Saisonbilanz Freibad-Betreiber trotz weniger Besucher ganz zufrieden

Die diesjährige Badesaison war vom verspäteten Saisonauftakt und Corona-Auflagen geprägt. Dennoch suchten viele Thüringer Abkühlung. Für die Betreiber fiel das Minus nicht so stark aus wie erwartet.

Freibad Lengenfeld unterm Stein
Freibad in Lengenfeld unterm Stein: Die Badesaison endete hier am 30. August. Bildrechte: MDR/ Gemeinde Südeichsfeld

Trotz einer durchwachsenen Saison in den Thüringer Freibädern haben sich die Betreiber überwiegend zufrieden gezeigt. Das hat eine Umfrage von MDR THÜRINGEN ergeben. Demnach lagen die Besucherzahlen unter denen der vergangenen Jahre. Als Gründe werden das schlechtere Wetter im Juni und die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie genannt. So durften die Bäder frühestens im Juni öffnen und damit zwei Wochen später als sonst. Außerdem waren die Besucherzahlen begrenzt. Das Minus fiel im Großen und Ganzen aber nicht so stark aus wie befürchtet.

"Ordentlicher Wert" in Dingelstädt

So verzeichnete das Freibad in Dingelstädt im Eichsfeld nach Angaben der Stadt rund 15.000 Besucher. Das sind zwei- bis dreitausend weniger als sonst. Verwaltungsleiter Michael Groß ist trotzdem nicht unzufrieden. Er sieht wegen der relativ kurzen Saison trotzdem einen "ordentlichen Wert". Nur drei Mal sei die Kapazitätsgrenze erreicht worden. Sie lag zu Beginn der Saison bei 200 Besuchern gleichzeitig und wurde dann auf 400 und schließlich auf 585 erhöht.

Schleppender Start in Ilfeld

Für das Waldbad Ilfeld (Landkreis Nordhausen) liegen die Zahlen erst nach Ende der Saison vor. Der verantwortliche Rettungsschwimmer Tino Schneider schätzt das Minus aber auf etwa 20 Prozent. "Es ging sehr schleppend los", so Schneider. Es sei nicht ganz klar, ob nur Corona oder auch das schlechte Wetter ausschlaggebend waren. Schneider geht aber davon aus, dass zu Beginn viele auch Angst hatten, sich anzustecken. Während sonst an besonders sonnigen Tagen auch mal 800 oder 900 Besucher gezählt werden, sind es an normalen Badetagen rund 400. Wegen Corona durften maximal 460 Besucher gleichzeitig ins Waldbad - es musste also niemand zurückgewiesen werden. Stattdessen gab es ein "permanentes Kommen und Gehen".

Junge mit Taucherbrille und Schnorchel taucht in Schwimmbecken
Junge beim Tauchen im Schwimmbecken: Trotz Corona-Regeln in diesem Sommer gab es keine größeren Probleme. Bildrechte: imago/Westend61

Das Waldbad Suhl-Goldlauter registrierte rund 5.600 Badegäste. In der vorigen Saison waren es etwa 7.800. Die genehmigte Zahl von maximal 300 Besuchern gleichzeitig reichte fast immer aus. Nach Angaben von Herbert Weiß vom Förderverein gab es nur an einem Tag kurze Wartezeiten von 15 bis 20 Minuten für neue Gäste, bis wieder ein Platz "frei" wurde. Dagegen war in den ersten sechs Wochen "nicht viel los" - wegen des mäßigen Wetters, so Weiß. "Der August hat uns die Saison einigermaßen gerettet." Außerdem machte der Verein aus der Not eine Tugend und stellte zum ersten Mal Kultur-Veranstaltungen auf die Beine, um Geld in die Kassen für den Schwimmbad-Betrieb zu spülen. So gab es ein Konzert und zwei Kino-Abende im Waldbad, die alle gut besucht waren, wie Weiß zufrieden feststellt.

Mittelprächtige Saison in Saalfeld

Im Freibad Rohrer Stirn in Meiningen liegen noch keine genauen Zahlen vor. Aber die Verantwortlichen rechnen nicht mit einem dramatischen Einbruch bei den Besucherzahlen. Trotz der Obergrenze reichte die Kapazität an den meisten Tagen aus. Nur an einigen sehr heißen Tagen wollten mehr Besucher ins Bad als wegen der Abstands-Regeln möglich waren, so dass es Warteschlangen vom Eingang bis zum Parkplatz gab.

In Saalfeld wurden etwa 32.000 Besucher gezählt, während es vergangenes Jahr fast 50.000 waren. Bäder-Chefin Bettina Fiedler bewertet die Saison als "mittelprächtig". Wegen der Kürze der Saison und des durchwachsenen Wetters ist sie aber insgesamt zufrieden. Trotz der Obergrenze wegen der Abstands-Regeln bilanziert sie: "Wir mussten nie jemand zurückschicken."

Schwimmbecken mit Wasserrutsche
Das Freibad in Saalfeld Bildrechte: Monika Gottschalk

Weniger als sonst in Altenburg

Auch im Südbad in Altenburg waren es mit 22.600 Besuchern "weit weniger als sonst", so der Verantwortliche Oliver Heber. Sonst liegt die Zahl je nach Witterung zwischen 35.000 und 45.000. Er geht davon aus, dass durch die Unsicherheiten wegen Corona auch viele aus Vorsicht nicht ins Schwimmbad gingen. Nur an einem Tag wurde die Obergrenze von 600 Badegästen gleichzeitig erreicht. Zeitweise mussten die Sprungtürme geschlossen werden, damit mehr Leute ins Schwimmbecken konnten.

Das Schwanseebad in Weimar verzeichnete bis 8. September gut 36.000 Badegäste. Diese Zahl hält der Geschäftsführer der Stadtwirtschaft, Jörn Otto, aber nicht für vergleichbar mit den Zahlen von 2019. Damals waren es stolze 89.000 Besucher - allerdings hatte das Bad nach längerer Sanierung zum ersten Mal wieder geöffnet und das Wetter war deutlich besser.

In Erfurt sind die Betreiber zufrieden

Auch die Stadtwerke Erfurt halten einen Vergleich mit dem vergangenen Jahr wegen der kürzeren Saison und der Corona-Obergrenzen für schwierig. "Dennoch sind es gute Zahlen", sagte eine Sprecherin. Das Nordbad als größtes Thüringer Freibad verzeichnete bisher rund 62.500 Besucher, im Strandbad Stotternheim waren es gut 50.000. Die beiden kleineren Freibäder hatten auch deutlich weniger Besucher: in Möbisburg waren es gut 10.000 und im Dreienbrunnenbad knapp 5.600.

In Ottmannshausen im Weimarer Land freut man sich über 17.000 Besucher - nicht zuletzt deshalb, weil das Freibad in Oßmannstedt saniert wird und deshalb geschlossen ist. Das brachte zusätzliche Schwimm-Gäste. Dagegen geht das Freibad in Waltershausen im Kreis Gotha davon aus, dass 2020 die Badeisaison mit den wenigsten Besuchern sein wird. Nur halb so viele Gäste wie sonst zogen dort ihre Bahnen. Und wiederholt gab es lange Schlangen am Einlass. Weil die Kapazitätsgrenze erreicht war, mussten die Besucher teilweise bis zu zweieinhalb Stunden warten.

Freibad Ottmannshausen Schwimmbecken mit Wasserrutsche
Freibad Ottmannshausen Schwimmbecken mit Wasserrutsche Bildrechte: MDR/Thomas Heß

Corona-Regeln: Keine größeren Probleme

Wegen die speziellen Corona-Regeln in diesem Sommer gab es durchweg keine größeren Probleme, so die befragten Bademeister und Verantwortlichen übereinstimmend. So gab es in Meiningen regelmäßige Durchsagen, damit sich die Badegäste an die Hygiene-Regeln halten. Hätten die Besucher nicht mitgemacht, hätte man im Notfall sogar das Bad schließen können, wie es hieß. Soweit sei es aber nicht gekommen. In Ilfeld erkundigten sich viele Gäste vorher telefonisch oder an der Kasse nach den Hygiene-Regeln, zum Beispiel, ob es Desinfektions-Mittel gibt. Das Verhalten sei sehr diszipliniert gewesen, bilanziert Bademeister Schneider. Auch in Dingelstädt wurde das Corona-Konzept akzeptiert, wie Verwaltungs-Chef Groß sagt.

Im Schwanseebad Weimar waren die Öffnungszeiten zweigeteilt: von 10 bis 14 Uhr und von 15 bis 19 Uhr. Außerdem hatten Schwimmer die Möglichkeit, ganz früh oder am Abend für anderthalb Stunden ihre Runden zu drehen. Für Weimar und andere größere Bäder konnten Eintrittskarten nur im Internet gebucht werden. So wurde auch sichergestellt, dass die Obergrenze an Besuchern nicht überschritten wurde. Nach Angaben von Stadtwirtschafts-Chef Otto wurde dazu extra eine neue Software angeschafft.

Abschiedsfeier des langjährigen Bademeisters Burkhardt „Burki“ Jenz im Weimarer Schwanseebad.
Das Schwanseebad in Weimar Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Damit ist im Internet sichtbar, wie viele Karten noch verfügbar sind. Die Anzeige "ausverkauft" gab es demnach nicht so oft wie erwartet. Umgekehrt war das Bad wegen der Obergrenze von maximal 700 Gästen gleichzeitig nicht so überlaufen wie sonst manchmal an heißen Tagen. Auch für die Bademeister verliefen die Tage dadurch entspannter, weil alles besser planbar war und es keine unvorhergesehenen Überraschungen gab.

Die meisten Thüringer Freibäder schließen

Die meisten Thüringer Freibäder sind schon geschlossen oder beenden die Saison an diesem Wochenende. Im Waldbad in Suhl-Goldlauter etwa ist es wegen der höheren Lage inzwischen schlicht zu kühl zum Baden. Einige andere wie in Eisenach, Waltershausen und Meiningen bleiben dagegen wegen des schönen Wetters länger offen als geplant. Auch das Weimarer Schwanseebad ist noch bis 20. September geöffnet. Dort hoffen die Bademeister "auf einen schönen Altweibersommer".

Auch das Saalfelder Freibad hat seine Saison verlängert. Es ist bis zum 18. September täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. In Jena und Kahla geht die Freibadsaison ebenfalls in die Verlängerung. Das Jenaer Ostbad wird noch bis zum 18. September geöffnet sein. Im Südbad - auch Schleichersee genannt - können sich Badelustige sogar noch bis zum 30. September tummeln - und zwar täglich von 10 bis 18 Uhr. Das Freibad in Kahla bleibt drei Tage länger bis 16. September geöffnet.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. September 2020 | 07:00 Uhr

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