Tag gegen Gewalt an Frauen In Thüringer Frauenhäusern fehlen weiter Plätze

In Thüringens Frauenhäusern fehlen noch immer rund 150 Schutzplätze. Darauf hat die Thüringer Gleichstellungsbeauftragte Katrin Christ-Eisenwinder zum Internationalen "Tag gegen Gewalt an Frauen" am heutigen 25. November hingewiesen. Als Grund nannte sie das Finanzierungskonzept der Frauenhäuser. Die Verantwortung läge bei den Kommunen und Landkreisen, die jedoch wegen oftmals leerer Kassen andere Prioritäten setzen würden.

290 Plätze laut EU-Richtlinie erforderlich

Eine Frau blickt in einem Frauenhaus aus dem Fenster
Eine Frau blickt in einem Frauenhaus aus dem Fenster. Bildrechte: dpa

Finanzielle Unterstützung vom Land erhalten die Frauenhäuser laut Christ-Eisenwinder über den Kommunalen Finanzausgleich. Um gefördert zu werden müssen die kommunalen Einrichtungen aber mindestens acht Plätze vorhalten. Nach einer EU-Richtlinie, die im Februar 2018 in Deutschland in Kraft trat, sind für das Land 290 Schutzplätze erforderlich. Nach Angaben der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Thüringer Frauenhäuser und Schutzwohnungen stehen in den zwölf Frauenhäusern, die vom Land sowie den Kommunen und Landkreisen gefördert werden, jedoch nur 141 Plätze zur Verfügung.

Mehr als 100 Frauen mangels Platz abgewiesen

Nach Angaben der LAG suchten im vergangenen Jahr 323 Frauen mit insgesamt 352 Kindern Zuflucht und Schutz in den Frauenhäusern. Außerdem führten die Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser 4.640 Beratungen rund um die Thematik Gewaltschutz durch. Mehr als 100 Frauen hätten im vergangenen Jahr nicht aufgenommen werden können. Die Zahl zeige, dass nicht für alle von Gewalt betroffene Frauen und Kinder Schutzplätze zur Verfügung stünden.

Laut polizeilicher Kriminalstatistik wurden im letzten Jahr in Thüringen 2.940 Fälle häuslicher Gewalt registriert. In 2.323 Fällen waren Frauen und Mädchen betroffen. Die Dunkelziffer wird deutlich höher geschätzt. Die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes geht davon aus, dass nur etwa fünf Prozent der Fälle von häuslicher Gewalt überhaupt angezeigt werden.

Aktionen am "Tag gegen Gewalt an Frauen"

Am heutigen Internationalen "Tag gegen Gewalt an Frauen" gibt es auch in Thüringen zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen. In Schleiz, Neustadt (Orla), Pößneck und Bad Lobenstein werden Fahnen mit dem Aufdruck "Nein zu Gewalt an Frauen. Frei leben - ohne Gewalt" gehisst. Innerhalb einer Aktionswoche gibt es thematische Informations- und Bücherstände in den Stadtbibliotheken Schleiz, Pößneck, Neustadt (Orla) und Bad Lobenstein sowie in den Landratsämtern von Schleiz und Pößneck. Auch in Suhl, Ilmenau und Nordhausen soll mit Fahnen ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen gesetzt werden.

In Sondershausen veranstaltet das Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Kyffhäuserkreis einen Fachtag zum Thema "Mitbetroffenheit von Kindern bei häuslicher Gewalt". Das "Netzwerk gegen Gewalt im Wartburgkreis" veranstaltet in Bad Salzungen eine Aktion unter dem Titel "Ein Licht für jede Frau". An einem Stand vor dem Goethe-Park-Center verteilen die Akteure Informationsmaterialien zur Aufklärung und Hilfe für Betroffene, Freunde, Arbeitskollegen und Familienangehörige. Zum symbolischen Gedenken an jede von Gewalt betroffene Frau sollen zudem Kerzen entzündet werden.

Rund um das Erfurter Frauenzentrum Brennessel wird es eine Lichterkette geben. Zudem werden am Rathaus und am Sozialministerium die Anti Gewalt-Flaggen gehisst. - Der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen wird jährlich am 25. November zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jedweder Form gegenüber Frauen und Mädchen begangen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 25. November 2019 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

martin vor 32 Wochen

@elbuffo: "Gar nichts" ist falsch. Aber ich gebe Ihnen insoweit recht, dass RRG - gemessen an den eigenen Vorgaben - bei den Veränderungen durchaus hätte schneller sein können. Es kommt aber auch hinzu, dass sich ein jahrelanger Investitionsstau nicht so schnell beseitigen lässt.

martin vor 32 Wochen

Ein weiteres Beispiel für die negativen Konsequenzen, die der Versuch einer Sanierung der Landesfinanzen zu Lasten der Kommunen durch die CDU Regierungen hervorgebracht hat.

ElBuffo vor 32 Wochen

Echt ma. Und das wurde so geschickt gemacht, dass auch 5 Jahre ohne CDU-Regierungsbeteiligung aber auch gar nichts daran geändert werden konnte.

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