Eine Frau bei der Montage eines Teiles.
Frau bei der Montagearbeit (Symbolfoto). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Arbeitsmarkt Mehr Thüringerinnen berufstätig - aber oft in Teilzeit

Auf dem Arbeitsmarkt kämpften Frauen in der Vergangenheit stets mit Nachteilen. In Thüringen hat sich das etwas verbessert. Allerdings geht die steigende Beschäftigung vor allem auf ein Plus bei Teilzeitjobs zurück.

von Wolfgang Hentschel

Eine Frau bei der Montage eines Teiles.
Frau bei der Montagearbeit (Symbolfoto). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für Kay Senius ist es erfreulich: In den vergangenen Jahren ist in Thüringen die Zahl der berufstätigen Frauen kontinuierlich gestiegen. Zurzeit arbeiten knapp 400.000 Frauen in sozialversicherungspflichtigen Jobs - das sind neun Prozent mehr als im Jahr 2008. Damit war das Beschäftigungsplus bei den Frauen größer als bei den Männern. Mittlerweile sind fast zwei Drittel aller Frauen im Freistaat berufstätig.

Der Chef der Landesarbeitsagentur Thüringen/Sachsen-Anhalt spricht daher von einem "ganz tollen" Ergebnis: "Wenn wir auf die Beschäftigungsquote schauen, also auf den Anteil der Frauen im erwerbsfähigen Alter, die einer sozialversicherungspflichten Beschäftigung nachgehen, dann sehen wir, dass wir in Thüringen die zweithöchste Beschäftigungsquote von Frauen bundesweit haben." Besser sind hier nur die Sachsen.

Vor allem in ländlichen Regionen

Innerhalb Thüringens gibt es bei der Frauen-Beschäftigungsquote allerdings Unterschiede. Vor allem in den ländlichen Regionen in Südwest- und Ostthüringen gehen mehr Frauen arbeiten. In den Städten wie Weimar, Erfurt und Jena ist der Anteil von Frauen in Beschäftigung dagegen kleiner. Laut Senius liegt das daran, dass es in diesen Städten Hochschulen gibt. Studentinnen sind aber nicht berufstätig und senken damit den Anteil der Frauen-Beschäftigungsquote. Rechnet man diesen Effekt heraus, dann ist laut Senius auch in diesen Städten der Anteil der berufstätigen Frauen ähnlich hoch wie in den anderen Regionen Thüringens.

Jede zweite Frau in Teilzeit

Aber: Trotz der zuletzt guten Entwicklung sind Frauen auf dem Arbeitsmarkt immer noch mit einer Reihe von Nachteilen konfrontiert. Der Beschäftigungszuwachs, der in den vergangenen Jahren stattgefunden hat, ist vor allem auf einen Anstieg bei den Teilzeitjobs zurückzuführen. Jede zweite Frau arbeitet nur Teilzeit. Hinzu kommt: Jede vierte Frau in Thüringen, die in einem Teilzeitjob ist, würde eigentlich gerne mehr arbeiten. Kann es aber nicht.

"Das ist nach wie vor der Situation der Frau in der Gesellschaft geschuldet", sagt Senius. Soll heißen: Frauen können nicht mehr arbeiten, weil sie - mehr als die Männer - gezwungen sind, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Darüber hinaus verdienen Frauen nach wie vor weniger als Männer. Die sogenannten mittleren Einkommen (Medianeinkommen) von vollzeitbeschäftigten Frauen in Thüringen liegen zurzeit bei rund 2.360 Euro pro Monat, bei Männern sind sie 130 Euro höher.

Laut Senius lässt sich das damit erklären, dass Frauen insbesondere in den Berufen und Branchen tätig sind, die im Allgemeinen schlechter bezahlt sind. Typische Frauenberufe sind Verkäuferin, Sekretärin oder Erzieherin. "Die Gleichstellung von Mann und Frau insbesondere unter dem Aspekt der Entgeltgerechtigkeit ist noch nicht erreicht", stellt Senius daher fest. Knapp 56 Prozent der Beschäftigten in Mindestlohnbranchen in Thüringen sind Frauen. Dazu zählen laut Senius unter anderem der Einzelhandel und das Hotelgewerbe.

Unternehmen und Schulen in die Pflicht genommen

Um die Situation für Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, muss nach Angaben von Thüringens Arbeitsministerin Heike Werner (Linke) an verschiedenen Stellen angesetzt werden. "Zum Beispel müssen sich Unternehmen öffnen für Mädchen und junge Frauen und sie als Facharbeiterinnen gewinnen", so die Ministerin. "Die großen Unternehmen haben das schon gemacht, die kleinen haben sich da noch ein bisschen zurückgehalten."

Thüringens Arbeitsministerin Heike Werner (Die Linke) spricht in Erfurt auf einer Pressekonferenz.
Arbeitsministerin Heike Werner Bildrechte: dpa

Auch die Schulen sind laut Werner hier in der Pflicht: Sie müssten die Mädchen ansprechen und bei der Berufsorientierung helfen. Letztlich gehe es um das Aufbrechen gesellschaftlich verankerter traditioneller Rollenbilder: "Natürlich wird vorgelebt, dass Sorgearbeit eher weiblich ist.

Dass Frauen eher in Teilzeit gehen. Das hat viel mit Vorbildern zu tun. Die Mädchen machen auch das, was Ihnen vorgelebt wird, auch in der Öffentlichkeit. Zum Beispiel wie Frauen in Filmen und in der Werbung dargestellt werden. Wenn sie dort auftauchen, dann eher in den traditionellen Familienrollen", so Werner.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. März 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 10:24 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

6 Kommentare

09.03.2019 13:37 Sonja 6

@ 4 wir konnten aber auch wenn nicht alles unseren Kindern einiges bieten , durch die Vollzeitstelle, den soviel haben wir trotz ein gutes leben in der DDR , nicht verdient, und am Wochenende insgesamt wurden nur die Wünsche der Kinder erfüllt was die Feizeit anbetraf, dann blieb eben einfach einiges liegen.

09.03.2019 10:44 martin 5

@3 fragender: Es handelt sich dabei immerhin um die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen. Die sind allemal besser als Minijob, Schwarzarbeit oder Arbeitslosigkeit.

Mehr aus Thüringen

Rocker 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK