Symbolbild: Gaffer bei einem Unfall
Mit dem Smartphone wird rücksichtslos mitgefilmt. (Symbolbild) Bildrechte: Imago

Rettungskräfte beklagen Behinderungen Immer mehr Probleme mit Gaffern

Feuerwehr und Notfallsanitäter in Thüringen klagen über immer mehr Probleme mit Gaffern. Gegen die Schaulustigen helfe oft nur die Polizei. Deshalb fordert der Thüringer Feuerwehrverband jetzt deutlich härtere Strafen.

Symbolbild: Gaffer bei einem Unfall
Mit dem Smartphone wird rücksichtslos mitgefilmt. (Symbolbild) Bildrechte: Imago

In Thüringen werden Rettungskräfte wie Notfallsanitäter oder Feuerwehrleute immer häufiger von Gaffern in ihrer Arbeit behindert. Dem Thüringer Feuerwehrverband zufolge hat das Problem in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Zusätzlich sei die Hemmschwelle merklich gesunken.

Viele Passanten sehen es anscheinend zunehmend als Spaß oder Hobby, Unfälle zu filmen und ins Internet zu stellen.

Karsten Utterodt, Thüringer Feuerwehrverband

Verbandssprecher Karsten Utterodt sagte, dass neben besserer Aufklärung auch härtere Strafen und längere Fahrverbote für Gaffer wünschenswert sind.

Mit Planen und Decken gegen lästige Gaffer

Um die sensationsgierigen Gaffer abzuwehren nutzt die Feuerwehr etwa bei schweren Unfällen Planen oder Decken. Das erschwere zwar die Sicht, sei aber auch aufwändig. "Prinzipiell hängt das aber immer davon ab, wie viele Einsatzkräfte wir vor Ort haben", so Utterodt.

Einsatzkräfte sperren einen Unfallort gegen Gaffer mit einer Plane ab
Mit Planen versuchen die Rettungskräfte Unfallorte abzuschirmen. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Matthias Strauß

Mit demselben Problem sieht sich auch der Thüringer Landesverband des Deutschen Roten Kreuz (DRK) konfrontiert: Um Schaulustige fernzuhalten, fehle es an Personal, erklärt DRK-Sprecher Dirk Bley. Das einzige Mittel, das helfe, sei die Polizei. Wenn die vor Ort sei, ermögliche das den Rettungskräften in der Regel reibungsloses Arbeiten.

Das Phänomen wird Bley zufolge derzeit im Landespräventionsrat evaluiert. Es gebe aber noch keine abschließenden Ergebnisse. Im Mai hatte die Landesregierung bereits einem Antrag im Bundesrat zugestimmt, der härtere Strafen für Gaffer fordert.

Zuletzt hatten Betrunkene zu Schlagzeilen geführt, die Ende Juni Löscharbeiten an der Bundesstraße 180 bei Kriebitzsch im Altenburger Land behinderten. Dort musste die Polizei gleich mehrfach eingreifen.

Gaffer riskieren selbst Unfälle

Die Polizei selbst führt zum Thema Gaffer keine eigene Statistik. Auch über Belästigungen von Einsatzkräften in Thüringen liegen ihr keine Erkenntnisse vor. Dennoch bestätigt sie den Eindruck der Retter.

Schaulustige beobachten einen Polizeieinsatz
Auch bei Polizeieinsätzen gibt es oft Schaulustige. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

So stellten die Beamten tatsächlich fest, "dass bei Unfällen mit schweren Folgen Personen in vorbeifahrenden Fahrzeugen regelmäßig Aufnahmen mit Mobiltelefonen machen", sagte Polizei-Sprecher Jens Heidenfeldt. Die Autos, die extrem langsam an den Unfallorten vorbei fahren, sorgten wiederum nicht nur für längere Wartezeiten, sondern erhöhten auch das Risiko, dass die Gaffer selbst in einen Unfall verwickelt würden, da sie vom Handy abgelenkt seien. Trotzdem seien bisher noch keine Smartphones sichergestellt worden.

Den Gaffern ist rechtlich schwierig beizukommen. Die Straßenverkehrsordnung kennt keinen entsprechenden Tatbestand. Allerdings können sie für andere Ordnungswidrigkeiten und Straftaten wie die Behinderung von Rettungskräften und unterlassener Hilfeleistung zur Verantwortung gezogen werden.

Immer noch Probleme bei Rettungsgassen

Feuerwehrverbands-Sprecher Utterodt zufolge machen den Einsatzkräften auch die Rettungsgassen auf den Autobahnen immer noch Probleme. Eine zeitlang hätten die Behinderungen dadurch stark zugenommen. "In jüngster Zeit ist es aber ein bisschen besser geworden", so Utterodt weiter.

Wir wollen nur in Ruhe unsere Arbeit machen. Dazu muss es auch mal Sperrungen geben. Wir hoffen darauf, dass sich diese Erkenntnis bei möglichst vielen durchsetzt.

Karsten Utterodt, Thüringer Feuerwehrverband

Das liege zum einen daran, dass die Polizei solche Fälle einfach stärker verfolge. Seit Anfang des Jahres wurden 58 Anzeigen erfasst, weil keine Rettungsgasse gebildet wurde, wo sie nötig war. Der Grundtatbestand wird mit einer Strafe von 200 Euro und zwei Punkten im Verkehrssünderregister belegt.

Zum anderen zeige aber auch die vermehrte Aufklärung langsam Wirkung. Darauf setzt die Feuerwehr auch in Zukunft: Im kommenden Jahr soll eine neue Informationskampagne auf die Gefahren durch Gaffer und fehlende Rettungsgassen aufmerksam machen.

Quelle: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. Juli 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juli 2019, 15:40 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.