Orkan Friederike kippt Lkw auf der A71 bei Erfurt um
Bildrechte: Kathleen Sturm

Orkanschäden Thüringen zieht erste Bilanz nach "Friederike"

Mindestens ein Toter, mehrere Verletzte, Stromausfälle und hohe Sachschäden. Exakt elf Jahre nach "Kyrill" hat der Orkan auch hier getobt. Während in Bad Salzungen getrauert wird, normalisiert sich das Leben andernorts.

Orkan Friederike kippt Lkw auf der A71 bei Erfurt um
Bildrechte: Kathleen Sturm

Die Situation auf den Straßen entspannt sich zunehmend. Am Donnerstagnachmittag waren noch zahlreiche Autobahnen und Bundesstraßen gesperrt, weil Bäume und LKW umgestürzt waren. Wegen gerissener Leitungen waren bis zu 30.000 Haushalten stundenlang ohne Strom. Die Bahn AG und private Unternehmen stellten den Zugverkehr zeitweise komplett ein.

Wartende Menschen am Bahnhof in Erfurt. Wegen Orkan Friederike ist der Bahnverkehr deutschlandweit eingestellt worden.
Wartende Menschen am Bahnhof in Erfurt. Bildrechte: Estha Taddigs

Weil die Deutsche Bahn den Fernverkehr komplett unterbrach sind auch am Erfurter Hauptbahnhof viele Reisende gestrandet. Für sie standen in der Aufenthaltszüge bereit, teilte der Konzern mit. Auch am Freitag sei mit Verzögerungen um Fernverkehr zu rechnen. Im Regionalverkehr fuhren dagegen am Donnerstagabend wieder die ersten Züge.

Orkan deckt Dach von Gemeinschaftsschule in Greußen ab
Der Orkan deckte das Dach der Gemeinschaftsschule in Greußen ab Bildrechte: MDR/Peter Georgi

Vielerorts wurden Dächer abgedeckt, so auch an Schulen in Artern, Greußen und Pößneck. Dort fällt am Freitag der Unterricht definitiv aus, an allen anderen Schulen im Land bleibt es den Eltern freigestellt, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken oder nicht.

Salzungen tödlich verunglückt - Bergung mit Panzer
Die Besatzung eines Bundeswehrpanzers half, den verunglückten Feuerwehrmann in Bad Salzungen bergen. Bildrechte: News5/Ittig

Während er dabei half, das von Baumstämmen eingeklemmtes Fahrzeug einer Frau zu befreien, verunglückte am Donnerstagnachmittag ein 28-jähriger Feuerwehrmann aus Bad Salzungen. Ein weiterer 57-jähriger Helfer wurde schwer verletzt. Erst mit einem Panzer der Bundeswehr konnte der tödlich Verunglückte aus dem Wald geborgen werden, seine Kameraden werden psychologisch betreut. Die Stadt Bad Salzungen sagte am Abend die für Freitag geplante Neujahrsfeier ab.

Von den rund 30.000 Haushalten ohne Strom in Nord- und Ostthüringen waren Donnerstagabend 20.000 wieder versorgt. An den Brennpunkten im Unstrut-Hainich-Kreis und Landkreis Greiz seien die Mitarbeiter der TEAG die ganze Nacht im Einsatz, sagte der Sprecher der Thüringer Energienetze, Martin Schreiber, MDR THÜRINGEN. Auch einzelne Stromausfälle im Kreis Schmalkalden-Meiningen würden so schnell wie möglich behoben. Im Gegensatz zum Einsatz während des Orkans Kyrill, der Tage angedauert habe, käme man diesmal viel schneller voran.

Orkan Friederike fällt Straßenschild auf der A71
Bildrechte: MDR/Kathleen Sturm

Polizei und Feuerwehren waren landesweit im Dauereinsatz. Allein in Erfurt wurden nach Polizeiangaben bis zum Donnerstagabend drei verletzte Menschen, 25 beschädigte Gebäude, 14 umgestürzte Bäume und 26 beschädigte Fahrzeuge registriert. Das Gesamtschadensbild und die Schadenshöhe seien noch nicht abzusehen. In Weimar rückte die Feuerwehren 46 Mal aus, unter anderem, weil vom Dach der Herderkirche Schindeln herabgefallen waren. Im Kreis Sömmerda waren die Kameraden über 60, im Landkreis Eichsfeld über 100 Mal im Einsatz. In Erfurt-Bindersleben fielen vom sogenannten Smart-Turm mehrere große Scheiben auf die Straße. Die Gegend an der Binderslebener Landstraße musste abgesperrt werden, für Freitag sind die Reparaturarbeiten geplant. Im Silbergraben stürzte einen Dachkonstruktion ab. Die Feuerwehr sicherte eine Dachfläche von etwa 100 Quadratmetern. Zwei Menschen wurden leicht verletzt, als zwischen Essleben und Teutleben im Kreis Sömmerda ein LKW umkippte. In Dittelstedt störte ein 43-Jähriger den Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr an einem umstürzenden Baum. Er bedrängte und störte sie. Gegen den Mann wurde Anzeige erstattet. Die A71-Auffahrt Bindersleben musste wegen eines umgefallenen großen Verkehrsschildes gesperrt werden.

Umgeknickte Nadelbäume liegen durcheinander im Wald bei Erfurt.
Umgeknickte Nadelbäume liegen im Wald bei Erfurt Bildrechte: MDR/Bernd Rödger

Der Thüringer Wald hat das Orkantief Friederike glimpflich überstanden. Nach Angaben von Thüringen Forst seien die Schäden nach ersten Berichten nicht vergleichbar mit denen des Orkantiefs Kyrill vor elf Jahren. "Die Warnungen traten so hart nicht ein“, sagte Forstsprecher Horst Sproßmann MDR THÜRINGEN. Selbst rund um Oberhof habe es keine flächigen "Würfe" gegeben, man verzeichne lediglich "Einzel- und Nesterwürfe". Besonders betroffen sei allerdings die Region um Bad Salzungen, dort seien vor allem Kreis-, Bundes- und Landstraßen durch umgestürzte Bäume blockiert. "Der Verkehr ist stärker betroffen als der Wald", so Sproßmann.

Die Warnung vor Orkanböen wurde Donnerstagabend aufgehoben, die Nacht blieb in Teilen Thüringen dennoch stürmisch.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN Nachrichen | 18. Januar 2018 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2018, 15:24 Uhr

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3 Kommentare

20.01.2018 09:54 Klarsichtgedanke 3

Hier wurde der jahrelange Baupfusch und die nicht Fällung von morschen Bäumen ersichtlich. Die Kosten müssten dafür die Bauämter und die Natur-und Umweltbehörden eigentlich tragen, zumal sie noch lebensbedrohliche Angelegenheiten damit verursachten. Heut zu Tage braucht man doch erst eine Genehmigung von der Natur-und Umweltbehörde, wenn man einen Baum beseitigen möchte und wie kann eigentlich so eine Straßenhinweisschild bei einen solchen Wind vom Sockel fallen? Das ist alles für mich willkürlicher Pfusch am Bau von Behörden und Institutionen. Hier müssen unbedingt Köpfe rollen.

19.01.2018 09:47 Grenzen gesetzt 2

Dass es Tote gab, ist sehr zu bedauern. Auch die entstandenen Schäden sind enorm. Aber es zeigt auch, dass dem Menschen Grenzen gesetzt sind, die es zu respektieren gilt. Das gilt im Übrigen nicht nur für wetterbedingte Katastrophen.
Wenn wir uns wieder drauf besinnen würden, das wir Menschen auch Grenzen respektieren müssen, dann wäre das Zusammenleben in unserem Land sehr viel entspannter.
Wir müssen nicht alles bestimmen, sondern auch mal Grenzen respektieren und vor allem was aushalten. Und das ist das Schwerste.

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