendung der Landesregierung vorgeworfen, sie betreibe "kein professionelles Personalmanagement".

Bildungsminister Helmut Holter am Schreibtisch
Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke) Bildrechte: Jacob Schroeter

Holter verwies darauf, den Schulen fehle eine Generation an Lehrern, weil vor 2014 zu wenig neue Lehrer eingestellt worden seien. Das habe sich in den Schulen konkret ausgewirkt. "Diese Erblast räumen wir jetzt ab." Um den Lehrerberuf attraktiver zu machen und mehr Personal zu gewinnen, sei die Verbeamtung von Lehrern wieder eingeführt und beispielsweise die Besoldung von Pädagogen an Regelschulen verbessert worden.

Zudem sei er im Gespräch mit den Hochschulen in Thüringen, um mehr Studierende zu gewinnen, auch für Fächerkombinationen und Schultypen, in denen es zu wenig Personal gebe. Vor allem an Regelschulen und berufsbildenden Schulen herrsche ein erheblicher Mangel, sagte der Bildungsminister. Das habe auch etwas mit der Wertschätzung und dem Image dieser Schultypen bei Studierenden zu tun. Insgesamt brauche man mehr Bewerber für Lehramts-Studiengänge. "Jedes Jahr haben wir 600 Absolventen, benötigen aber 700, um frei werdende Stellen zu besetzen." Deshalb müsse auch Personal aus anderen Bundesländern gewonnen werden. Ein Problem sei dabei aber die unterschiedliche Bezahlung. Die Besoldung von beamteten Lehrern sei in Thüringen niedriger als in anderen Ländern.

Marion Rosin von der CDU
Marion Rosin (CDU) Bildrechte: CDU-Fraktion im Thüringer Landtag

Die CDU-Landtagsabgeordnete Rosin kritisierte die Ausdünnung der Schulverwaltung in den vergangenen Jahren. Die Zahl der Schulämter sei von elf auf fünf reduziert worden. "Wir haben jetzt eine Schulverwaltung, die sehr weit weg von den Schulen ist", sagte sie. Rosin räumte aber ein, dass dies von Holters Amtsvorgänger Christoph Matschie (SPD) zu Zeiten der schwarz-roten Koalition vor 2014 eingeführt worden war. Unverständlich sei aber, dass derzeit viele Lehrerinnen und Lehrer in der Landesverwaltung und nicht in Schulen tätig seien. So seien beispielsweise 51 Pädagogen derzeit ins Bildungsministerium abgeordnet. "Es kann nicht sein, dass wir Lehrer haben, die unterrichten könnten, stattdessen aber Verwaltungsaufgaben machen."

Arbeitsbelastung von Lehrern gestiegen

Kathrin Vitzthum von der GEW Thüringen
Kathrin Vitzthum von der GEW Thüringen Bildrechte: Kathrin Vitzthum

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Kathrin Vitzthum, verwies auf eine gestiegene Arbeitsbelastung von Pädagogen. "Lehrer machen heute nicht nur Unterricht, sondern sie müssen beispielsweise auch EDV-Rechner betreuen, das macht kein Techniker." Zudem kritisierte sie eine zunehmende "Testeritis" im Bildungsbereich, wie etwa Tests für Pisa-Studien oder die "besondere Leistungsfeststellung". "Es gibt eine Menge Aufgaben, die Lehrer bewältigen müssen und die zu einer enormen Belastung führen." Das sei auch ein Grund für den hohen Krankenstand von etwa 1.000 Pädagogen.

Claudia Martins-Cavaco, Landeselternsprecherin der Gesamtschulen Thüringen
Claudia Martins-Cavaco, Landeselternsprecherin der Gesamtschulen Thüringen Bildrechte: Claudia Martins-Cavaco

Vitzthum nannte es auch einen Fehler, dass sich das Bildungsministerium dafür entschieden habe, mit befristeten Stellen für Lehrer zu arbeiten. Hier entgegnete Holter, er sei derzeit mit dem Finanzministerium im Gespräch, ab 2020 insgesamt 600 derzeit befristete Stellen zu entfristen.

Die Landeselternsprecherin der Gesamtschulen in Thüringen, Claudia Martins-Cavaco, beklagte in der Sendung, dass Bildungspolitik oft nach Haushaltslage gemacht werde. "Das haben wir schon vor fünf, sechs Jahren angemahnt, doch wir sind nicht gehört worden."

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter im Gespräch mit Zuschauern nach der Sendung Fakt ist! am 22.10.2018 in Erfurt
Bewerbungsgespräch nach der Sendung: Die Lehrerin Nicole Hördler (li.) hatte in der Sendung von ihren Schwierigkeiten berichtet, eine dauerhafte Stelle in Thüringen zu bekommen. Bildungsminister Holter nahm sich ihres Problems nach der Sendung gleich selbst an. Bildrechte: MDR/Lars Sänger

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! | 22. Oktober 2018 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2018, 00:30 Uhr

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10 Kommentare

24.10.2018 14:31 Realist2014 10

@Bildungsnotstand: Doch, ich wohne auf einem Dorf. In der nächstgelegenen Kleinstadt gibt es Regelschule und Grundschule und auch das nächste Gymnasium ist mit dem Schulbus noch in akzeptabler Zeit erreichbar. Dass es heute nicht mehr auf jedem 3. Dorf eine Schule gibt, ist im Anbetracht der demographischen Entwicklung völlig nachvollziehbar und zumindest das dürfte sich wohl so schnell nicht mehr ändern- egal unter welcher Regierung. Wenn Sie den Senf anderer Leute nicht ertragen, dürfen Sie im Internet übrigens keine Kommentare lesen oder verfassen. Wieder einmal typisch für einen AfD-Anhänger: Fremde Meinung können die nicht ertragen und sind stets gleich angepi....t-aber selber immer schön austeilen und über alle anderen meckern. Lustige Truppe.

24.10.2018 08:16 Lehrerin Hördler will nicht zu Zalando 9

"Man hat mir sogar eine Stelle bei Zalando angeboten!", empört sich die Lehrerin Frau Hördler im MDR-Talk. Sie empfindet diese Arbeit anscheinend als eine Frechheit für sich und unter ihrem Niveau? Unglaublich! Das ist keine leichte Arbeit Frsu Hördler! Vielleicht liegt es nicht nur am Staat, dass Frau Hördler noch keine feste Arbeit hat? Hat sie die Angebote von Minister Holter angenommen oder war die Ankündigung der von Amerika gewohnten Mobilität nur heiße Luft? MDR bitte Nachbericht!

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