Gedenken Landtag erinnert an antijüdische Pogrome von 1938

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, hat  vor den Gefahren gewarnt, denen jüdisches Leben heute wieder ausgesetzt ist. Deutschland müsse alles unternehmen, damit nicht wie in Frankreich tausendfach Juden aus Angst um ihre Zukunft nach Israel übersiedelten, sagte er am Donnerstag im Erfurter Landtag. Anlass war eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 80. Jahrestages des Novemberpogroms von 1938.

Schramm: Pogromnacht war "Auftakt zum Massenmord"

November 1938, eine Frau läuft an einer Druckerei mit kaputten Fensterscheiben vorbei.
Druckerei mit eingeschlagenen Fenstern: Vom 9. auf den 10. November 1938 griffen Nazis in ganz Deutschland Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen an. Bildrechte: IMAGO

Die Forderung, dass sich Verbrechen wie der Mord an den Juden niemals wiederholen dürften, scheine inzwischen unerreichbar, sagte Schramm. "Aber es bleibt ein jüdischer Traum."

Auch heute müssten Juden in Thüringen wieder Beleidigungen und Angriffe auf ihre Einrichtungen ertragen, der letzte davon nach Schramms Angaben erst am Donnerstag auf den jüdischen Friedhof in Sondershausen. Wie in der Nazizeit reagierten viele Menschen darauf wieder mit Schweigen, Wegschauen und heimlicher Zustimmung. Deshalb müsse die Erinnerung an den 9. November 1938 als "Auftakt zum Massenmord" wachbleiben.

Die tragischen Fehler, die vor 80 Jahren gemacht wurden, dürften sich nicht wiederholen, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde.

Die letzte Friedhofsschändung wurde am Mittwoch in Sondershausen festgestellt.

Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen

Die verharmlosend als "Kristallnacht" bezeichneten Übergriffe auf Juden und ihre Synagogen, Wohnungen und Geschäfte hatten 1938 den Übergang von Diskriminierung hin zu Terror und Mord markiert. Von den fünf Toten im Zuge des Pogroms in Erfurt bis zu den sechs Millionen Toten am Ende des Hitler-Regimes sei der Weg relativ kurz gewesen, sagte Schramm. Die Gesellschaft habe den Terror gegen die Juden damals widerspruchslos hingenommen und damit die Nazis bestärkt. Hoffnung machten ihm heute die zahlreichen Demokraten im Land, sagte Schramm. "Aber es könnten ein paar mehr sein."

Vom 9. auf den 10. November 1938 hatten Nazis in ganz Deutschland Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen in Brand gesetzt. Zehntausende wurden gedemütigt, misshandelt, verschleppt, 100 Menschen ermordet.

Nächste Kabinettssitzung in der Erfurter Synagoge

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kündigte nach der Gedenkstunde an, die Landesregierung werde ihre nächste Kabinettssitzung in der Synagoge in Erfurt abhalten. Dort werde sie auch mit dem Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, darüber sprechen, was gegen eine Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen getan werden könne.

Gedenken an Pogromnacht im November 1938 im Thüringer Landtag
Alexander Nachama, Landesrabbiner, beim Gedenken an Novemberpogrome im Thüringer Landtag: In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gab es vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich. Bildrechte: dpa

Quelle: MDR THÜRINGEN

AKTUELLES AUS THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. November 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 20:37 Uhr

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13 Kommentare

10.11.2018 16:24 der_Silvio 13

@Eulenspiegel; "Da mussten sie aber ganz schnell im Internet Beweise zusammensuchen."
Sonst schreien sie dich immer danach - immer noch unzzfrieden?
Das sind aber keine Beweise sondern reale, geschehene Geschichte. Den zeit-Artikel ('Wer war der Mufti, der die Nazis unterstützte') haben sie großzügig ignoriert, was?
Es geht nicht darum, festzulegen, welcher Antisemitismus weniger schlimm ist! Aber was sie hier machen ist wiederwärtig; Erst leugnen sie den Judenhass der Muslime (#7) dann räumen sie ein klitzkleines bisschen ein (#11). SIE VERHARMLOSEN DEN ISLAMISCHEN ANTISEMITISMUS! Und dann geben sie in #11 dem Volk Israel die Schuld, daß die Islamische Welt dieses Volk hasst?!? Widerwärtig sind ihre Äußerungen!
Antisemitismus ist Antisemitismus, egal ob von Rechts, von Links oder von Muslimen.

MDR THÜRINGEN:
Hallo der_Silvio, bitte verbal und an der Shift-Taste wieder abrüsten, danke.

10.11.2018 13:45 Eulenspiegel 2 12

Was den Juden im 3. Reich geschehen ist das ist sehr schlimm. Und die stete Erinnerung ist wichtig. Das aber der Jüdische Staat die Palästinenser zu einer geduldeten Minderheit degradieren will ist deswegen nicht gut zu heißen.
Sie sehen diese Angelegenheit ist ein bisschen komplizierter.

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