Lagerfeuer im Garten
Spontan eine Feuerstelle für ein romantisches Lagerfeuer errichten? Das ist in Thüringen gar nicht so einfach. Bildrechte: IMAGO

Sommer-Romantik Ein Lagerfeuer im eigenen Garten? Nicht ohne Genehmigung

Ob Bratwurst oder Stockbrot – nicht nur für Kinder gehört zu einem Sommerabend ein knisterndes Feuer und Köstliches zum Rösten. Wer jetzt aber einfach vor dem Haus oder im Garten ein Lagerfeuer entzündet, kann sich mächtig Ärger einhandeln.

Lagerfeuer im Garten
Spontan eine Feuerstelle für ein romantisches Lagerfeuer errichten? Das ist in Thüringen gar nicht so einfach. Bildrechte: IMAGO
Umschau-Quicktipp: Was muss ich bei einem Lagerfeuer beachten? 2 min
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Feuer in Thüringen: Strenge Regeln statt Wild-West-Romantik

Einfach eine Feuerstelle im eigenen Garten errichten ist in Thüringen nicht erlaubt. Feuerkörbe und Feuerschalen werden in den meisten Gemeinden zwar akzeptiert, aber schon bei Feuerstellen aus Stein wird es schwierig. Jede Gemeinde regelt die Bestimmungen dafür allerdings selbst.

Welche Vorschriften in Ihrer Gemeinde gelten, erfahren Sie beim Ordnungsamt. Karsten Utterodt, der Sprecher des Thüringer Feuerwehrverbands, sagte MDR THÜRINGEN, dass es unabhängig davon ein paar Grundregeln gibt: "Der Abstand zu brennbaren Stoffen, Nachbargrundstücken oder Gebäuden und die Größe des Feuers müssen sich im angemessenen Rahmen bewegen."

In Wäldern sind offene Feuer verboten (Paragraf zwölf des Thüringer Waldgesetzes). Die Kosten für Feuerwehreinsätze sind meist in Satzungen der Gemeinden geregelt und werden im Einzelfall berechnet. "Wenn die Feuerwehr zu einem nicht regelkonformen oder nicht genehmigten Feuer ausrückt, kann es teuer werden", so Utterodt.

Zwei Feuerwehrleute stehen vor einer Flammenwand in einem Waldstück bei Schönbrunn nahe Bischofswerda.
In trockenen Sommern steigt die Waldbrandgefahr. Dann ist bei privaten Feuern besondere Vorsicht geboten. Bildrechte: MDR/Rocci Klein

Ein offenes Feuer birgt nicht nur die Gefahr, einen Brand auszulösen, auch die Rauchentwicklung kann zum echten Ärgernis für die Nachbarn werden.

Um die Brandgefahr zu minimieren und das Abbrennen von größeren Feuern zu kontrollieren, haben die Gemeinden eine Genehmigungspflicht für Feuer im Garten eingeführt. Die Vorgaben sind im Bundesimmissionsschutzgesetz, kurz BImSchG, festgehalten. Häufig sind kleine Feuer im Garten, beispielsweise in Feuerkörben oder Feuerschalen, auch ohne amtliche Genehmigung erlaubt. Voraussetzung dafür ist, dass sie keine Brandgefahr darstellen und sich nicht viel Rauch entwickelt.

Für alle Feuer gilt: Sollten die Flammen außer Kontrolle geraten, ist sofort die Feuerwehr über den Notruf 112 zu alarmieren.

Wie ist das mit einem Lagerfeuer?

Besonders romantisch ist das klassische Lagerfeuer. Um es kontrolliert abzubrennen, ist ein freistehender, erdiger Platz im Garten die erste Wahl. Der Boden muss festgeklopft und die Feuerstelle mit einem Wall aus Sand und Erde sowie größeren, trockenen Steinen befestigt sein. In der Mitte der Feuerstelle wird das Brennmaterial aufgeschichtet. Hier braucht man allerdings fast überall eine Genehmigung der Ordnungsbehörde.

Sind Feuerschalen im Garten erlaubt?

Auch eine Feuerschale schafft ein gemütliches Ambiente im Garten. Gleichzeitig handelt es sich dabei aber ebenfalls um ein offenes Feuer. Wenn der Durchmesser unter einem Meter liegt, ist keine extra Genehmigung nötig. Wenn Ihre Feuerschale aber einen größeren Durchmesser hat, dann ist sie definitiv anmeldepflichtig. Das Gleiche gilt für Feuerkörbe, Aztekenöfen und Ähnliches. Sowohl für Körbe als auch für Schalen gibt es übrigens spezielle Einsätze und Roste, um sie kurzerhand zu Grills umfunktionieren zu können.

Worauf ist beim privaten Feuer sonst noch zu achten?

Verbrennen Sie nur trockenes und naturbelassenes Holz. Abfälle haben im Feuer nichts zu suchen. Pappe, Karton und Papier gehören ebenfalls nicht hinein. Das Feuer muss immer von einer erwachsenen Person beaufsichtigt werden und es sollten geeignete Löschmittel bereitgehalten werden.

Generell gilt, dass in Sommern mit langanhaltender Trockenheit oder bei zu starken Winden keine Feuer entfacht werden dürfen. Achten Sie vor allem auf die ausgerufenen Waldbrandstufen. Wird hier mindestens die Stufe zwei erreicht, ist es verboten, ein Feuer jeglicher Art zu entzünden. Die Brandgefahr ist dann einfach zu hoch.

Was genau regeln die Gemeinden in Thüringen?

Die Regeln in den einzelnen Kommunen in Thüringen sind unterschiedlich. In Weimar beispielsweise ist das Abbrennen von Feuern im Stadtgebiet grundsätzlich verboten. Allerdings gibt es einige Ausnahmen bei öffentlich zugänglichen Brauchtums- und Traditionsfeuern zu Ostern, in der Nacht zum 1. Mai oder zur Wintersonnenwende.

Auch Privatpersonen können auf schriftlichen Antrag und gegen eine Gebühr (von 21 bis 64 Euro) solch ein Feuer beim Umweltamt der Stadt Weimar beantragen. Sobald das Feuer auf dem Erdboden abgebrannt wird, ist es bei der Behörde genehmigungspflichtig. Da spielt es keine Rolle, ob die Feuerstelle mit Steinen verbaut ist. Erst wenn eine handelsüblich erworbene Feuerschale in der Mitte der Steine steht, ist eine Genehmigung nicht erforderlich.

Sollte die Feuerwehr doch einmal ausrücken und es liegt keine Genehmigung vor, so muss die verantwortliche Person mit Kosten für den Einsatz von bis zu 500 Euro und einem Bußgedbescheid des Umweltamtes Weimar rechnen. Im Jahr 2018 wurden in der Stadt wegen illegaler Feuer und nicht ordnungsgemäßer Feuerstellen sieben Verfahren eingeleitet.

Die Gemeinde Hörselberg-Hainich dagegen erlaubt gar keine offenen Feuer im Freien - auch keine Lager-, Oster- oder ähnliche Brauchtumsfeuer. Nur Feuerkörbe und -schalen mit einem maximalen Durchmesser von 80 Zentimetern sowie Aztekenöfen sind hier zulässig. Aber auch dann muss der Grundstückseigentümer zustimmen.

In der Kommune im Thüringer Wartburgkreis muss der Abstand zu Gebäuden mindestens 15 Meter betragen, von leicht entzündbaren Stoffen mindestens 100 Meter. Nachbarn oder andere unbeteiligte Personen dürfen durch den Rauch und den Funkenflug nicht gefährdet oder belästigt werden. Die Feuerstelle ist zu beaufsichtigen, später vollständig zu löschen und auch danach noch auf mögliche Glutnester zu kontrollieren, lautet die klare Ansage in Hörselberg-Hainich.

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN mit Haase und Waage | 19. Juli 2019 | 11:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2019, 11:13 Uhr

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7 Kommentare

24.07.2019 12:13 Schniep 7

Wenn es so weitergeht gibts nur noch Elektrogrill im Bratwurstland Thüringen.
Da ist sie nun unsere Freiheit.
Mei Oma und Opa haben früher sogar noch Wiesen kontrolliert abgebrannt, außer bei Waldbrandgefahr natürlich.

19.07.2019 20:04 GGP 6

Das wichtigste ist doch für r2g nur die Gebühreneinnahme für eine Genehmigung. Jeder der klar im Kopf ist macht nur dort Feuer wo nichts passiert.

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