Neues Gutachten Freie Schulen fordern mehr Geld vom Land

Mehr Geld für freie Schulen - so einfach lässt sich die Forderung der Landesarbeitsgemeinschaft der Schulen in freier Trägerschaft (LAG) zusammenfassen. Bezahlen soll das Land Thüringen. Denn laut eines aktuellen Gutachtens zahlt das Land für allgemeinbildende Privat-Schulen deutlich weniger, als die gesetzlich festgelegte Summe. Doch wie wird diese Summe berechnet?

Was kostet ein Schüler?

Schulkinder 2010 auf dem Weg nach Hause
Laut Berechnungen des Bildungsministeriums kostet ein Regelschüler das Land 5.275 Euro. Bildrechte: imago images / photothek

Bemessungsgrundlage ist die Summe, die ein Schüler einer staatlichen Schule das Land Thüringen jährlich kostet. So geht das Bildungsministerium davon aus, dass ein Regelschüler das Land 5.276 Euro pro Jahr kostet. Ein Gymnasiast ab Klassenstufe 11 schlägt mit 5.672 Euro zu Buche. Ein Berufschüler kostet, laut Berechnungen des Landes, 1.549 Euro. Jeweils 80 Prozent dieser Summen muss das Land pro Schüler an die freien Schulen überweisen. So steht es im Thüringer Gesetz über Schulen in freier Trägerschaft (ThürSchfTG).

Berechnungsgrundlage zu niedrig?

Die vom Bildungsministerium verwendeten Zahlen stellen die Träger der privaten Schulen in Frage. Das von ihnen in Auftrag gegebene Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die Schüler-Kostensätze des Landes nicht alle Kosten abbilden, die den staatlichen Schulen in den vergangenen Jahren tatsächlich entstanden. Erstellt hat das Gutachten das Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung (IWS).

Die Autoren verweisen darauf, dass zum Beispiel die Kosten für verbeamtete Lehrer und die lange Berufserfahrung vieler Pädagogen nicht ausreichend beachtet worden seien. Auch die Kosten der Schulgebäude für die Kommunen würden nicht adäquat abgebildet, so die Gutachter. Die tatsächlichen Kosten für einen Regelschüler beliefen sich deshalb auf 9.330 Euro pro Jahr. Das wären deutlich mehr, als die vom Land berechneten 5.276 Euro. Für Gymnasiasten ergibt sich laut IWS ein jährlicher Fehlbetrag von 4.335 Euro, für Grundschüler von 2.456 Euro.

LAG kritisiert "Gerechtigkeitslücke"

Demnach liegt die tatsächliche Finanzhilfe des Landes je nach Schulform nur zwischen rund 50 und 60 Prozent. Für Berufsschulen gibt das Land an freie Schulträger sogar nur 30 bis 50 Prozent dessen, was sie staatlichen Schulen zur Verfügung stellt. Zur Erinnerung: Laut Gesetz sollen es 80 Prozent sein. Der Koordinator der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Schulträger (LAG), Marco Eberl, spricht in diesem Zusammenhang von einer Gerechtigkeitslücke.

Die Folgen der Unterfinanzierung müssten die Eltern ausgleichen. Das Schulgeld, neben dem Landeszuschuss und dem Eigenanteil des Trägers eine der drei Einnahmequellen, sei in den vergangenen Jahren in Thüringen flächendeckend gestiegen. Gemeinsam mit seinem Co-Koordinator Martin Fahnroth vom Bistum Erfurt kündigte Eberl Gespräche mit Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) an. Die LAG wünscht sich nicht nur, dass die Finanzierung grundsätzlich neu ausgerichtet wird. Es müsse dabei um eine Soforthilfe des Landes im kommenden Jahr gehen. Zudem sei eine Novellierung der 2020 auslaufenden Finanzierungsregelungen nötig, um die fehlende Transparenz bei der Kostenbemessung zu beenden.

Für das Gutachten hat das Institut Daten der Thüringer Schulstatistik und des statistischen Bundesamtes genutzt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

1 Kommentar

Bildungsgerechtigkeit vor 49 Wochen

Alle Schüler sind gleich viel wert – auch in Thüringen!
Unsere Kinder und Familien stehen im Mittelpunkt, nicht die Schulträger oder die Schulverwaltungen. Eine einfache Zusammenfassung der Veranstaltung in Erfurt vom 27. August ist daher: Alle Kinder sind gleich viel wert, egal in welcher Trägerschaft sich die Schule befindet, auf die sie gehen. Wenn sich das Land daran hält, werden nicht nur Familien engagierter.
Im Kita-Bereich zahlt das Land für jedes Kind gleich viel, unabhängig davon, ob es eine Kita in kommunaler oder freier Trägerschaft besucht. Daher gibt es eine vielfältige Kita-Landschaft; Eltern von kleinen Kindern sind zufriedener und engagierter als die von Schulkindern. Wie können wir diese erfolgreiche Bürgernähe oder Subsidiarität im Schulbereich verwirklichen?

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