Frau und Kinder lachen
In Thüringen sind seit 2014 114 Jugendliche ins Ausland versandt und 115 Jugendliche aus dem europäischen Ausland aufgenommen worden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vier Fragen - Vier Antworten Wie funktioniert der europäische Jugendaustausch?

Der Europäische Freiwilligendienst bietet jungen Erwachsenen viele Möglichkeiten, um sich ehrenamtlich zu engagieren. Ob Delfine erforschen in Kroatien, Kindern in Lissabon Lesen und Schreiben beibringen und dabei selbst die Landessprache Portugiesisch erlernen oder in Spanien das Aussterben bedrohter Tierarten verhindern - Europa macht's möglich.

Frau und Kinder lachen
In Thüringen sind seit 2014 114 Jugendliche ins Ausland versandt und 115 Jugendliche aus dem europäischen Ausland aufgenommen worden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Europäische Freiwilligendienst (EFD) ist ein seit 1996 bestehendes Förderprogramm der Europäischen Kommission. Seit 2017 ist das Programm Teil des Europäischen Solidaritätskorps (ESK). Auch aktuell sind sogenannte Volunteers in Thüringen im Einsatz. Dabei können junge Erwachsene einen Freiwilligen Dienst in Europa absolvieren - gefördert von der EU.

Wie kann man am Europäischen Freiwilligendienst teilnehmen?

Abgesehen von der Altersbeschränkung, die bei 18 bis 30 Jahren liegt, gibt es keine Beschränkungen. Den EU-Freiwilligendienst können junge Menschen in ganz Europa absolvieren und darüber hinaus auch in Nicht-EU-Ländern wie der Türkei, Norwegen oder Russland. Interssierte registrieren sich bei der EU zunächst als Mitglieder des Solidaritätskorps. Anschließend können sie in der Projektdatenbank nach Projekten im Ausland suchen, für die sie den Freiwilligendienst leisten wollen. In der Datenbank stellen Entsendeorganisationen Projekte anderer Organisationen, sogenannter Aufnahmeorganisationen, sowie soziale Einrichtungen aus dem Ausland vor. Zu Entsendeorganisationen zählen beispielsweise Wohlfahrtsverbände, Umweltorganisationen oder Kirchen. Haben Interessierte ein ansprechendes Projekt gefunden, bewerben sie sich mit einem Bewerbungsbogen der Entsendeorganisation bei der gewünschten Aufnahmeorganisation. Die Entsendeorganisation vermittelt dabei Kontakte zu möglichen Einsatzstellen im Ausland. Außerdem schadet es nicht, wenn der Bewerbung ein Empfehlungsschreiben beigelegt wird. Aus allen eingehenden Bewerbungen trifft die Aufnahmeorganisation in Absprache mit der Entsendeorganisation eine Vorauswahl. Anschließend werden die Bewerber zu einem Skype-Telefonat mit dem Projektveranstalter eingeladen. Wer den Platz in der Aufnahmeorganisation sicher hat, muss sich allerdings noch etwa gedulden. Denn die Abreise muss erst noch von der EU genehmigt werden - und das kann gut und gerne zwei Monate dauern.

Wie kann man Volunteers aus dem Programm bekommen?

Das Europäische Solidaritätskorps arbeitet mit Organisationen zusammen, die Solidaritätsprojekte durchführen. Darunter sind staatliche und nichtstaatliche Organisationen, Körperschaften und Unternehmen. Möchte eine Organisation mit Freiwilligen aus dem EU-Ausland zusammenarbeiten, muss sie sich zunächst bei dem ESK akkreditieren lassen. Danach können die qualitätsgeprüften Organisationen zu drei Antragsfristen im Jahr Projektanträge einreichen. Um allen jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich in Europa zu engagieren, bietet das ESK den Organisationen spezielle Angebote, die die Inklusion und Chancengleichheit unterstützen. So erhalten beispielsweise Organisationen, die mit jungen Freiwilligen mit geringeren Chancen oder besonderem Unterstützungsbedarf zusammenarbeiten, eine zusätzliche finanzielle Unterstützung von acht Euro pro Tag. Wird das Projekt gefördert, können Organisationen ihre bewilligten Projekte in der Projektdatenbank des Europäischen Solidaritätskorps bewerben.

Wo kann man Informationen über weitere europäische Austauschprogramme bekommen?

Jugendliche betreuen freiwillig alte Leute im Dorf Varatic (Republik Moldau)
Junge Erwachsene können sich im Rahmen von Freiwilligendiensten in vielerlei Hinsicht für die europäische Gemeinschaft einsetzen. Der Einsatzbereich umfasst soziale, ökologische und kulturelle Projekte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend organisiert seit 2011 den sogenannten Internationalen Freiwilligendienst (IJFD). Dabei soll jungen Menschen ein freiwilliger Dienst im Ausland ermöglicht werden. Den Freiwilligendienst können Jugendliche leisten, sobald sie die Vollzeitschulpflicht erfüllt haben. Die Vollschulzeitpflicht in Thüringen liegt bei zehn Schuljahren.
Im Freiwilligen Ökologischen Jahr können sich Jugendliche zwischen 16 und 27 Jahren für eine lebenswerte Umwelt einsetzen. Nicht nur in Deutschland können sich Freiwillige mit Naturschutz und Co. beschäftigen, auch eine Kombination von In- und Auslandsdiensten ist möglich.
Der Andere Dienst im Ausland (ADiA) galt zu Zeiten des Wehrdienstes als Ersatz für einen regulären Zivildienst. Nach dem Wegfall des Zivildienstes 2011 ist das Programm Teil des Bundesfreiwilligendienstes. Das Angebot des Dienstes gilt für jene Freiwillige, die die Voraussetzungen des Internationalen Jugendfreiwilligendienstes nicht erfüllen. Freiwillige können den Dienst in allen Staaten der EU leisten.

Wie läuft die Finanzierung des Austauschs, wer kümmert sich um Unterkunft und Betreuung der Volunteers?

Die Teilnahme am Freiwilligen-Programm ist kostenlos. Allerdings können anteilig Kosten für die An- und Abreise anfallen. Wie hoch der Zuschuss für die Reisekosten ausfällt, hängt von der Entfernung zum Zielland ab. Das Europäische Solidaritätskorps übernimmt die weiteren anfallenden Kosten für den Auslandsaufenthalt. Darunter fallen auch Leistungen wie Versicherungen, Impfungen, Sprachkurse, Bus- und Bahntickets und sogar Taschengeld. Um die Verpflegung und Unterbringung kümmert sich die Aufnahmeorganisation. Dabei ist es möglich, dass Freiwillige ein Zimmer in der Organisation bekommen, oder aber bei einer Gastfamilie oder in einer Wohngemeinschaft untergebracht sind. Sollten sich während des Auslandsaufenthalts Probleme ergeben, stehen den Jugendlichen vor Ort feste Ansprechpartner der Aufnahmeorganisation, sogenannte Tutoren und Mentoren, zur Verfügung. Freiwillige können zudem die Entsendeorganisation in der Heimat oder die Nationalen Agenturen im Gastland kontaktieren.

Zwei Frauen kochen
Freiwillige werden im Europäischen Freiwilligendienst auch finanziell unterstützt. Ob Verpflegung, Unterkunft oder sogar Versicherung - das Programm deckt viele Kosten ab. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Thüringen Journal | 12. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 15:24 Uhr

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