Tor der Gedenkstätte Buchenwald, auf dem "Jedem das Seine" steht, im Hintergrund laufen Menschen.
Blick durch das Tor des früheren KZ Buchenwald bei Weimar, das heute Gedenkstätte ist. Bildrechte: MDR / Ulli Sondermann-Becker

Erinnerungskultur AfD-Vertreter bei Gedenkfeier in Buchenwald nicht willkommen

Vor einer Gedenkveranstaltung im früheren KZ Buchenwald hat sich die Gedenkstättenstiftung die Teilnahme von AfD-Politikern verbeten. Die Thüringer AfD kritisierte die Entscheidung als "Ausgrenzung".

Tor der Gedenkstätte Buchenwald, auf dem "Jedem das Seine" steht, im Hintergrund laufen Menschen.
Blick durch das Tor des früheren KZ Buchenwald bei Weimar, das heute Gedenkstätte ist. Bildrechte: MDR / Ulli Sondermann-Becker

Vor einer Gedenkveranstaltung im früheren KZ Buchenwald bei Weimar hat sich die Gedenkstättenstiftung die Teilnahme von AfD-Politikern verbeten. Die Erklärung gilt allgemein für Gedenkveranstaltungen und auch für die Gedenkstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen.

Wie die Stiftung auf ihrer Internetseite schreibt, hält sie es für geboten, "dass Vertreter der AfD an einer Gedenkveranstaltung an diesen Orten nicht teilnehmen, solange sie sich nicht glaubhaft von den antidemokratischen, menschenrechtsfeindlichen und geschichtsrevisionistischen Positionen in ihrer Partei distanzieren". In der Gedenkstätte Buchenwald wollen am Freitagnachmittag Vertreter der Thüringer Landesregierung und des Landtags Kränze niederlegen. MDR.de überträgt die Kranzniederlegung in Buchenwald ab 14:15 Uhr im Livestream.

In der Vergangenheit hatten AfD-Vertreter teilgenommen

An der Gedenkfeier in Buchenwald im Vorjahr hatten für die AfD der Bundestagsabgeordnete Robby Schlund und die Landtagsabgeordneten Klaus Rietschel und Olaf Kießling teilgenommen. Die Partei legte auch einen Kranz nieder. Dem Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, Björn Höcke, hatte die Gedenkstättenstiftung 2018 wie schon 2017 Hausverbot erteilt. Grund war eine Rede Höckes in Dresden 2017, in der er mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin gesagt hatte: "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat." Höcke sprach zudem von einer "dämlichen Bewältigungspolitik" und forderte eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad".

Auf diese Rede bezog sich die Gedenkstättenstiftung jetzt erneut. Direktor Volkhard Knigge schrieb in einem Brief an die Mitglieder der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, Höcke halte bis heute an seiner im Januar 2017 geäußerten Meinung zur Erinnerungskultur fest. Das vor zwei Jahren von der AfD-Bundesführung gegen Höcke eingeleitete Parteiausschlussverfahren sei mittlerweile eingestellt. "Auch aus Ihrer Fraktion ist uns keinerlei Distanzierung von seinen Positionen bekannt geworden", heißt es weiter in dem Schreiben.

AfD: "Alles überragender Wille zur Ausgrenzung"

Die AfD zeigte sich überrascht. Der Thüringer Landtagsabgeordnete Stefan Möller, der gemeinsam mit Höcke den Landesverband führt, erklärte, Partei und Fraktion hätten über die Jahre gezeigt, dass ihnen ein aufrichtiges und nicht politisch instrumentalisiertes Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ein wichtiges Anliegen sei. An die Adresse des Gedenkstättendirektors gerichtet, sagte Möller weiter: "Herr Knigge ist jedoch seinen politischen Freund-Feind-Kategorien derart verhaftet, dass er nicht einmal an einem derart wichtigen Gedenktag Brücken bauen kann." Es obsiege der Reflex zum absichtlichen Missverstehen der Positionen der AfD-Fraktion und damit ein alles überragender Wille zur Ausgrenzung.

Die Gedenkstätte Buchenwald erinnert an die etwa 56.000 Menschen, die dort in der NS-Zeit ums Leben kamen. Weitere etwa 7.000 Menschen starben in der anschließenden Zeit, in der das Gelände als sowjetisches Speziallager betrieben wurde. 1958 wurde dann die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eröffnet.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 25. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2019, 11:38 Uhr

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140 Kommentare

27.01.2019 09:36 Mediator an Mikro (134) 140

In Deutschland ist so ziemlich alles und jedes durch Steuergelder finanziert. Trotzdem würde wohl niemand daraus schließen, dass man deswegen ein Recht hätte zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten eingeladen zu werden oder das man den Militärischen Sicherheitsbereich eines Fliegerhorstes jederzeit betreten dürfe.

Im übrigen geht es hier gar nicht um AfD Wähler oder simple Mitglieder sondern um Repräsentanten dieser Partei. Da diese Partei sich eben nicht vom Geschichtsrevisionismus eines Höcke und dessen Anlehnung an die NS-Ideologie distanzieren mag, wären AfD Repräsentanten an so einer Gedenkfeier wohl fehl am Platz.

27.01.2019 07:49 Mai 74 139

Hans Frank, Hitlers oberster Jurist und General Gouverneur im besetzten Polen hat nach dem Krieg gesagt. Die Schuld die wir auf uns genommen haben wird man noch in 1000 Jahren nicht vergessen . Er war sich anscheinend als Kriegsverbrecher und Zeitzeuge seiner Taten bewusst.

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