Wölfe
Wölfe breiten sich wieder in Deutschland aus. Bildrechte: Colourbox.de

FAQ - Fragen und Antworten Der Wolf in Thüringen

Immer wieder wurden in den vergangenen Wochen rund um den Truppenübungsplatz Ohrdruf verletzte oder getötete Schafe gemeldet. Wölfe sollen für die Angriffe auf das Weidevieh verantwortlich sein. Antworten zum Thema finden Sie hier.

von Guido Fischer, Redakteur und Mitglied im Naturschutzbeirat des Landkreises Gotha

Wölfe
Wölfe breiten sich wieder in Deutschland aus. Bildrechte: Colourbox.de

Wie viele Wölfe gibt es derzeit in Thüringen und wo leben sie?

Das ist unklar. Thüringen ist für Wölfe eher ein "Transitland". So wurde im Jahr 2016 an der A71 zwischen Erfurt und Sömmerda ein Wolf überfahren und im Sommer 2017 ein wolfsähnliches Tier bei Eisfeld im Kreis Hildburghausen fotografiert. Anfang April wurde bei Breitenhain im Saale-Orla-Kreis ein Wolf gesichtet. Die großen Wolfspopulationen in Deutschland mit etlichen Rudeln finden sich in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.

Seit 2014 ist eine Wölfin auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf im Landkreis Gotha nachgewiesen und Wolfmischlinge, nachdem sie sich mit einem Hund gepaart hatte.

Können  Wolfshunde in der freien Wildbahn überhaupt überleben?

Eine große, graue Wölfin trabt mit gesenktem Kopf durch ein Waldstück.
Die Wölfin, die auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf nachgewiesen wurde, hat möglicherweise Nachwuchs bekommen. Bildrechte: NABU-Landesarbeitsgruppe Wolf/S. Böttner

Laut vorherrschender Lehrmeinung nur bedingt und zwar, wenn sich eine Hündin und ein Wolf paaren. Im umgekehrten Fall wird davon ausgegangen, dass die Wölfin nicht überlebensfähige Junge zur Welt bringt. Es gibt aber auch Experten, die davon ausgehen, dass es in Europa jede Menge Wölfe gibt, die in ihrem Stammbaum möglicherweise auch Hunde haben. Deren Mischlingskinder wiederum könnten überlebensfähig sein.

Im Fall der Ohrdrufer Wölfin wäre eine Paarung mit Hunden auch in der Vergangenheit ein Grund für die Standorttreue des Tieres. Ohne Partner halten Experten eine Weiterwanderung für wahrscheinlich.

Wovon ernähren sich die Wölfe hier?

Wie die meisten Raubtiere auch geht der Wolf den Weg des geringsten Widerstandes. Das heißt: Schafe und Ziegen auf Weiden sind eine ideale Beute, weil sie als Nutztiere nur über einen geringen Fluchtinstinkt verfügen. Darüber hinaus fressen Wölfe alles, was sie in der freien Wildbahn leicht erlegen können: also Rehkitze oder Hirschkälber, aber auch Hasen oder Kaninchen. Grundsätzlichen passen auch Wildschweine ins Beuteschema von Wölfen. Da diese aber in der Regel in Rotten unterwegs sind und mit ihren Zähnen über gefährliche Waffen verfügen, wird eine einzelne Wölfin vermutlich keine Wildschweine angreifen.

Wie jagen Wölfe? Warum werden dabei meist mehr Tiere gerissen, als der oder die Wölfe tatsächlich fressen?

Da Wölfe normalerweise in Rudeln leben, jagen sie auch im Verband. Sie kreisen ihre Beute ein und erlegen dann beispielsweise aus einem Rudel Rehe die schwächsten Tiere. Dabei geraten die Wölfe in eine Art "Blutrausch" und erlegen so viel Beute, wie sie bekommen können. Fressen können Wölfe etwa vier Kilo Fleisch pro Tag. Die restliche Beute verwerten sie dann in den Folgetagen als Aas. Da zumindest bei einem der jüngsten Wolfsrisse mehr als zwei Schafe nahezu komplett aufgefressen wurden, deutet auch dies darauf hin, dass inzwischen mehr als nur eine Wölfin auf dem Truppenübungsplatz lebt.

Helfen höhere Zäune dagegen, dass Wölfe zu den Nutztier-Herden gelangen?

Nur bedingt. Der Wolf wächst mit seinen Aufgaben, oder anders gesagt, je mehr Hunger der Wolf hat, desto mehr Aufwand betreibt er, um an Beute zu kommen. Wenn eine Wölfin Nachwuchs ernähren muss, überspringt sie problemlos einen der üblicherweise 1,10 Meter hohen Schutzzäune. Auch höhere Zäune schützen Nutztiere nicht wirklich. Selbst wenn sie eingegraben werden, kann der Wolf sich darunter durchwühlen. Auch das Überspringen von Schutzzäunen, das in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht vorgekommen war, ist ein Indiz dafür, dass die Wölfin mehr Nahrung braucht - vermutlich um ihren Nachwuchs zu versorgen.

Was könnte noch helfen, Herden vor Wolfsangriffen zu schützen?

Spezielle Hüte- und Herdenschutzhunde wären eine mögliche Lösung. Diese ist aber aufwändig und dürfte erst mittelfristig wirken. Zunächst sind solche Hunde in Deutschland nur noch schwer zu bekommen, beziehungsweise sehr teuer, weil sich die großen Wolfsgebiete in anderen Bundesländern bereits damit eingedeckt haben. Sehr aufwändig ist auch die Ausbildung. Außerdem müssen sich in der Regel sowohl der Hund, als auch der Schäfer einem Wesenstest unterziehen.

Und schließlich kann der Einsatz eines neuen Hundes bei bereits attackierten Herden zu "Kollateralschäden" führen, weil durch Attacken gestresste Schafe und Ziegen nicht unbedingt zwischen Wölfen und Schutzhunden unterscheiden können, sich dann quasi permanent bedroht fühlen und weniger fressen oder möglicherweise weniger Nachwuchs bekommen.

In Norddeutschland kommen außerdem seit einiger Zeit Esel als Herdenschutz zum Einsatz, auf Deichen beispielsweise, wo Zäune und Schutzhunde tabu sind. Es wird in dem Projekt erprobt, ob die wehrhaften Tiere Wölfe tatsächlich angreifen und vertreiben können. Gegen einzelne Wölfe sollen sich Esel durchsetzen können. Doch ist fraglich, ob sie mehreren Tieren standhalten können.

Welche Hilfe erhalten Tierhalter in Thüringen, deren Herden durch Wölfe bedroht sind?

Das Land Thüringen übernimmt momentan 75 Prozent der Kosten für den Schutz von Weidetieren vor Wölfen. Die finanziellen Zuschüsse gibt es zum Beispiel für Elektrozäune oder Schutzhunde. Hilfen können aber nur die Tierhalter beantragen, die im ersten und bisher einzigen Thüringer Wolfsgebiet tätig sind. Es ist rund 2.800 Quadratkilometer groß und hat einen Radius von 30 Kilometern um den Truppenübungsplatz Ohrdruf. Wird in diesem Gebiet ein Schaf vom Wolf gerissen, kann dem Besitzer der Wert vollständig erstattet werden.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 29.08.2017 | ab 19:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 29. August 2017, 08:33 Uhr

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18 Kommentare

13.10.2017 08:52 Sissi 18

habe gerade den Beitrag gehört...
die Wölfin hat Welpen!
Wie alt?
Wielange ist die Wölfin hier?
Rechnen ist gut!
Jetzt sollen "die Wolfaussetzer" nicht so tun, als ob man das gar nicht gedacht hätte!
Nein nicht töten, ein gutes zu Hause finden...
Zäune? Wie hoch sollen die sein? 2 Meter?
Hunde? Ohne einem Hütehund nahe zu treten..., haben unsere Hunde noch den "WolfSence"?
Die Menschen die den Wolf hierher geholt haben, anders nie möglich, müssen für den Schaden aufkommen.
NABU? oder Wer?
Muss es wieder die Politik klären? Die eh die Realität verloren haben?

31.08.2017 10:24 Sandra 17

@Günther:

Jetzt bin ich gespannt - welche denn? Bei den letzten Rissen wurde ein Doppelzaun MIT Flatterband und bei den Rissen in Ohrdruf eine Herde mit Herdenschutzhunden überfallen!

Was sind also "die Maßnahmen ... die sehr gut geeignet sind" und wie werden sie gefördert? Unser 1,45m E-Zaun wird nicht gefördert, weil nur Weidenetze mit 90cm gefördert werden und man hier pro 30 Tiere nur 500m Zaun zu 80% vom Materialwert (nicht Aufbau, Strom, Batterie, Wartung und Pflege) gefördert bekommen KANN! (wenn am Jahresende noch Geld im Säckel ist)

Aber ich wäre sehr froh, wenn Sie mich und alle Schäfer in DE und bei unseren europäischen Nachbarn erhellen, wie der richtige Wolfschutz geht. Ich nehme an, wenn ich Ihre kommende Empfehlung umsetze, garantieren Sie mit Ihrem Vermögen für deren Wirksamkeit?!

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